Rablinghausen. Alle Augen sind auf Lesley gerichtet. Geschickt schneidet die Zehnjährige mit einer Schere in ein Stück gefaltetes Papier. Als sie fertig ist, entfaltet sich das unscheinbare Blatt zu einer gezackten Kette – ein wahres Schmuckstück aus Papier. Eltern, Großeltern, Mitschüler und ihre Lehrerin Ulrike Weiß applaudieren, die Viertklässlerin aus der Grundschule Rablinghausen lächelt verlegen. Für sie ist Papierkunst mittlerweile ein Kinderspiel. Der Vorhang aus Papierketten, der hinter ihr von der Decke hängt, besteht aus unzählige Bögen aus reißfestem Papier. Lesley und ihre Mitschüler haben jeden einzelnen kunstgerecht zugeschnitten.
Auch die Herstellung von "Schnipp-Schnapp’s", Rosen aus vier Lagen Papier, beherrschen sie mittlerweile im Schlaf. Und nicht nur das: Zusammen mit ihrer Freundin Sherin entwickelte sie eine neue Technik, um die Schichten der Papierblüten zu verbinden. Inspiration für ihre Tackertechnik holten sie sich ganz professionell bei ausländischen Kollegen. "Die Idee zum Tackern kam uns im Überseemuseum", erzählt Sherin, "denn in Japan tackert man auch viel." Die beiden Mädchen waren so neugierig auf die Techniken aus anderen Ländern, dass sie die Karten von ihrer Exkursion am Vormittag benutzten, um abends weiter in der Ausstellung zu stöbern. Das Überseemuseum war aber nur eines von insgesamt vier Bremer Museen, das die vierte Klasse der Grundschule Rablinghausen mit der Kunstpädagogin Silke Rosenthal und ihrer Klassenlehrerin Ulrike Weiß besuchten.
Als eine von sechs Schulen nahmen die Rablinghauser im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem Kek-Kindermuseum und der Bremer Schuloffensive teil. Die Kinder konnten auch die vom Kek konzipierten Ausstellungen "Kapier Papier" und eine Schau über Papier in Kunst, Mode, Design, Musik und Theater bestaunen. Außerdem standen ihnen das Kunstbucharchiv in der Weserburg sowie das Kupferstichkabinett der Kunsthalle offen. "Die Kinder saugen das auf", berichtet Silke Rosenthal vom Kek-Kindermuseum von ihren Erfahrungen.
Gesättigt von so vielen Eindrücken, machten sich die Kinder selbst ans Werk: In fünf Sitzungen zeigten Silke Rosenthal und Ulrike Weiß den Jungkünstlern, wie man selbst Papier schöpft und individuell gestaltet, etwa mit Kümmelkörnern oder Serviettenschnipseln. Nach dem Vorbild des Künstlers Dietrich Helms falteten die Viertklässler Telefonbücher zu Skulpturen, versuchten sich selbst an Paul Klees Ölpausentechnik und entwarfen eigene Versionen von Dürers Rhinozeros.
Überstunden gemacht
"Die Kinder haben eigene Ideen zu den Vorbildern entwickelt", lobt Rosenthal die Rablinghauser Schüler. "So soll es sein". Schließlich geht es bei dem Projekt nicht nur darum, den Kindern bekannte Künstler nahezubringen. Sie sollen ihre Erfahrungen auch verarbeiten. So wickelten sie in stundenlanger Kleinarbeit Gegenstände in Alufolie oder Taschentücher. Dafür schob die Klasse auch Überstunden: "Wir haben viel im Unterricht nachgearbeitet", berichtet Klassenlehrerin Ulrike Weiß. Sie legte auch Wert darauf, dass die Kinder ihre Arbeiten selbst präsentieren. Sichtlich nervös stellten die Viertklässler die Früchte ihrer Arbeit vor. Doch mit dem Applaus wuchs auch der Mut. Schließlich durften auch die Besucher mitmachen: "Ihr könnt jetzt mal herausfinden, was das ist, indem ihr das anfasst", fordert eine kleine Museumsführerin ihr Publikum auf.











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