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Untersuchungsausschuss Klinikkeime in Bremen Behörde hat Gesundheitsamt offenbar nicht informiert

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„Von dem Gutachten des Bonner Hygiene-Experten habe ich einen Tag später aus den Medien erfahren“, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes, Eberhard Zimmermann, am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuss „Krankenhauskeime“. „Bekannte haben mich am Sonnabend darauf hingewiesen, ich sollte doch einmal im Internet nachsehen.“

Das betreffende Gutachten ist am vergangenen Freitag auf einer öffentlichen Pressekonferenz im Dienstsitz von Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) vorgestellt worden. Es nennt die mögliche Ursache für den tödlichen Keimausbruch auf der Frühgeborenen-Intensivstation – eine Dosieranlage für Desinfektionsmittel – und stammt von dem Bonner Hygiene-Professor Martin Exner. Das Gutachten oder eine andere schriftliche Information durch die Gesundheitsbehörde sei dem Amt bis heute nicht zugegangen.

Und das ist kein Einzelfall, wie am Dienstag im Untersuchungsausschuss bekannt geworden ist. Danach hat das Gesundheitsamt von einem Gutachten des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene (BZH) von Mängeln bei Reinigungs- und Hygieneanweisungen im Klinikum Bremen-Mitte ebenfalls aus der Presse statt von der Gesundheitsbehörde erfahren: „Das Gutachten habe ich mir nach Medienberichten aus dem Internet heruntergeladen“, sagte Werner Wunderle, Referatsleiter im Gesundheitsamt, vor dem Ausschuss.

Mehr zum Thema lesen Sie am Mittwoch im WESER-KURIER.



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Dossier zum Hygiene-Skandal

Wie Anfang November bekannt geworden ist, sind im Klinikum Bremen-Mitte mehrere Frühchen am sogenannten ESBL-Keim gestorben. In unserem Online-Dossier sammeln wir die Berichterstattung rund um den Hygiene-Skandal.

Der Abschlussbericht

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Keim-Skandal im Klinikum Bremen-Mitte benennt in seinem Abschlussbericht Fehler auf mehreren Ebenen.

Den kompletten Abschlussbericht lesen Sie hier.

Chronologie: Resistente Keime im Klinikum

30. April 2011: Der multiresistente Keim wird erstmals auf der Intensivstation für frühgeborene Babys entdeckt.

8. August 2011: Ein Frühchen stirbt an der Infektion. Im August und im September wird der Erreger bei weiteren Babys nachgewiesen.

7. September 2011: Die Klinikleitung informiert das Bremer Gesundheitsamt.

16./27. Oktober 2011: Zwei weitere Kinder sterben.

1. November 2011: Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) wird informiert, das Robert-Koch-Institut (RKI) eingeschaltet.

7. November 2011: Die Klinik startet mit der Desinfektion der betroffenen Intensivstation. 15 Babys werden verlegt.

15. November 2011: Der Chefarzt der Kinderklinik wird entlassen.

18. November 2011: Die Bürgerschaft in Bremen setzt einstimmig einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein.

1. Dezember 2011: Die RKI-Experten legen ihren Bericht vor. Sie können nicht mehr feststellen, was die tödliche Infektionswelle auf der Frühchenstation ausgelöst hat.

20. Dezember 2011: Auf der Frühchenstation wurde schlampig dokumentiert, Meldepflichten wurden missachtet. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsbericht von Staatsrat Matthias Stauch.

9. Januar 2012: Die Klinik eröffnet die Frühchenstation wieder.

23. Februar 2012: Wieder werden Darmkeime bei Frühchen nachgewiesen.

24. Februar 2012: Für die Station gilt ein Aufnahmestopp, Experten des RKI untersuchen die Vorfälle.

28. Februar 2012: Senatorin Jürgens-Pieper lässt prüfen, ob ein anderes Krankenhaus in Bremen für die Intensivbehandlung von Frühchen hergerichtet werden kann.

29. Februar 2012: Zwei Frühchen sterben an Blutvergiftung.

29. Februar 2012: Gesundheitssenatorin Jürgens-Pieper stellt Geno-Chef Diethelm Hansen von seinen Aufgaben frei

01. März 2012: Der Untersuchungsausschuss kündigt an, seine Arbeit fortzusetzen

02. März 2012: Die Staatsanwaltschaft schickt Gutachter auf de Frühchenstatuin

05. März 2012: Ermittler stellen Akten bei der Geno sicher

06. März 2012: Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper ernennt Jutta Dernedde zur neuen Chefin des Klinikverbundes

08. März 2012: Im Untersuchungsausschuss: Diethelm Hansen weist alle Verantwortung von sich

09. März 2012: Suche nach der Keimquelle wird ausgeweitet: Auch Besucher, Reinigungskräfte und Handwerker werden untersucht

13. März 2012: Hygieneregeln in Brmer Krankenhäusern sollen verschärft werden

14. März 2012: Ein Klebsiella-Keim wird auf einer Handschuhbox nachgewiesen

27. April 2012: Der Klinikverbund stellt einen neuen Krankenhaushygieniker ein

10. Mai 2012: Durch die Schließung der Frühchen-Intensivstation im Klinikum Mitte kommt es zu Versorgungsengpässen

14. Mai 2012: Erneuter Keimausbruch: Das gefährliche Darmbakterium wird bei einem zehn Wochen alten Baby nachgewiesen

22. Mai 2012: Neues Gutachten belegt erhebliche Hygiene-Mängel

22. Mai 2012: Das Arbeitsgericht erklärt die Kündigung des ehemaligen Chefarztes Hans-Iko Huppertz als unwirksam

23. Mai 2012: Gentest belegt, dass der Keim erneut im Klinikum aufgetreten ist

24. Mai 2012: Nach dem erneuten Keimfund verschärft die Klinik die Putzvorschriften

30. Mai 2012: Es wird bekannt, dass die Bakterien im September 2011 auch im Leitungswasser und auf Oberflächen gefunden worden

08. Juni 2012: In einer Dosieranlage für Desinfektionsmittel ist das Erbgut des Keims gefunden worden, an dem drei Frühchen auf der Station gestorben sind. Ein Test soll nun letzte Gewissheit bringen.

12. September 2012: Die Bremer FDP fordert den Rücktritt von Gesundheitssenatorin Jürgens-Pieper. Anlass ist ein Gutachten, in dem der Tod der Frühchen auf Fahrlässigkeit und Fehler im Haus der Gesundheitssenatorin zurückführt wird.

01. Oktober 2012: Zehneinhalb Monate nach seiner Entlassung wegen des Skandals kehrt der Chefarzt der Kinderklinik, Hans-Iko Huppertz, an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Das Arbeitsgericht hatte seine fristlose Kündigung aufgehoben.

26. November 2012: Gesundheits- und Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper tritt zurück. Als Begründung gibt sie an, dass ihr weitere Mittel für den Bildungshaushalt nicht genehmigt wurden.

27. November 2012: Der Untersuchungsausschuss berät über seinen Abschlussbericht

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