
Große Stelltafeln informieren über die Geschichte der ersten ausländischen Fußballspieler, über Fußballklubs von Migranten in Deutschland, über Programme des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und über Rassismus und Rechtsradikalismus in deutschen und europäischen Stadien. Die Antidiskriminierungs-AG der Fans des SV Werder Bremen und das Fan-Projekt Bremen haben die Ausstellung des Vereins Flutlicht aus Berlin nach Bremen geholt.
Gemeinsam mit Ronald Noack von Flutlicht eröffneten Thomas Hafke vom Fan-Projekt und die Bürgerschaftsabgeordnete und Schirmherrin Sülmez Dogan (Grüne) gestern die Ausstellung. "Ballarbeit" wurde 2006 anlässlich der Weltmeisterschaft konzipiert und inzwischen in über 20 deutschen Städten gezeigt. Fußball habe ein großes Potenzial zur Einbindung von Migranten, sagte Sülmez Dogan. "Das passiert aber nicht automatisch", betonte die Schirmherrin. Die Arbeit des Fan-Projekts Bremen und den Verein Flutlicht lobte sie für ihre vorbildliche Integrationsarbeit.
Pionier in Bremen
"Wir wollten Arbeitskräfte, und es kamen Menschen", wird Max Frisch zu Beginn des Rundgangs durch "Ballarbeit" zitiert. Und im Folgenden wird deutlich, dass die Verbindung der Nationen auf dem Spielfeld nicht immer einfach war - und auch heute noch nicht ist.
Ein Pionier war Ibrahim Sunday aus Ghana. Er spielte von 1975 bis 1977 relativ erfolglos (kein Tor) im Bremer Team und war der erste Afrikaner in der Bundesliga. In Afrika war er bereits Fußballer des Jahres, in Bremen fühlte er sich einsam. Damals gab es für ausländische Spieler noch keine Hilfe beim Einleben in die neue Umgebung. Heute ist beispielsweise Deutsch-Unterricht für die Spieler selbstverständlich.
Über viele Jahre war es für Menschen ausländischer Herkunft nicht leicht, in deutschen Vereinen Fuß zu fassen. Obwohl der Fußball bei Arbeitsmigranten schon in den 50-er-Jahren sehr populär war, wie der Ausstellungsbesucher erfährt. Der erste Verein von Migranten wurde 1962 in Wolfsburg gegründet: der ISC Lupo. Es entstanden viele sogenannte eigenethnische Vereine. Noch 1981 erklärte der Deutsche Sportbund, dass solche Vereine da sinnvoll seien, wo ein hoher Prozentsatz ausländischer Mitbürger den deutschen Verein zu "überfremden" drohe.
"Es kann aber nicht der Sinn sein, dass Ausländer, die mitmachen wollen, ihre Kultur quasi am Vereinstor abgeben müssen", kommentierte der Konfliktforscher Gunter A. Pilz im Jahr 2004 das Zusammenwirken der Kulturen in den Sportvereinen. Beide Seiten müssten aufeinander zugehen, ist seine Überzeugung. Dass Fußballklubs von Migranten sehr erfolgreich arbeiten können, beweist der türkische Verein Türkiyemspor in Berlin: Er erhielt 2009 vom DFB den Integrationspreis. Gelobt wurde vor allen Dingen die Jugendarbeit, die bei dem Klub weit über das Fußballtraining hinausgeht.
In den Stadien prallen die Vorbehalte oft rücksichtslos aufeinander, dokumentiert "Ballarbeit". In europäischen Stadien gebe es immer noch einen weit verbreiteten Rassismus, heißt es. So kam es 2009 bei einem Spiel von Juventus Turin gegen Inter Mailand zu rassistischen Beschimpfungen von Fans gegen einen dunkelhäutigen Spieler. In der Folge beschloss die Europäische Fußball-Union (Uefa) ein Maßnahmenpaket gegen Rassismus.
Diskriminierungen gegen Sinti und Roma und Juden brachte 2006 den früheren DFB-Chef Theo Zwanziger auf den Plan. Er erklärte: "Es ist unerträglich, wenn ich hören muss, dass dunkelhäutige Spieler beleidigt werden und Fans als 'Zigeunerpack' oder 'Judenpack' tituliert werden."
Heute gibt es viele Initiativen gegen Rassismus und Rechtsradikalismus auf und am Fußballfeld. 1999 gründeten Fangruppen beispielsweise das Netzwerk "Football against Racism in Europe" (Fare), zu dem auch das Fan-Projekt Bremen gehört.
Die Ausstellung "Ballarbeit" ist bis zum 15. März in der Unteren Rathaushalle zu sehen. Geöffnet ist täglich von 12 bis 20 Uhr. Am Mittwoch, 14. März, findet um 19 Uhr in der Unteren Rathaushalle eine Podiumsdiskussion statt.





Niederschlagswahrscheinlichkeit: 











Noch nicht registriert? Jetzt kostenlos registrieren »