
„Wir sind sehr erleichtert, dass die Kündigung von Professor Huppertz endlich vom Tisch ist“, sagte gestern der Vorsitzende des Landesverbandes der Bremer Kinder- und Jugendärzte, Stefan Trapp. „Jetzt fordern wir seine sofortige Wiedereinstellung als Leiter der Professor-Hess-Kinderklinik.“
In der Entscheidung des Arbeitsgerichts sieht er eine Bestätigung dafür, „dass die fristlose Kündigung von Professor Huppertz durch den damaligen Chef der Gesundheit Nord (Geno), Diethelm Hansen, eine einsame und falsche Entscheidung war“. Trapp: „Sie sollte den Geno-Chef entlasten, das hat aber nicht funktioniert.“
Rechtsanwalt Wolf Martin Nentwig, der Hans-Iko Huppertz gestern in der mündlichen Verhandlung vor dem Arbeitsgericht vertrat, sagte, Ziel seines Mandanten sei die Rückkehr an den früheren Arbeitsplatz. „Auf Basis dieses Urteils steht dem auch nichts mehr entgegen“, so Nentwig. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig; erst in zwei bis drei Wochen wird die schriftliche Urteilsbegründung erwartet.
Dann entscheidet sich auch, wie der Klinikverbund Geno damit umgehen wird. Er kann Rechtsmittel einlegen, aber auch den Weg für eine Wiedereinstellung des ehemaligen Chefarztes freimachen. „Wir bleiben dabei, dass es im Umgang mit dem Keimausbruch eine Pflichtverletzung gegeben hat“, sagte Geno-Sprecherin Karen Matiszick.
Verbandsvorsitzender Trapp setzt dennoch große Hoffnungen in die neue Geschäftsführung des Klinikverbundes: „Nach der Beurlaubung von Herrn Hansen gibt es jetzt die Möglichkeit, Fehler zu korrigieren“, appellierte er an die neue Geno-Chefin Jutta Dernedde. Aus Sicht des Kinderarzteshat die „voreilige“ Entlassung von Huppertz dem Image der Bremer Kinderklinik erheblich geschadet. Trapp: „Das kann jetzt rückgängig gemacht werden.“ Er fordert Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) auf, sich dafür einzusetzen. „Es ist ja verständlich, dass sie sich zunächst hinter den Geno-Chef stellen musste, nachdem er im Alleingang die Kündigung angewiesen hatte. Hansen ist jetzt aber nicht mehr da.“
Die Behörde selbst äußert sich nicht zu der Personalie Huppertz. Eine Meinung aus dem Resort gibt es dazu dennoch: Staatsrat Joachim Schuster (SPD) sagte am Dienstag im Untersuchungsausschuss „Krankenhauskeime“: „Formal ist die Anweisung des Geno-Chefs zur fristlosen Kündigung nicht zu beanstanden, politisch und persönlich hätte ich aber eine vorherige Rücksprache mit der Gesundheitssenatorin und Vorsitzenden des Geno-Aufsichtsrats für sinnvoll gehalten.“
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp sieht in dem gestrigen Urteil einen Beleg „für das desolate Krisenmanagement“ der Senatorin. „Sie wollte den anerkannten Chefarzt zum alleinigen Sündenbock für den tödlichen Keimausbruch auf der Frühchenstation machen und ist mit diesem Vorhaben gescheitert.“ Jürgens-Pieper habe die „voreilige Entlassung“ des Chefarztes durch den ehemaligen Geno-Chef gebilligt, Röwekamp spricht von „politischem Versagen“.
Gesundheitsbehörde und Klinikverbund müssen sich aktuell mit einem weiteren Alleingang des Ex-Geno-Chefs beschäftigen: Im Untersuchungsausschuss war ein Gutachten aufgetaucht, das vom beschlagnahmten Rechner Hansens stammt und gravierende Hygienemängel in der Frauenklinik dokumentiert – dort, wo sich die Frühchenstation befand.
Zeitpunkt des Gutachtens war nach der Wiedereröffnung der Station – nach der ersten Infektionswelle. „Das Gutachten war uns bis Dienstag nicht bekannt“, bestätigte gestern Karla Götz, Sprecherin von Jürgens-Pieper. „Wir haben einen Bericht von der Geno dazu angefordert.“
Aber auch im Klinikverbund ist die Verwirrung groß: „Wir müssen erst einmal herausfinden, wann, von wem und in welchem Zusammenhang das Gutachten in Auftrag gegeben wurde“, sagte Geno-Sprecherin Matiszick. Es beziehe sich aber nicht auf die Frühchenstation, sondern auf andere Abteilungen in der Frauenklinik. Matiszick: „Einige Fragen sind noch offen. Zum Beispiel, warum aufgelistete Mängel teilweise noch nicht abgestellt sind.“




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