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Weihnachts-Serie (Teil 4) Geschenke-Klassikern auf der Spur: Lego

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Lego
Große Lego-Steine vor dem Firmen-Haupteingang im dänischen Billund. 2010 wurden laut Lego 36 Billionen Elemente – Steine, Räder, Zahnräder und Motoren eingeschlossen – hergestellt.

Am auffälligsten sind aber die mit Steinchen gefüllten Glasvasen, die auf den Konferenztischen stehen. "Die sind für uns Mitarbeiter, wir dürfen während der Besprechungen damit basteln", sagt Lego-Sprecher Roar Trangbaek und greift in die Schale. "Klick, klick" macht es, als er einen Stein auf den anderen setzt und spontan ein kleines Treppchen baut. "Unser Motto ist: Das fördert die Kreativität."

Der Stein, der die dänische Spielzeugfirma Lego im 6000-Einwohner-Städtchen Billund weltberühmt gemacht hat, ist ziemlich unauffällig: 31,8 Millimeter lang, 16 Millimeter breit, neun Millimeter hoch, acht Noppen an der Oberseite. Meistens kommt er einfarbig daher. Das war's.

Allerdings kann Stein auf Stein aneinander gesteckt werden. Hundertfach, tausendfach - nach oben gibt es keine Grenze. Polizeiautos, Flughäfen, Krankenhäuser, ganze Städte entstehen nach diesem einfachen Prinzip. Rund 4000 verschiedene Elemente, wie sie bei Lego genannt werden, gibt es mittlerweile: Runde Steine, eckige, Räder, Zahnräder, Steine mit und ohne Noppen. "Wir bedienen ein Grundbedürfnis", sagt Trangbaek. "Jeder liebt es doch, eigene Welten zu bauen. Und jeder ist stolz darauf, wenn er etwas erschaffen hat."

Der Sprecher führt in die riesige Produktionshalle. Überall brummen und zischen klobige Maschinen. Fließbänder mit verschweißten Lego-Tütchen und halbfertig verpackten Kartons laufen ununterbrochen, Mitarbeiter schieben Kisten hin und her, hantieren an Apparaturen. "60 Prozent aller Lego-Produkte kommen aus Billund", sagt Trangbaek. Andere große Werke gibt es noch in Ungarn, Tschechien und Mexiko. Der weltweite Lego-Umsatz betrug 2010 2,15 Milliarden Euro, 36 Billionen Lego-Elemente wurden allein im vergangenen Jahr hergestellt - das entspricht 68000 Elementen pro Minute. Lego ist nach Mattel und Hasbro der drittgrößte Spielwarenhersteller der Welt.

Zuerst nur heiße Paste

Trangbaek bleibt vor einer giftgrünen Maschine stehen. "Hier geht's los mit der Produktion", sagt er. Granulat-Körner, das Rohmaterial aller Lego-Elemente, werden in die Maschine geleitet und erhitzt. Anschließend wird die heiße Paste in spezielle Spritzgussformen gepresst und abgekühlt. Fertig sind Stein, Kopf oder Körper des Lego-Männchens. Was nun folgt, ist ebenfalls voll automatisiert: Bedrucken - Augen für das Männchen, Verzierungen für das Ritterwappen - sortieren, zwischenlagern, in Kartons verpacken. Produziert wird rund um die Uhr, sieben Sets gehen laut Lego im Durchschnitt jede Sekunde weltweit über den Ladentisch. Zu Weihnachten sind es 28. "Das ist die wichtigste Zeit", sagt Trangbaek. "Da verkaufen wir vor allem die großen Sachen wie Ritterburgen, Polizeistationen oder Flughäfen."

Dabei war das alles gar nicht so groß geplant. In den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts baut der Zimmermann Ole Kirk Kristiansen Holz-Möbel und Fensterrahmen. Aus dem Holz, das übrig bleibt, macht er Holz-Enten und Holz-Autos. 1929 erfasst die Weltwirtschaftskrise auch Billund. Kristiansen macht 1932 Spielzeuge zu seinem Hauptprodukt, denn für Großes haben die Leute kein Geld mehr. Das Modell funktioniert, das Unternehmen wächst. 1934 sucht der Zimmermann nach einem Namen: Er nimmt die ersten zwei Buchstaben der dänischen Worte "Leg godt" - "spiel gut" - und kombiniert sie. Daraus entsteht: "Lego".

