Innensenator, Ortsamt, Polizei und Verkehrswacht haben nun eine Präventionskampagne gestartet, die die Gemüter beruhigen soll: Im Sinne derer, die im Blockland Ruhe und Entspannung suchen – und vor allem im Sinne der Menschen, die hier leben und arbeiten. Für Autos ist das Blockland tabu, dort dürfen außer den Anwohnern nur Kraftfahrer mit einer speziellen Sondergenehmigung des Ortsamtes verkehren – dem sogenannten Deichschein.
Spaziergänger, Inline-Skater und Fahrräder sind im Blockland dagegen gerne gesehen. Die Anwohner haben Verständnis dafür, dass die Stadtmenschen Erholung im "schönsten Vorgarten Bremens" suchen, wie Ortsamtsleiter Heiner Schumacher gerne sagt. Und die Besucher sind für viele Blockland-Bewohner schließlich auch willkommene Kundschaft. Nicht akzeptabel seien allerdings die Rennradfahrer, die die Straße inzwischen dominierten, wie der Ortsamtsleiter findet: "Man darf nicht vergessen: Hier leben und arbeiten Menschen, die das Gebiet erhalten und versorgen. Sie müssen sich hier sicher und frei bewegen können: Die Kinder ebenso wie die Erwachsenen auf dem Trecker." Er begrüße die Aktion und hoffe auf mehr Toleranz zwischen den Verkehrsteilnehmern. Schumacher: "Wir haben doch nur diese eine Straße."
Der in Findorff wohnhafte Senator ist mit seinem Rennrad oft im Blockland unterwegs. Am liebsten allerdings frühmorgens, wenn er den Nebel auf den Wiesen und die Ruhe der Landschaft fast alleine genießen kann. Der Weg entlang des Deiches sei zweifellos ein Paradies für Fahrradfahrer, schwärmt Ulrich Mäurer. Doch "viele brackern hier durch ohne Sinn und Verstand." Mitunter habe man den Eindruck, manche Besucher betrachteten das Blockland als "Abenteuerspielplatz", so formuliert es Axel Behme, Verkehrssicherheitsbeauftragter der Polizei Bremen. Aktuelle Statistiken könnten den Spaß verderben: So registrierte die Bremer Polizei im vergangenen Jahr 1573 Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, mit 1187 verletzten Radfahrern. Rund die Hälfte der Unfälle hatten die Radler durch ihr eigenes Verhalten verursacht, heißt es bei der Polizei. Bundesweit sind rund ein Drittel aller Verletzten und etwa zehn Prozent der Unfalltoten im Straßenverkehr Radfahrer. In der Fahrradstadt Bremen, in der rund ein Viertel aller Wege mit dem Rad zurückgelegt werden, ist der "Blutzoll", wie Behme sagt, im Verhältnis deutlich höher: Auf Bremens Straßen starben im vergangenen Jahr sechs Radfahrer – das sind genau die Hälfte aller Verkehrstoten. Ihr besonderes Risiko ist erklärbar: "Fahrradradfahrer haben keine Knautschzone", sagt der Sicherheitsexperte.
Seit Sonnabend appelliert nun ein großes blaues Banner an der Brücke am Kuhsiel für mehr Rücksichtnahme gegenüber Fußgängern. Bei dem rasenden Tross, der auf seinen Rennrädern um die Kurve jagte, ist die Botschaft allerdings nicht angekommen.
Mit stärkerer Polizeipräsenz und einem Flyer will die Polizei auf, so Behme, "sympatische, aber nachdrückliche Weise" dafür sorgen, dass der lebensrettende Appell in Zukunft nicht mehr übersehen wird.











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