
Wer Segway fahren will, der braucht weiche Knie. „Wie beim Skifahren“, erklärt Thilo Hölscher. Er betreibt einen Segway-Parcour auf der Bürgerweide. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel sind auch an diesem Nachmittag einige Neugierige vorbei gekommen. „Wer undercover in Bremen unterwegs sein will, der ist allerdings auf einem Segway komplett falsch“, sagt Hölscher. Der Elektro-Stehroller sei auf Bremens Straßen immer noch selten und ein Hingucker.
Die weichen Knie sind wichtig, um die Geschwindigkeit des Segways zu steuern. Lehnt sich der Fahrer nach vorne, fährt auch der Elektroroller nach vorne. Je stärker die Gewichtsverlagerung, umso schneller geht’s voran. Lehnt man sich leicht nach hinten, fährt auch der Segway rückwärts. Steht man mittig, steht auch der Elektroroller. Klingt in der Theorie leicht, und ist es tatsächlich auch in der Praxis. Es dauert nur wenige Minuten, dann fahren die Parcour-Teilnehmer einige Meter geradeaus und wieder zurück. Wenn jemand zu schnell auf die Absperrung des Parcours zusteuert, ist Hölscher gleich zur Stelle und bremst den Segway aus, indem er den Lenker wieder in die Mitte schiebt. Richtig schnell werden die Elektro-Fahrzeuge im Parcour aber sowieso nicht. „Die sind hier auf neun Stundenkilometer gedrosselt“, sagt Hölscher.
Normalerweise können die Roller rund 20 Stundenkilometer fahren. Etwa so schnell wie ein schneller Fahrradfahrer. Auch sonst gelten für Segway-Fahrer die gleichen Verkehrsregeln wie für Fahrradfahrer: Man fährt auf dem Radweg, und wenn es keinen gibt, auf der Straße. Generell empfiehlt Hölscher defensives Fahren. „Besser vorausschauend fahren“, rät er. Viele Verkehrsteilnehmer seien nicht auf einen Segwayfahrer eingestellt, deswegen lieber mal Vorfahrt gewähren, auch wenn man selbst fahren dürfte. Sicherheitskleidung braucht man übrigens nicht. „Im Parcour kann man einfach so fahren“, sagt Hölscher. Bei größeren Touren durch die Stadt sei bei ihm aber ein Helm Pflicht. „Sicherheit geht vor. Auch wenn man nicht runterfällt, gibt ein Helm doch zumindest ein gutes Gefühl“, findet er.
Zwischen roten Pylonen und Rüttel-Weg
Dann geht es ans Lenken. Dazu bewegt man den Lenker leicht nach links oder rechts. Etwas ungewohnt, aber auch das ist schnell gelernt. Die Teilnehmer fahren ohne Probleme ihre Runden im Parcour. Gibt es irgendwelche Voraussetzungen, um Segway zu fahren? „In erster Linie braucht man den festen Willen“, sagt Hölscher und grinst. „Ansonsten sollte man mindestens 15 Jahre alt sein, zwischen 45 und 115 Kilogramm wiegen und einen Führerschein mit der Fahrerlaubnis für Mofas haben.“
Nachdem sich die Teilnehmer ein bisschen eingefahren haben, dürfen sie Hindernisse im Parcour ausprobieren. Relativ leicht ist der Slalom. Langsam geht es um gelbe und rote Pylonen in unterschiedlichen Abständen. Etwas komplizierter ist da schon der Rüttel-Weg, eine kleine Strecke über Holzleisten. Hier fasst Hölscher lieber mit an und hilft den Segway-Neulingen, über die Schwellen zu holpern. „Hände locker lassen“, lautet sein Tipp. Hilfestellungen gibt er auch bei der Wippe. Hier verändert sich der Neigungswinkel – das schaffen nur Geübte ohne Unterstützung. Nach etwa zehn Minuten sind die Segway-Fahrer fit, um eine Tour außerhalb des Parcours auszuprobieren. Hölscher bietet auch diese Fahrten an. Sie dauern zwischen 30 Minuten und gut drei Stunden. Die kürzeste Fahrt führt durch den Bremer Bürgerpark. Sie richtet sich an Fahrer mit wenig Erfahrung. Hier können sie die Geschwindigkeit des Elektrorollers austesten und über kleine Unebenheiten fahren. Andere Touren führen durch die Bremer Innenstadt, zu Sehenswürdigkeiten wie dem Dom, der Schlachte oder dem Weserstadion.
Die längste Tour dauert rund drei Stunden und 15 Minuten. Sie führt von der Bürgerweide aus ins Blockland. Kleine Pausen zum Verschnaufen sind eingeplant. „Bei den Stadtrundfahren können vier Personen mitfahren, im Bürgerpark oder Blockland bis zu sieben“, sagt Hölscher. Er rät allen Interessierten dazu, sich vorher anzumelden.
Informationen zum Segway-Fahren gibt es hieroder direkt bei Thilo Hölscher telefonisch unter 0173-7396962. Spontanentschlossene können bei trockenem Wetter auch täglich ab zehn Uhr zum Parcour auf der Bürgerweide kommen.
Wie leicht das Segway fahren ist, hat WESER-KURIER Online-Redakteurin Anne-Christin Klare selbst ausprobiert, das Video gibt es hier.





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