
Seehausen. Dort, wo kürzlich noch das "Fährhaus Wessels" stand, ist heute nichts mehr zu sehen. Immer häufiger stand das beliebte Ausflugslokal unter Wasser, bis die Stadt Bremen das Gebäude gekauft und schließlich vor Kurzem abgerissen hat. Pächterin Dorle Vagner hat das Restaurant zum 31. Oktober 2010 geschlossen und nur wenige Meter entfernt den "Weser Utkiek" übernommen.
"Das Haus stand zum Teil im Deich, das war ein Angriffspunkt für das Wasser, den wir gerne beseitigen wollten", erklärt Rainer Suckau. Der Vorsitzende des Deichverbandes am linken Weserufer ist immer froh, wenn der Erdwall gegen die Fluten möglichst natürlich gestaltet werden kann – ohne Bauwerke und technische Vorrichtungen. "Das ist am sichersten gegen Überschwemmungen." Seit 2009 arbeiten Fachleute an der Erhöhung der Bremer Deiche am linken Weserufer. 1,30 Meter fehlen den Deichen in Niedervieland, an manchen Stellen in der Neustadt sind es nur wenige Zentimeter. Begonnen haben sie 2009 an der Ochtummündung. Bis spätestens 2020 wollen sie sich auf einer Strecke von 13,5 Kilometern bis zur Straße "Am Dammacker" in Huckelriede vorgearbeitet haben. Etwa 20 Millionen Euro investieren Bund, Land und die Europäische Union für diese Küstenschutz-Maßnahme. Der Grund für die Erhöhung liegt in der heutigen Nutzung der Weser: "Im Jahr 1880 lag der Tidenhub nur bei etwa 40 Zentimetern, da die Weser sehr versandet war, heute erreichen wir in der ausgebauten Weser eine Wasserspiegelschwankung von 4,20 Meter, da spielen Sturmfluten eine viel größere Rolle als damals", erklärt Suckau.

Neben der Erhöhung sollen die Deiche auch auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Ein grüner Erddeich, der zu beiden Seiten möglichst flach abfällt, ist der beste Schutz gegen Überschwemmungen, meint der Fachmann. "Deswegen sind wir auch froh, dass wir ohne das ,Fährhaus Wessels’ weder eine Spundwand noch einen Deichschart an dieser Stelle brauchen", so Suckau. Sechs Lücken dieser Art gibt es bereits am linken Weserufer. 2009 musste der Huckelrieder Deichschart zum letzten Mal geschlossen werden, damit kein Hochwasser in das dahinter liegende Wohngebiet fließt. "Vor Sturmfluten gibt es eine Vorwarnzeit von sechs bis sieben Stunden, in der wir reagieren können", berichtet Suckau. Je weniger Lücken im Ernstfall geschlossen werden müssten, desto besser sei es.
Spundwand gegen Erddeich
In den kommenden Jahren nähern sich die Deichbauer allmählich dichter besiedelten Gebieten als in dem bislang bearbeiteten ländlichen Gebiet. "Wenn wir Woltmershausen und die Neustadt erreichen, werden wir in einen stärkeren Dialog mit den Bürgern treten, da dort vielfältige Interessen aufeinandertreffen", sagt Anika Stief vom Deichverband.
Ein flach abfallender Erddeich braucht Platz, der nicht überall vorhanden ist. Von der Ochtummündung bis zum Hochregallager des Neustädter Hafens war diese Deichform bislang nahezu durchgängig möglich. In dicht besiedelten Gebieten wie Woltmershausen oder der Neustadt sei dies nicht an allen Stellen so einfach, so Stief. In Rablinghausen will der Deichverband gerne die Spundwand gegen einen Erddeich austauschen. Ein möglicher Weg, um das umzusetzen, wäre, ein paar Kleingartenparzellen dafür aufzugeben. "Noch ist es zu früh für Konkretes, aber wir wollen im Interesse der Betroffenen bei derartigen Maßnahmen früh informieren", so Suckau.
In der Neustadt wiederum hoffen viele Freizeitsportler und Spaziergänger zur Erhöhung der Sicherheit auf einen breiteren Rad- und Fußweg, wenn die Arbeiten am Deich ohnehin absolviert werden müssen. Ein Wunsch, den auch Suckau hegt, wenn auch aus anderen Gründen. "Ein breiterer Weg auf dem Deich wäre auch für die Instandhaltung des Deiches begrüßenswert, damit man mit Fahrzeugen Material an- und abfahren kann." Da jedoch viele private Grundstückseigentümer als Anrainer dort ein Mitspracherecht hätten, sei noch unklar, ob eine Verbreiterung überhaupt möglich sei. "Es ist noch viel zu früh, zum jetzigen Zeitpunkt über derlei Fragen nachzudenken, da die Arbeiten in der Neustadt frühestens 2016 beginnen können", sagt Suckau. Derzeit prüfen die zuständigen Mitarbeiter des Umweltsenators zunächst eine erste Machbarkeitsstudie für diesen Abschnitt sowie für die Strecke entlang des Woltmershauser Weserufers. "Erst danach können wir in die konkrete Planung gehen", sagt Suckau.











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