
Dort, wo heute die Volkshochschule steht, hatte Julius Bamberger 1907 sein Kaufhaus eröffnet. Der jüdische Kaufmann vergrößerte und modernisierte das Geschäft, das als „Bambüddel“ bekannt wurde. „Bamberger war sehr beliebt, denn man durfte bei ihm anschreiben lassen und er machte spezielle Angebote, wenn seine Kunden wenig Geld hatten“, sagt Gästeführer Arthur Zapf. In der Zeit des Nationalsozialismus musste der Kaufmann sein Haus verkaufen und nach Amerika fliehen. Dort starb er verarmt in Los Angeles.
Das Bamberger-Haus war nach dem Krieg zerstört. Beim Aufbau des Gebäudes wurde der Turm in seiner alten Form errichtet und auch der Schriftzug Bamberger fand wieder seinen Platz auf dem Dach. Außerdem erinnert ein Geschäft im Erdgeschoss namens „Bambüddel“ ebenfalls an die alte Zeit.
Die Stadtführung „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bremen“ führt quer durch die ganze Stadt und so müssen Strecken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Auf der Straßenbahn-Fahrt an der Hankenstraße vorbei erzählt Zapf: „Hier lebte ein Rabbi, der sozusagen die erste Synagoge gründete, er hielt seit 1803 Gottesdienste Zuhause ab“.
Die Bahnfahrt endet in der Obernstraße. Dort standen in den 1920er Jahren viele jüdische Kaufhäuser, die im Zweiten Weltkrieg alle zerstört worden sind. Dennoch nutzt der Gästeführer die Gelegenheit, etwas zu erklären: „Die Juden waren von Allem ausgeschlossen, was von der Zunft geregelt wurde. Das bedeutete, dass sie nur mit Handel oder Bestattungen Geld verdienen konnten. Diese beiden Berufe galten als unrein“.
Ein Stück weiter zeigen die linken Türen der Domportale das Alte Testament, die rechten Türen das Neue. „Die Figuren auf den Türen sehen wie Karikaturen aus der NS-Zeit aus. Beispielsweise haben sie ausgeprägte Hakennasen“, sagt Zapf. Neben den Domportalen hängt eine Tafel, die erklärt, dass sich die Domgemeinde von diesen Darstellungen distanziert. „Trotzdem müssen sie als historisches Gut bewahrt bleiben“, sagt Zapf.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Stadtführung liegt in der Gartenstraße. Dort befand sich seit 1876 die erste richtige Synagoge Bremens. Sie wurde in der Reichspogromnacht zerstört. Heute steht dort ein Wohnhaus und nur noch eine Tafel erinnert an das Gotteshaus. Gleich daneben ist das Rosenak-Haus. Es ist benannt nach dem Rabbi, der neben der Synagoge wohnte. Unter anderem befindet sich dort heute der Rosenak-Haus Verein. Der Verein will den Keller der Synagoge, der sich immer noch unter dem Wohnhaus befindet, für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Arthur Zapf würde sich darüber freuen, denn dann könnte er bei seiner Führung noch ein weiteres Highlight bieten.
Mehr Informationen zur Stadtführung auch unter www.arttours-bremen.de.













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