Huchting. 15 von 42 Hummelarten leben derzeit in Bremen. Ein paar sind nur aufgrund der Bemühungen des 73-jährigen Tammo Hadeler in der Stadt an der Weser heimisch.
"Meine Frau Doris und ich sind vor 25 Jahren nach einem Vortrag in Bremen mal nach Syke-Gessel zu Horst Jäkel gefahren. Der hat ein altes Bauerngehöft, und wir standen da im Innenhof, und in zwei Meter Höhe hatte er einen Hummelkasten angebracht. Und da war ein richtiger Flugbetrieb, ständig flogen sie rein und raus. Und das war die Initialzündung. Das machen wir auch", war Tammo Hadelers erster Gedanke. Danach seien sie mehrmals beim "Hummelpapst" Eberhard von Hagen gewesen, um sich zu informieren.
So begann er im nächsten Frühjahr mit dem Einfangen der ersten Königinnen. "Alles, was im Frühjahr fliegt, sind befruchtete Jungköniginnen, die aus ihren Winterquartieren kommen. Die fliegen dann im Zickzack über die Erde und suchen einen Bau, zum Beispiel ein verlassenes Mäusenest. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem ich sie einsammele", erklärt Hadeler. Das Einfangen geschehe meistens mit Hilfe eines Netzes oder auch mit der bloßen Hand. Hummeln seien sehr friedfertige Tiere. Er biete dann den Königinnen eine "komfortable Eigentumswohnung" in seinem Garten. Das sind zwei Kartons, einer innen, einer außen, und als Verbindung dient ein Stück Gartenschlauch. "In diesen Schlauch lasse ich sie dann reinlaufen. Die schauen sich das dann innen an, im Prinzip habe ich ihnen ein Mäusenest nachgebaut. Wenn die Jungkönigin drin ist, verstopfe ich den Eingang. Dann mache ich den Eingang wieder frei, sitze auf meiner Bank und warte", erläutert Hadeler den Bezug der Eigentumswohnung.
Wenn die Königin anschließend raus kommt und anfängt, sich die Umgebung anzuschauen, dann ist das für ihn das Signal, dass die Hummel die Wohnung will. Dann bringt Tammo Hadeler nach der Abenddämmerung einen kleinen Vorbau an, dieser besteht meistens aus einer Filmdose. "Wenn die Hummel dann am nächsten Morgen herauskommt, dann merkt sie sich diesen Eingang. Nur sie weiß, dass sie dort zu Hause ist. So mache ich das mit allen Arten, die in Bremen heimisch sind", erklärt der Hummel-Hotelier. In dem Karton beginnt dann der Aufbau des Volkes. Ab Mai kontrolliert Hadeler fast täglich seine Völker, denn dann fliegt der einzige Schädling, der der Hummel gefährlich werden kann, die Wachsmotte. "Wenn ich die Wachsmotte nicht bemerke und nicht rechtzeitig entferne, habe ich unter Umständen ein kaputtes Hummelvolk."
Das wäre ein großer Verlust, wie Tammo Hadeler erläutert, denn die Hummel sei das einzige Lebewesen, das "Lippenblütler" wie zum Beispiel Löwenmäulchen, Lupinen oder Klee bestäuben kann. "Während Bienen nur von Sonnenaufgang bis -untergang arbeiten und Pflanzen bestäuben, tun Hummeln das schon in der Dämmerung, sobald es hell wird. Das sind immerhin ein paar Stunden mehr. Die Hummel fliegt auch bei Minusgraden, die Biene nicht", weiß der Fachmann. Dies mache sich auch im Gemüsegarten der Nachbarn bemerkbar. Sie haben bessere Ernten durch Hadelers Hummeln. Je nach Art hätte das Volk dann im Sommer eine Population von 50 bis zu mehreren hundert Individuen. Hummeln sind Einzelgänger, im Gegensatz zu Bienen geben sie sich gegenseitig keine Nachrichten.
Ab August produziert dann die Königin neue Jungköniginnen. Ab Ende August verlassen diese nach der Befruchtung durch ihre männlichen Artgenossen Hadelers Behausung. Die Kästen verbrennt der Hummelfreund anschließend wegen der Schädlinge. Im März beginnt der Kreislauf dann von Neuem.
Kleine Gesten für das Ökosystem
Aus einer Kur in Bad Wildungen brachte Tammo Hadeler Steinhummeln nach Bremen: "Die Steinhummel ist eine unserer größten Hummelarten, sie ist pechschwarz mit einem roten Hintern. Traumhaft schöne Tiere. Eigentlich darf man aus einer Kur nicht über Nacht weg, aber ich hatte die auf dem Balkon, und die fliegen sich schnell in einem neuen Gebiet ein. Dann bin ich mit den Hummeln im Kofferraum nach Bremen gedüst, habe sie aufgebaut und bin wieder zur Kur gefahren, damit ich beim Frühstück wieder rechtzeitig da sein konnte", erinnert sich Hadeler. Seit dieser Zeit seien sie in Huchting wieder recht zahlreich.
Mit kleinen Gesten könne man die Natur wieder ins Gleichgewicht bringen. Jeder könne es Hadeler gleichtun und in seinem Garten den Hummeln ein Zuhause geben. Im Gegensatz zu Bienenvölkern gebe es bei Hummeln keine Vorschriften. "Das Schönste ist, wenn die Königin nach drei Wochen im Karton mit den Kleinen rauskommt und ihnen den Garten zeigt. Es ist schön, ihnen im Sommer bei der Arbeit zuzuschauen", findet Tammo Hadeler.
Wer denkt, bei dem 73-Jährigen handele es sich lediglich um einen Rentner, der im Sommer in seinem Garten sitzt, irrt. Denn der pensionierte Lehrer und ehemalige Seemann geht einer Vielzahl von Hobbys nach. Sei es Geocaching, eine satellitengestützte Schnitzeljagd, für die er sogar jährlich in die Vereinigten Staaten reist, die Leidenschaft an moderner Technik oder die Reiselust. "Ich war mein ganzes Leben lang aktiv, ich bin kein Rentner, der tagsüber im Café sitzt. Schade nur, dass meine Frau krankheitsbedingt nicht immer dabei sein kann", betont der 73-Jährige.
Wer ebenfalls daran interessiert ist, den Hummeln ein Zuhause zu bieten, kann sich über E-Mail th2839@yahoo.de an Tammo Hadeler wenden. Bis Ende März ist noch Zeit einzusteigen.











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