
Der silberne Wal ist in eine bedrohliche Situation geraten. Die Besucherzahlen sind seit 2009 gesunken, gleichzeitig blieben die hohen Ausgaben. Um Schlimmeres zu verhindern, hat die Stadt Ende 2012 auf ausstehende Zahlungen vorerst verzichtet – auf die Pacht für die Gebäude und auf Zahlungen in den Topf zur Re-Attraktivierung. Es ging um ungefähr 300.000 Euro, die dem Universum sonst gefehlt hätten, um liquide zu bleiben. Zunächst gilt der Verzicht der öffentlichen Hand bis Januar.
Universum-Macher Carlo Petri und Geschäftsführer Herbert Münder – der erst vor wenigen Tagen seinen neuen Job angetreten hat – haben am Dienstag die angespannte Lage bestätigt. „Richtig ist, dass wir in eine Schieflage geraten sind“, so Petri. Es sei bisher aber immer gelungen, eine Lösung zu finden. Von einer drohenden Insolvenz mag beim Universum niemand sprechen: „Das I-Wort nehmen wir nicht so gerne in den Mund.“ Die Mitarbeiter sind über die Situation informiert worden. Auch ein Sprecher der Wirtschaftsbehörde erklärte gestern, man sei mit den Universum-Betreibern in Gesprächen.
In den ersten Jahren nach der Eröffnung kamen deutlich mehr als 400.000 Besucher jährlich ins Universum. 2011 waren es noch 265.000 Gäste. Das hat ein Loch in die Kasse gerissen, obwohl, wie Petri betont, das Universum bereits Sparmaßnahmen ergriffen und die Kosten gesenkt habe. „Wir waren nicht tatenlos.“
Hinter den Kulissen laufen permanent Krisengespräche über die Zukunft der Einrichtung. Die Stadt ist daran über die „Besitzgesellschaft Science Center GmbH“ beteiligt. Noch in dieser Woche sollen die Verantwortlichen im Universum aufzeigen, wie sie 2012 mit rund 300.000 Euro weniger auskommen wollen.
Herbert Münder betont, dass zum einen bei den Sachkosten gespart werden soll. Das heißt zum Beispiel weniger Marketing und eine Senkung der Ausgaben für Versicherungen. Auch beim Personal sollen weiterhin die Kosten reduziert werden. Freiwerdende Stellen sind im Universum nicht wieder besetzt worden. Heute arbeiten dort noch 102 Personen, davon haben 26 eine Vollzeitstelle. Die Details des Sparplans sollen erst im Gespräch mit der Stadt vorgelegt werden. Dann fällt auch die Entscheidung, ob Bremen komplett auf die ausstehenden Zahlungen verzichtet. Münder macht deutlich, dass das Science Center bei allen Einsparungen die Qualität halten müsse.
Geht es kurzfristig darum, einen Ausweg für 2012 zu finden, setzten Petri und Münder langfristig ihre ganze Hoffnung auf die Neugestaltung des Wal-Inneren. Acht bis neun Millionen Euro würde es kosten, die Ausstellung neu zu gestalten und mit „Universum des menschlichen Lebens – Körper trifft Seele“ praktisch neu zu starten. Die Stadt soll zu dieser Investition nach dem jetzigen Stand nichts beitragen. Petri plant, dass allein Sponsoren und Mäzene die Investition tragen. Es gebe bereits einige feste Zusagen. So geht er etwa davon aus, gemeinsam mit einem Partner aus England bei der EU einen Förderantrag stellen zu können.
Noch sechs Monate, schätzen die beiden Universum-Macher, dann müsse feststehen, ob es mit dem Neustart klappt. „Das Konzept ist schlüssig und überzeugend“, sagt Herbert Münder. Damit ließe sich die Besucherzahl wieder auf rund 350.000 pro Jahr heben, sind die Verantwortlichen überzeugt. Klappt es mit der Erneuerung jedoch nicht, muss sich das Science Center dauerhaft auf rund 250.000 Besucher pro Jahr einstellen und darauf den Finanzrahmen abstimmen.
Bereits in der Vergangenheit hatte es schwierige Phasen für das Universum gegeben. Noch zu Zeiten der großen Koalition in Bremen hatte Petri für eine Erweiterung des Universums geworben. Er hatte sogar schon seinen Rückzug aus dem Projekt erklärt, letztlich hatten sich Stadt und Betreiber aber 2005 in einem Kompromiss darauf geeinigt, den silbernen Wal um das Gebäude „Schaubox“ und um eine Außenlandschaft mit Spiel-Experimenten zu erweitern. Petris Betreiber-Vertrag läuft bis 2020.




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