Die Firma, längst auf die Arbeit mit Kunststoff umgestiegen, ist bis heute in Familienhand. Enkel Kjeld Kirk Kristiansen und seine Kinder besitzen nun die Lego-Gruppe. Dort, wo alles begann - im Wohnhaus des Zimmermanns - leistet sich Lego ein Privatmuseum für Mitarbeiter. Erst ist die Präsentation schlicht: Holzautos hinter Vitrinen. Aber schon der nächste Raum ist durchinszeniert: gezielte Produkt-Beleuchtung und Fernsehbildschirme, über die Lego-Werbeclips flimmern. Sprecher Trangbaek nimmt zwei Lego-Steine in die Hand. Erst ist kein Unterschied feststellbar, doch dann dreht er die Steine um: Beim ersten ist die Unterseite hohl, beim zweiten, 1958 eingeführt, sind kleine Hohlröhren mit eingebaut. Für die Firma entpuppt sich der neue Stein als Erfolgsmodell: Mit ihm lassen sich höher belastbare Konstruktionen bauen. Sie fallen nicht mehr in sich zusammen, wenn Kinder mit ihnen spielen. Außerdem überstehen die Bauten im Kofferraum lange Autofahrten.

Harry Potter zum Selberbasteln

Der neue Stein ist die Basis des Erfolges, wichtig ist aber auch Marketing: Krieg der Sterne, Harry Potter, Indiana Jones - durch Lizenzen verdient Lego am Erfolg dieser Kinofilme mit. Wer will, kann Filmsets und Helden einfach nachbauen. Dazu kommt, dass sich Lego nach und nach an immer mehr Altersklassen wendet: "Duplo" ist mit größeren Steinen für die Kleinen gedacht, Nachbildungen des Brandenburger Tores sprechen Ältere an.

Auch die Krise des Unternehmens zu Beginn des neuen Jahrtausends wird auf Hinweistafeln im Museum thematisiert: Zu wenige Absprachen mit Händlern, zu viele Lego-Elemente und die Umbenennung wichtiger Teilmarken wie "Duplo" in "Lego Explore" hätten in die Krise geführt, sagt Trangbaek. "Aber wir haben reagiert." Mehr Absprachen, zurück zu alten Produktnamen und weniger Lego-Teile - das sporne auch die Kreativität der Designer an, wenn sie neue Sets entwerfen.

Im Konferenzraum wartet bereits einer von ihnen. Der Deutsche Markus Kossmann ist einer von 120 Lego-Designern und mit einigen anderen zuständig für die Serie "Lego-Technic", die mit Elektromotoren und Hydraulik-Funktionen ältere Kinder und Erwachsene ansprechen soll. Vor Kossmann auf dem Tisch steht ein orangefarbener Unimog aus 2048 Einzelteilen. Kossmann hat ihn entwickelt. "50 Mal habe ich den gebaut", sagt er. "Es gab Zeiten, da brauchte ich keine Aufzeichnungen mehr, habe alles aus dem Kopf gemacht."

Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt dauert es Monate: Ideen entwickeln, Zeichnungen anfertigen, mit Steinen herumtüfteln. Als Kossmann für seinen Unimog neue Teile brauchte, musste er sie erfinden. Nach 15 Monaten war das Modell fertig. Dann ging's ins Labor. 48 Stunden lang wurde gezogen und gedreht. "Wenn das Modell auseinanderfällt, darf es nicht auf den Markt", sagt Kossmann.

Bleibt zum Schluss nur noch eine Frage: Ist Lego ein reines Jungen-Spielzeug? Unimogs, Motorräder - haben Mädchen nicht andere Interessen? Sprecher Trangbaek scheint die Frage schon oft gehört zu haben, hat sofort eine Antwort parat: "Unsere Hauptzielgruppe sind Jungen von fünf bis elf Jahren. Aber es gibt Themen, die beide Geschlechter ansprechen. Bei Harry Potter zum Beispiel finden Mädchen und Jungen ihre Helden."



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Leserkommentare
joachimpape am 31.10.2014 19:32
Ein Aufschrei vom Sportverein"Wir" kennen den Mann nicht".
Das mag ja sein, aber kann man(n) nicht eine klare Aussage im heutigen Sinne ...
joachimpape am 31.10.2014 18:52
Habe über den Artikel lange Nachgedacht.
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