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Grundschule Lemwerder-West schließt die Pforten / Ein Rückblick auf die Geschichte an diesem Standort Heute ist der letzte Schultag

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Einige Tausende Ostvertriebene, die in Lemwerder untergebracht werden mussten, machten nach dem Krieg einen Schulneubau
Einige Tausende Ostvertriebene, die in Lemwerder untergebracht werden mussten, machten nach dem Krieg einen Schulneubau in Lemwerder-West nötig. 1952 war es dann soweit: Es wurde Richtfest gefeiert – der neuen Volksschule und späteren Grundschule Lemwerder-West an der Ritzenbütteler Straße.

Lemwerder. Wenn am heutigen Freitag die letzten vier Jahrgänge der Grundschule Lemwerder-West in die Sommerferien entlassen werden, dann nicht nur für sechs Wochen – die Schule schließt nach sechs Jahrzehnten ihre Pforten. Damit gibt die Gemeinde einen Schulstandort auf, dessen Geschichte viel weiter zurück reicht als bis zum Jahr 1952.

Die erste Schule in Lemwerder stiftete 1658 der Vikar und Deichinspektor Heinrich Glüsing. Sie stand unmittelbar neben der kleinen Kapelle am Deich und war ursprünglich das Pfarrhaus gewesen. Als ersten Schulhalter, so die damalige Bezeichnung, nennt die "Chronik der Stedinger Schulen" von Gerold Meiners den Lehrer Harm Haye. Zwei Jahrhunderte lang wurde das Gebäude nur geringfügig modernisiert: der Fußboden erneuert (im Jahr 1802), größere Giebelfenster eingebaut (1841). 1842 unterrichtete der damalige Hauptlehrer Hinrich Focke 142 Schülerinnen und Schüler in einem einzigen Raum – heute eine abenteuerliche Vorstellung. Ein größeres Gebäude schien unumgänglich.

Neben der Kapelle am Deich wurde 1843 auf Betreiben Pastor Gerhard Steinfelds diese neue Schule gebaut. 23 Jahre später
Neben der Kapelle am Deich wurde 1843 auf Betreiben Pastor Gerhard Steinfelds diese neue Schule gebaut. 23 Jahre später reichten die neuen Räume für die wachsende Zahl an Kindern schon nicht mehr aus, ein Anbau wurde benötigt. Damals besuchten 160 Kinder die Schule, Lemwerder hatte 920 Einwohner.

Der Altenescher Pastor Gerhard Steinfeld setzte einen Neubau mit zwei Klassen durch, der 1843 bezugsfertig wurde. Gegen alle Widrigkeiten – auch damals kostete ein Schulbau viel Geld – stand Steinfeld der damalige Hauptlehrer Gerhard Böhlje zur Seite. 1866 reichten die neuen Räume für die wachsende Zahl an Kindern schon wieder nicht mehr aus, ein Anbau wurde nötig. 160 Schüler besuchten die Schule, Lemwerder hatte 920 Einwohner.

Eine zweite Schule wurde nötig

Eine Ära geht zu Ende: 60 Jahre lang besuchten Lemwerders Kinder die Schule in Lemwerder-West, drei Generationen wurden
Eine Ära geht zu Ende: 60 Jahre lang besuchten Lemwerders Kinder die Schule in Lemwerder-West, drei Generationen wurden hier unterrichtet. Das älteste Einschulungs-Foto aus der Sammlung von Axel Kaufmann datiert von 1956. Rechts im Bild ist der damalige Schulleiter Karl Rasch zu sehen.

Gut 40 Jahre blieben die räumlichen Verhältnisse unverändert. Dann machte die auf 187 gestiegene Schülerzahl den grundlegenden Beschluss für eine zweite ganz neue Schule nötig. Sie sollte vier Klassenzimmer haben und wurde auf einer landwirtschaftlichen Parzelle gebaut, die von der Gemeinde zu diesem Zweck Am Kamp erworben wurde. Im August 1912 zogen die Schüler dort in ihr neues Schulhaus ein.

Der Zuzug von Arbeitnehmern für die aufblühende Flugzeugindustrie in Lemwerder und die dadurch wachsende Bevölkerungszahl erforderte nahe der neu errichteten Eschhofsiedlung den Bau einer weiteren Schule. 1938 wurde die Eschhofschule eingeweiht. Die Schule im Westen des Ortes wurde zur alten Schule und stand nur 31 Jahre: Sie fiel am 8. Oktober 1943 einem schweren Bombenangriff auf Lemwerder zum Opfer. 52 Einwohner kamen dabei ums Leben.

An einen Wiederaufbau war in jenen Tagen aber nicht zu denken. Die Schüler wurden auf die Schulstandorte Bardewisch und Eschhof verteilt. Infolge der erheblichen Schäden blieb nur der Abbruch der Ruine. Einige Tausend Ostvertriebene, die in Lemwerder untergebracht werden mussten, machten nach dem Krieg einen Schulneubau in Lemwerder-West aber doch wieder nötig. Die Volksschule, in der Kinder von Klasse eins bis acht unterrichtet wurden, wurde Ende 1952 ihrer Bestimmung übergeben. Zum Schuljahr 1953/1954 wurden die ersten Schüler eingeschult.

Hier enden bedauerlicherweise die akribischen Aufzeichnungen des Heimatforschers Gerold Meiners. Informationen über die letzten 60 Jahre der Schule gibt es nur noch spärlich, da die Schulchronik unauffindbar ist. Axel Kaufmann hat zum großen Abschlussfest alles für eine Ausstellung zusammen getragen, dessen er habhaft werden konnte. Da er selbst ein Ehemaliger der Schule ist, erinnert Kaufmann sich, dass anfangs pro Klasse jeweils zwei Jahrgänge unterrichtet wurden. Er weiß auch noch, dass alle Klettergerüste nach Entwürfen des Lehrers Arthur Pleuß in Eigenleistung von Eltern gebaut wurden.

Die Nachnutzung ist noch unklar

Das genaue Jahr, in dem die Volksschule für Schüler vom ersten bis zum achten Schuljahr in eine Grundschule für Klassen eins bis acht überging, ist allerdings nicht mehr zu ermitteln. Als wahrscheinlich ist anzunehmen, dass dieser Schritt im Zusammenhang mit der Einführung der Orientierungsstufe in Niedersachsen 1974 vollzogen wurde.

Über die Nachnutzung des vor einigen Jahren energetisch sanierten Gebäudes auf dem idyllisch gelegenen Grundstück an der Ritzenbütteler Straße gibt es, wie von der Gemeinde Lemwerder zu erfahren war, derzeit noch keine konkreten Vorstellungen.



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