Gröpelingen. Sie leben auf Industriegeländen, in Parzellengebieten, auf Hinterhöfen oder mitten in der Stadt am Bahnhof: In Bremen gibt es schätzungsweise 10 000 zurückgelassene oder verwilderte Hauskatzen. Eine Katze kann bis zu zweimal im Jahr Junge bekommen, pro Wurf etwa fünf Kätzchen. Im Durchschnitt überleben davon drei Tiere, die sich dann ihrerseits nach Erreichen der Geschlechtsreife um den sechsten Lebensmonat herum ihrerseits unkontrolliert vermehren. Die Zahl der Nachkommen einer einzigen Katze kann so innerhalb weniger Jahre in die Tausende gehen, wie der 1991 gegründete Verein Katzenhilfe Bremen auf seiner Internetseite vorrechnet. Rund 5000 Tiere konnten dessen ehrenamtlich tätige Mitglieder in den vergangenen zehn Jahren einfangen, kastrieren lassen und an betreuten Futterstellen wieder auswildern oder an neue Besitzer vermitteln. Allein im vorigen Jahr ließ der Verein 827 Tiere kastrieren.
Eines der Hauptanliegen des Vereins ist die Kastration verwilderter und frei lebender Hauskatzen. Seit einem Jahr zieht dabei nun auch die Stadt mit: Im Mai 2011 hat die Bremische Bürgerschaft eine Kastrationspflicht für frei laufende Katzen beschlossen, die inzwischen in Kraft ist. Wer seine unkastrierte Katze aus dem Haus lässt, muss mit einem Bußgeld von 500 Euro rechnen.
Tolle Villen und arme Hütten
Rund 40 Anrufe gehen täglich bei der Katzenhilfe ein: Wenn Anwohner dem Verein irgendwo in Bremen wilde Katzen melden, dann rücken die Vereinsvorsitzende Ilse Duhr und ihre Mitstreiterinnen aus. "Ich war schon in der tollsten Villa und in der ärmlichsten Hütte", erzählt Duhr, in deren "Katzenhaus" in Grambke sich die Streuner nach der Kastration erholen können, bis es wieder in die Freiheit oder in ein neues Zuhause geht. Meistens freuen sich die Menschen über das Erscheinen der Katzenhilfe – aber nicht immer.
"Goosestraße, das war schon massiv", erinnert sich Duhr zum Beispiel noch lebhaft an den vorigen Sommer: Der Verein hatte von einigen Anwohnern erfahren, dass am Marktplatz Ecke Pastorenweg/Goosestraße etliche verwilderte Katzen leben und sich vermehren, die dort von einigen Anwohnern gefüttert würden. Daraufhin nahmen die ehrenamtlichen Katzenhelfer das Gebiet für eine "Bestandsaufnahme" ins Visier. Anschließend platzierten sie Fallen, um die Katzen einzufangen, zu kastrieren und später wieder auszusetzen.
Schon nach kurzer Zeit allerdings tauchten damals mehrere Anwohner auf, die sich über die Fallen beschwerten und ankündigten, die Fangaktion unter allen Umständen zu sabotieren. 28 Tage lang, erzählt Duhr, hätten die Tierschützer zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten versucht, die Katzen einzufangen – und immer wieder seien auch ihre Kontrahenten zur Stelle gewesen, die die Katzen ihrerseits zu verscheuchen versuchten. Dabei ging es handfest zur Sache, es gab Händefuchteln, Angriffe und Fahrradattacken; Duhr selbst bekam eine Ohrfeige ab, als sie sich gegen den Diebstahl einer Falle zur Wehr setzen wollte.
Fast täglich habe der Verein schließlich während der Fangaktion Kontakt mit der Polizeiwache gehabt und dabei fünf Anzeigen wegen unterschiedlicher Straftaten erstattet. Katzenkastration mit "Polizeischutz" – das habe es vor Jahren schon mal in Woltmershausen und in der Grohner Düne gegeben, so Duhr. Den in Gröpelingen hinzugezogenen Polizisten war es allerdings letztendlich nicht gelungen, den Streit zu schlichten.
Elf Katzen konnten die Vereinsmitglieder schließlich aber doch einfangen und kastrieren, darunter sechs Jungtiere. "Zwei der Katzenbabies konnte der Tierarzt leider nicht mehr retten", heißt es in einem Schreiben des Vereins ans Ortsamt. Parasiten hatten den Tieren bereits stark zugesetzt. Wären sie frühzeitiger zum Tierarzt gekommen, hätten sie nach Ansicht des Vereins gerettet werden können.
Jetzt im Mai, weiß Duhr, bekommen die Katzen wieder Junge, deshalb hält sich die Katzenhilfe momentan mit Fangaktionen zurück, um nicht womöglich aus Versehen ein Muttertier von ihrem Wurf zu trennen.
Am Gröpelinger Marktplatz gibt es noch immer viele Katzen, die von einigen Anwohnern gefüttert werden. "So lobenswert auch die Fütterung ist, Tierschutz der Straßenkatzen kann nicht mit der Fütterung enden, sondern es muss dafür gesorgt werden, dass durch Kastration die Vermehrung der Tiere und damit das elende Leben auf der Straße verhindert wird", betont Duhr.
Für ihren Verein steht fest: So lange noch unkastrierte Tiere in diesem Gebiet leben und sich weiterhin vermehren, ist dieser "Katzenkrieg" noch nicht gewonnen. "Die Tiere sind ungeschützt der Witterung ausgesetzt, dadurch anfälliger für Krankheiten und Parasitenbefall. Die ständige Fluchtbereitschaft ist ein weiterer Stressfaktor", schildern die Tierschützer. Und: "Wir waren und sind noch immer sehr betroffen über die Einstellung dieser so genannten Tierschützerinnen, die todkranke Jungtiere füttern, streicheln und dann sich selbst überlassen." Katzen, die von der Katzenhilfe eingefangen wurden, sind übrigens leicht zu erkennen: Sie bekommen nach der Kastration eine Kerbe ins Ohr.
Weitere Informationen im Internet unter www.katzenhilfe-bremen.de.











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