Blockland. Das Ende bedeutete einen neuen Anfang: In den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die großen Veranstaltungssäle im Blockland geschlossen, erzählt Hans Heinrich Garbade, der Vorsitzende des Heimatvereins. Bis dahin konnte sich das Dorf bei Schmidt, Niederblockland 26, und im "Heisternest", Niederblockland 4, treffen. Nunmehr musste man Feuerwehrbälle und Erntefeste im Zelt feiern, weil die Blocklander Gaststätten dafür zu klein waren. Das sollte kein Dauerzustand bleiben, fanden zwei Beiratsmitglieder, Friedrich Kropp und Walter Kautz. Sie setzten sich aufs Fahrrad und radelten den langen Wümmedeich rauf und runter.
Bald fanden sie etwas Passendes. Das alte Reetdachhaus Niederblockland 20 war unbewohnt, und der Eigentümer Frerk Garbade, der inzwischen in einem modernen Wohnhaus hinten auf dem Hof lebte, zeigte sich bereit, einen Nutzungsvertrag abzuschließen. Nicht nur über das Bauernhaus, in dem damals Hobbyschrauber eine Autowerkstatt eingerichtet hatten, sondern auch für die Scheune, in der Ziegen, Schafe und Esel hausten, sowie für das ehemalige Backhaus.
Der Hof Niederblockland 20 hat eine lange Familiengeschichte. 1762 heiratete die Tochter Metje Blanke den vom Hof Niederblockland 14 stammenden Jürgen Sinning (1743-1822), der 1777 das heute noch stehende Niedersachsenhaus baute. Jürgen Sinning verdankt das Blockland viele Aufzeichnungen: Er führte ein Tagebuch, das schon eher eine Dorfchronik war. Außerdem verfasste er 1818 einen kurios anmutenden "Tractat gegen den Unglauben, dass die Erde sich um die Sonne drehe" - etwa 200 Jahre, nachdem Johannes Kepler herausgefunden hatte, dass die Planeten um die Sonne kreisen. Jürgen Sinning hatte acht Töchter, die älteste heiratete Frerich Garbade. Seitdem ist der Hof im Besitz der Familie Garbade.
38 Gründungsmitglieder
Nachdem den Mietern der alten Gebäude gekündigt worden war, konnte ein Nutzungsvertrag abgeschlossen werden. Für eine einzelne Person wäre das Risiko aber zu groß gewesen, deshalb beschloss der Beirat nach einer Diskussion mit den Blocklander Vereinen, einen Heimatverein ins Leben zu rufen. Im Dezember 1986 verschickte das Ortsamt an jeden Blocklander Haushalt eine Einladung zur Gründungsversammlung. 38 Bürger unterschrieben schließlich die Gründungsurkunde. "Zwei Jahre später waren es schon 100 Mitglieder", sagt Kassenwartin Dagmar Schütte - heute sind es 166 bei einer Einwohnerzahl von etwa 350. Weil Familien als ein Mitglied zählen, ist also eigentlich fast jeder Blocklander im Heimatverein, ebenso alle Blocklander Vereine, darunter auch die Landjugend. "Klar sind wir im Heimatverein, das sind ja unsere Eltern", meinen Ilka Schütte, Friederike Geerken und Lara Gartelmann vom Landjugendvorstand. Tina Schnakenberg, jetzt zweite Vorsitzende des Heimatvereins und vor ein
paar Jahren noch im Vorstand der Landjugend, sagt: "Wir sind jünger als die meisten anderen Heimatvereine und Dorfgemeinschaften - drei Vorstandsmitglieder unter 30 Jahren, wo gibt es das denn sonst?"
Die 38 Gründungsmitglieder hatten 1987 gut zu tun: In dem alten Bauernhaus mussten die Wände herausgenommen, Balken erneuert oder ausgebessert und die Fächer des Fachwerks neu gemauert werden. Auch die Gründungsbalken waren morsch, außerdem wurden eine Decke eingezogen und das Dach neu gedeckt. "Aber erstmal musste Geld beschafft werden", so Dagmar Schütte. Das kam von der Spielbank Bremen, der Stiftung Wohnliche Stadt und aus den Globalmitteln, die der Beirat jedes Jahr zu verteilen hat. "Da haben die anderen Vereine ein paar Jahre lang darauf verzichtet, Anträge zu stellen", sagt Beisitzer Harje Kaemena.
Nach einem Jahr konnte die erste Party auf der Diele steigen, das Haus war fertig renoviert. Dann ging es an die Scheune, in der sich heute die Küche, die Toiletten und ein kleinerer Raum für private Feiern befinden, und zum Schluss wurde das Backhaus renoviert. Das beherbergt heute das Archiv, einen Sitzungsraum und natürlich wieder einen Steinbackofen. Nach fünf Jahren war alles geschafft. "Das war eine gewaltige Leistung, da hat jeder mitangepackt", lobt Harje Kaemena seine Altvorderen. "Heute wäre so etwas wohl nicht mehr möglich", ergänzt Tina Schnakenberg. Aber viel getan werden müsse immer noch: Die Instandhaltung der Gebäude sei sehr aufwendig.
Jetzt wird aber erstmal gefeiert: Am Sonnabend, 28. April, steigt die Jubiläumsparty im Dorfgemeinschaftshaus. Sie beginnt um 19.30 Uhr mit einem Sektempfang, dann spielt die Landjugend ihr neues Stück "Gauer as de Füerwehr", anschließend ist "Party, Party, Party". Die zweite Aufführung des Theaterstücks folgt am Dienstag, 1. Mai, ab 14.30 Uhr. Es schließt sich an ein "Original-Blocklander Kuchenbuffet" an. Besucher von auswärts dürfen den Wümmedeich an diesen beiden Tagen mit dem Auto befahren, ohne bei der Polizei einen "Deichschein" zu beantragen.











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