
Die Farben an der Fassade der Hochgarage am Wall werden bald verschwunden sein. In diesen Tagen beginnt eine Firma, das kräftige Lila, Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau mit einem dezenten Beige überzustreichen. Objektleiter Malte Komus ist froh darüber. „Diese Schmierereien sind Vandalismus pur“, sagt er. Seit Anfang April ärgert er sich über die Farbe an seiner Fassade.
Die Täter kamen über Nacht. Und nahmen sich eine Seite des Gebäudes vor. Nun laufen mehrere Bahnen Farbe an der Fassade entlang – genau wie an sämtlichen andere Gebäuden in Bremen, darunter ein Uni-Hochhaus, die Bildungsbehörde und ein Privatgebäude am Ostertorsteinweg.

„Seit Anfang des Jahres geht eine Gruppe von Aktivisten um, die das Symbol des Regenbogens pflegen“, sagt Polizei-Sprecher Dirk Siemering. Eine bestimmte politische Richtung ließe sich aus den Zeichen nicht erkennen.
Das Gebäude der Bildungsbehörde am Rembertiring war im Januar eines der ersten das von der Farbe überschüttet wurde. „Wir haben natürlich sofort Anzeige erstattet“, sagt Karla Götz, Sprecherin des Ressorts. Aus internen Kreisen verlautet jedoch, dass einige Mitarbeiter der Behörde der Meinung sind, dass die Farbe dem Gebäude ganz gut tue.
Ähnlich die Situation an der Universität Bremen. Dort nahmen sich die Täter Ende März das Gesellschaftswissenschaften-Hochhaus vor. Auch die Universität hat Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. „Die Fassade soll irgendwann überstrichen werden“, sagt Sprecher Eberhard Scholz. Oberste Priorität habe das jedoch nicht. „Manche sind sogar der Meinung, dass das Gebäude nun besser aussieht als vorher.“
Farb-Vandalismus, so nennt sich die Straftat in der Fachsprache der Polizei. „Die Taten konzentrieren sich vor allem auf das Innenstadtgebiet oder das Ostertor und Steintor“, sagt Siemering. Das Postbank-Finanzcenter an der Brunnenstraße und die Filiale der Sparkasse an der Ecke Vor dem Steintor/Lüneburger Straße wurden im vergangenen Sommer mit Farbbeuteln beworfen. Auch das Gebäude am Ziegenmarkt ist bereits mit Parolen besprüht und Farbbeuteln beworfen worden. Etwa Mitte Mai haben nun bisher unbekannte Täter Herzen an die Fassade des Bauprojekts gesprüht.
„Die Täter müssen in das Gebäude gekommen sein, um die Herzen an der Fassade anzubringen“, sagt Dirk Siemering. Wer hinter der Tat steckt, ist noch unklar.
Generell habe die Anzahl der Fälle von Farb-Vandalismus in Bremen in den vergangenen Jahren jedoch nicht zugenommen. Das bestätigt der Polizei-Mitarbeiter, der sich um diesen Bereich kümmert.
Ob zwischen der jüngsten Aktion am Ziegenmarkt und der Aktion mit den Farbbahnen einen Zusammenhang bestehe, ist unklar – genau wie die Kosten, die durch diese Taten entstanden sind. Da sich die Farbbahnen in beträchtlicher Höhe befinden, dürfte ein Überstreichen sehr teuer sein, sagt Siemering. Denn für die Arbeiten müsste ein Gerüst aufgestellt werden.
Deswegen wird es auch noch dauern, bis die Farbspuren am Gebäude des Bildungsressorts verschwunden sein werden. „Das Geld, das wir für die Arbeite bezahlen müssten, ist Geld, das gut in andere Bereich fließen könnte, zum Beispiel in die Schulen“, sagt Susanne Kirchmann von Immobilien Bremen, denen das Gebäude gehört. Deshalb werde die Farbe erst weichen, wenn die Seiten des Gebäudes ohnehin saniert werden. Immobilien Bremen schätzt die Kosten, die sonst auf sie zukommen würden, auf 15.000 bis 20.000 Euro.
Dieses Geld hat Irmtraud Holtorf derzeit nicht. Ihr gehört das Gebäude am Ostertorsteinweg, das seit einem Monat von den Farbbahnen überzogen ist. „Eine Zeit lang muss die Farbe wohl noch an der Wand bleiben. Derzeit kann ich mir eine Beseitigung nicht leisten“, sagt sie.
Obwohl sich viele Passanten der bunten Fassade erfreuen, ärgert sich die Hausbesitzerin über die Aktion. „Und es ist unangenehm, wenn man weiß, dass sich nachts jemand Unbekanntes auf dem Dach herumgetrieben hat“, sagt Holtorf, die auch in dem Haus wohnt.
Sie kann nur mutmaßen, wie die Farbe an das Gebäude gekommen ist. „Die Täter müssen über ein Gerüst an der Straße Am Dobben auf das Dach geklettert sein. Anders kommt man hier nicht rauf“, sagt sie. Da die Farben sehr akkurat herunterliefen, glaubt Holtorf, dass die Täter Farbrollen benutzt haben. Verwunderlich sei jedoch: „Das Haus hat ein Glasdach. Darauf waren keine Spuren zu sehen.“ Das bestätigt auch die Polizei. Wie die Täter vorgehen, darüber kann auch die Polizei derzeit nur spekulieren.




Niederschlagswahrscheinlichkeit: 












Noch nicht registriert? Jetzt kostenlos registrieren »