
1300 Bachelor- und Masterstudenten sowie angehende Doktoranden sind inzwischen an der Privathochschule eingeschrieben - und damit zehnmal so viele wie zu ihrem Start im September 2001. Junge Menschen aus 110 Ländern studieren und leben zurzeit auf dem Campus im Norden der Hansestadt. Die mehr als 40 Studiengänge decken das gesamte Spektrum von den Natur- und Ingenieurswissenschaften bis zu den Geistes- und Sozialwissenschaften ab.
Der Präsident der Jacobs University, Joachim Treusch, spricht deshalb von einer Erfolgsgeschichte. "Sie ist die internationalste Universität dieser Bandbreite in ganz Europa, wahrscheinlich sogar der Welt." 110 private Hochschulen gibt es dem Wissenschaftsrat zufolge in Deutschland, davon sind nur zwei Volluniversitäten: die in Witten/Herdecke und die Jacobs University. An diesem Samstag feiert die nach einem Bremer Kaffeeunternehmer benannte Uni - die Jacobs Foundation spendete 200 Millionen Euro - ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Festakt auf dem Campus.
Überfüllte Kurse kennen die Studenten nicht
Das neue Semester hat bereits begonnen. Trotzdem wirkt das 34 Hektar große Gelände einer ehemaligen Bundeswehrkaserne wie leergefegt. Überfüllte Kurse oder Vorlesungen mit mehreren Hundert Studenten hat Frank Richter in seiner ganzen Zeit an der Universität noch nicht erlebt. Der 21-Jährige studiert im dritten Jahr Biochemie und Zellbiologie, im kommenden Sommer wird er seinen Bachelor machen. "In meinem Semester sind wir 16 Leute."
Das macht sich auch bei der Betreuung der Studenten bemerkbar. "Man ist nicht nur eine anonyme Nummer, sondern es besteht wirklich persönlicher Kontakt", erzählt Richter. Ein Professor kümmert sich um gerade mal zehn Studenten. Für die Hochschule zahlt sich die intensive Betreuung nach Angaben von Treusch aus: 95 Prozent der Studenten schaffen ihren Abschluss - obwohl Englisch bei den meisten nicht die Muttersprache ist und viele bei Studienbeginn erst 17 oder 18 Jahre alt sind.
Studium kostet 20.000 Euro im Jahr
20 000 Euro kostet ein Studium im Jahr. Das kann sich nicht jeder leisten. Doch nicht deshalb versteht sich die Hochschule als Elite-Universität. "Bei der Zulassung spielt Geld keine Rolle. Es kommt allein auf die Qualifikation der Bewerber an", erläutert Treusch. Stipendien und Darlehen sorgen dafür, dass auch Studenten aus armen Familien nach Bremen kommen können.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Bremen spricht dennoch von einer großen Hürde. Ein Darlehen stelle ein großes finanzielles Risiko dar, das die Studenten später beim Berufseinstieg schultern müssten, sagt die Referentin für Hochschule und Forschung, Inge Kleemann. Eine Diskussion, die nach Ansicht von Rose Field typisch deutsch ist. Für sie ist es selbstverständlich, dass sie ihr Studium bezahlen muss. "Für mich ist es nicht viel teurer, als würde ich eine staatliche Uni in den USA besuchen."
Bremer "Bubble"
Bar, Theater, Kino, Fitnessstudio, zahlreiche Kantinen und Gemeinschaftsräume - auch von der Ausstattung erinnert die Universität an eine amerikanische Elite-Schmiede. "Es ist sehr bequem, nur auf dem Campus zu bleiben. Man bekommt alles hier und ist nie allein", erzählt Field. Deshalb nennen die Studenten das Unigelände liebevoll "Bubble" - eine Blase, in der man unter sich bleibt.
"Immer wenn ich den Campus verlasse, schauen mich die Leute an, als käme ich von einer anderen Welt", sagt Field mit einem Grinsen. Die Jacobs University steht zwar in Bremen, doch für die Studenten könnte das theoretisch überall auf der Welt sein. (dpa)





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