
in kalter Dezembermorgen in Bremen, der Himmel zeigt sich grau, es beginnt zu nieseln. Ein Mann in rotem Arbeitsanzug schwingt sich auf sein ebenso rotes Fahrrad und fährt mit flottem Tempo vom Innenhof im Viertel. Theodor Röhm folgen weitere drei Männer – allesamt mit voll bepackten Rädern. Ziel ist ein Altbremer Haus ganz in der Nähe. Die Männer sind Klempner und sollen dort das Bad erneuern. Sie sind keine gewöhnlichen Handwerker, denn Theodor Röhm, sein Geselle und die zwei Auszubildenden sind in Bremen als radelnde Installateure unterwegs. „Fahrräder sind deutlich günstiger als Firmenwagen. Wir finden damit immer einen Parkplatz und sind manchmal sogar schneller als die Autos“, zählt Röhm die Vorteile seines fahrbaren Untersatzes auf.
Alukoffer am Gepäckträger
Es geht über die holprigen Straßen zur Baustelle. Das notwendige Werkzeug transportieren die fahrradfahrenden Installateure auf ihren Diensträdern. Links und rechts am Gepäckträger sind Alukoffer befestigt, obendrauf ist eine handelsübliche Werkzeugkiste mit Spanngurten montiert. Auf den schwedischen Lastenfahrrädern wäre auch vorne noch genügend Platz. „50 bis 80 Kilogramm auf einem Fahrrad sind ganz normal“, antwortet Theodor Röhm auf die Frage, wie schwer das alles ist. Größere Ersatzteile wie Heizkessel oder Waschbecken werden direkt vom Händler auf die Baustelle gebracht. Am Einsatzort angekommen, schnappen sich Geselle Michael Simon und der Auszubildende Felix Klaja Rohrzange und Schraubenschlüssel. Sie beginnen damit, Waschbecken und Toilette abzubauen.
Der Chef macht sich auf den Weg zur nächsten Baustelle. Er tritt kräftig in die Pedale und fährt routiniert durch die kleinen Straßen bis nach Schwachhausen. Dort wartet eine unzufriedene Kundin auf den Handwerker. Ihr neuer Heizkessel fällt ständig aus. Röhm steigt in den Keller hinab, wo er sich zunächst an den Knöpfen des Geräts zu schaffen macht. Ein Anruf beim Hersteller verschafft schließlich Klarheit: Ein Filter muss ausgetauscht werden. Die verärgerte Kundin will davon nichts wissen, der Meisterinstallateur muss unverrichteter Dinge abziehen.
Radfahren als Stressabbau
Also wieder aufs Rad, zurück zur ersten Baustelle und nachsehen, was sich dort getan hat. Theodor Röhm ist schnell, stoppen können ihn nur die roten Ampeln. „Nach so einem Termin bin ich froh, dass ich auf dem Fahrrad sitze und nicht im Auto“, sagt er, als ob er sich für seine rasante Fahrt rechtfertigen möchte. Es sei eine gute Möglichkeit, um den Stress abzubauen. Etwa 5000 Kilometer fahre er im Jahr, sagt er und zieht beim Ampelstopp die rote Arbeitsjacke zu.
Wind und Wetter machen ihm nichts aus: „So lange die Autos fahren, fahr ich auch mit dem Fahrrad.“
Zurück auf der Baustelle im Viertel erzählt Michael Simon vom kleinen Motor, den er bei seinem Arbeitsfahrrad eingebaut hat. „Aber nur als kleine Anfahrtshilfe“, stellt er klar. Das Fahrradfahren sei ein sehr guter Ausgleich für die harte körperliche Arbeit, sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Dann ist er kaum noch zu verstehen. Er bohrt die Löcher für das neue Waschbecken. Sein Chef ruft ihm noch einige Anweisungen zu, bevor er sich wieder auf den Weg macht.
Nächstes Ziel: Sielwall. Dort muss er sich ein weiteres Mal um einen ausgefallenen Heizkessel kümmern. Bewaffnet mit Taschenlampe, Messgerät und Werkzeug macht er sich an die Arbeit. Eine halbe Stunde später ist er fertig. Es ist Mittag geworden, eine Pause gönnt sich Theodor Röhm nicht. „Der nächste Kunde wartet“, sagt er, befestigt die Werkzeugkisten, steigt auf sein Fahrrad und verschwindet um die nächste Ecke.





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