
Tenever. "Ich habe meinen Bruder auf dem Trampolin gemalt. Mein Vater ist am Computer, und meine Mutter bringt gerade Kekse auf die Terrasse", erzählt Maja und dreht ihr Zuhause, das sie auf einem "Pa-pierkarussell" festgehalten hat, weiter. "Und das bin ich. In Polen spiele ich mit dem Hund", fügt sie hinzu. Maja ist in Bremen geboren. Trotzdem habe sie zwei Zuhause. "Eins in Deutschland und eins in Polen", sagt die Neunjährige, die auch fließend polnisch spricht. Drei Mal im Jahr besuche sie ihr zweites Zuhause, ihre Cousinen lebten noch dort.
An zehn Projekttagen haben sich die Drittklässler, deren Familien größtenteils wie die von Maja fernab der Heimat leben, künstlerisch mit ihrem Zuhause beschäftigt. Was ist zu Hause? Wer gehört zu meinem Zuhause? Wo ist zu Hause mein Lieblingsplatz? Das seien Fragen gewesen, mit denen sich die Kinder auseinandergesetzt hätten, berichtet Katrin Seithel. Die Künstlerin war für die inhaltliche Gestaltung der Projekttage in der Schule Andernacher Straße verantwortlich und stand den Kindern unterstützend zur Seite. Mit den "Papierkarussells" verbinde sie die Assoziation, dass sich die Welt der Kinder drehe, erklärt die Zeichnerin ihr Konzept.

In Evins Welt dreht sich viel um Musik und ihren Computer. "Ich höre am liebsten Musik. Darum habe ich ein Mädchen mit Kopfhörern gemalt", erklärt die Neunjährige. Außerdem chatte sie zu Hause gerne mit ihren Freunden. Untrennbar mit ihrem Zuhause verbunden sind aber auch für sie ihre Familienmitglieder. Deshalb habe sie auch ihre zwei Brüder und ihre Mutter, die aus Armenien stammt, und ihren Vater, der aus der Türkei kommt, gemalt. "Mein Zuhause ist etwas Besonderes für mich", fügt Evin hinzu.
Wohn- und Lebensformen

In dem Projekt beschäftigen sich die Kin-der aber nicht nur damit, was ihnen ihr eigenes Zuhause bedeutet, sondern lernen auch andere Wohn- und Lebensformen kennen.
Neben den Karussells haben die Kinder der Schule Andernacher Sraße auch sich selbst und kleine andere Dinge gebastelt, die ihnen in ihrem Zuhause wichtig sind. Nach all dem Schneiden, Ausmalen und Kleben ist das Projekt allerdings noch nicht zu Ende.
"Quartier" habe Holzkisten zur Verfügung gestellt, und jedes Kind habe eine Holzkiste angemalt, sagt Seithel. "Die Kisten werden so aufeinandergestellt, dass sie kleine Häuser ergeben", erklärt die Künstlerin den weiteren Verlauf des Projekts. Außerdem würden die Häuser mit Dächern komplettiert.
"Die Kisten werden ganz individuell be-stückt", sagt Seithel. Wohnmodule, die die Kinder mit ihren Gefühlen und Gedanken künstlerisch beleben und beziehen, sollten so entstehen. Außerdem sollte jedes Kind einen gebastelten Gegenstand in den Dachboden des Hauses stellen, damit es auch einen gemeinsamen Raum gebe.
Die Häuser würden zudem gemixt, sodass sich Nachbarschaften von Kindern aus unterschiedlichen Stadtteilen bildeten. Ihre neuen Nachbarn haben die Kinder bereits durch Streckbriefe kennengelernt.
Diese Ideen bilden den Rahmen des Pro-jekts, das künstlerische Konzept erarbeiten die Künstler, die die Kinder in den verschiedenen Schulen begleiten. Dadurch würden die Wohnmodule sehr abwechslungsreich gestaltet.
In den kommenden Wochen beschäftigen sich auch Grundschüler der Schule am Buntentorsteinweg (Huckelriede), der Schule Stichnathstraße (Kattenturm), der Schule an der Paul-Singer-Straße (Vahr), der Schule Robinsbalje (Huchting), der Schule auf den Heuen (Oslebshausen), der Schule Pfälzer Weg (Tenever), der Schule am Ellenerbrokweg (Schweizer Viertel) und der Schule an der Witzlebenstraße (Vahr) künstlerisch mit ihrem Zuhause.
Die insgesamt 220 Wohnmodule, die auf diesem Wege entstehen, werden vom 20. bis 30. September zentral in Bremen ausgestellt. Wo genau, das entscheide sich in den nächsten Wochen, erklärt Kerstin Holst von Quartier.
Mit diesem Projekt wurde Quartier zu-dem als Ort im bundesweiten "Land der Ideen" ausgewählt. Damit ist "Quartier" einer von 365 Orten in Deutschland, die eine Expertenjury für ihre Kreativität und Innovativität auszeichnete. Schirmherr des Wettbewerbs ist der Bundespräsident.











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