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Hohe Spritpreise Immer mehr Bremer fahren Bus und Bahn

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Blick auf den Bahnsteig in Osterholz-Scharmbeck. Die Modernisierung und Sanierung des Bahnhofs will die Bahn im Rahmen d

Blick auf den Bahnsteig in Osterholz-Scharmbeck.

Der Blick auf die Anzeigentafeln der Tankstellen ist für Autofahrer mit Kopfschütteln verbunden. Eine Studie des Meinungsforschungsunternehmens Forsa im Auftrag des Fahrgastverbands "Allianz pro Schiene" belegt jetzt, dass ein Viertel aller Deutschen wegen der hohen Kosten an der eigenen Mobilität spart und auf bestimmte Fahrten verzichtet. Laut einer Erhebung des statistischen Bundesamtes haben sich die Kosten für eine Autofahrt zwischen 2005 und 2011 um 28 Prozent erhöht.

Was Autofahrer ärgert, sorgt in anderen Bereichen für positive Entwicklungen. "Wir haben schon seit einigen Jahren Zuwächse bei unseren Fahrgastzahlen", sagt Jürgen Lemmermann, Sprecher der BSAG. Transportierte die BSAG 2005 noch etwa 97 Millionen Fahrgäste pro Jahr, waren es 2010 schon 103 Millionen.

"Die Tendenz ist offensichtlich und hängt sicher auch mit den steigenden Spritpreisen zusammen", sagt Lemmermann. Die Erfahrung zeige, dass der Bedarf nach einem gut ausgebauten öffentlichen Personenverkehr als Alternative zum Auto durchaus vorhanden sei.

Boom bei Mitfahrzentralen

Weil die Fahrt mit dem eigenen Auto immer teurer wird, suchen viele Verbraucher intensiver nach möglichen Alternativen. Eine davon sind Mitfahrzentralen. "Die Mitfahrzentrale ist längst nicht mehr nur ein Angebot, das Studenten nutzen", sagt Simon Baumann von carpooling.com, dem größten Mitfahrnetzwerk Europas. "52 Prozent unserer deutschen Nutzer sind mittlerweile Berufstätige und einige unter ihnen sogar Berufspendler." Das deutsche Internetportal Mitfahrgelegenheit.de kann im Vergleich zum vergangenen Jahr einen Besucherzuwachs von 30 Prozent verzeichnen. "Die Leute suchen heute nach Alternativen, wie sie ihr Verkehrsmittel effizienter nutzen können", sagt Baumann.

Auch Dirk Flege, Verbandsgeschäftsführer beim Fahrgastverband "Allianz pro Schiene", glaubt, dass sich das Mobilitätsverhalten der Verbraucher in nächster Zeit zunehmend ändern wird. "Das Dogma, dass jeder Deutsche ein eigenes Auto braucht, ist definitiv antiquiert", sagt er. "Gerade bei jungen Menschen wird das Konzept der multimodalen Mobilität, also die Nutzung mehrerer verschiedener Verkehrsmittel, immer beliebter." Die Verbraucher fingen langsam an, sich umzuorientieren. Bei den momentanen Entwicklungen der Ölpreise verwundert das kaum: Rekordpreise von bis zu 1,70 Euro würden zunehmend zum Problem, sagt Flege.

"Wir hören von vielen Autofahrern schon jetzt, dass sie preislich am Limit sind", sagt auch Andreas Hölzel vom ADAC. "Wenn es schon so weit ist, dass die Verbraucher in anderen Bereichen massiv sparen müssen, um weiter mobil zu bleiben, dann gucken sie sich vermehrt nach Alternativen um." Wann die "magische Grenze" erreicht sei, bei der Autofahrer streiken, könne man aber nicht vorhersagen. "Das ist auch immer abhängig von der jeweiligen Einkommenssituation und der Frage, wie stark man im Alltag auf das Auto angewiesen ist", erklärt Hölzel.

Carsharing kommt in Mode

Ein kollektives Umdenken und Umschwenken auf Bus und Bahn kann der ADAC deshalb noch nicht erkennen. Klar ist aber: "Je höher die Spritpreise werden, und je mehr die Menschen sich dadurch einschränken müssen, umso genauer schauen sie sich auch nach Alternativen um." Diese sind neben Bus und Bahn offenbar auch das Carsharing. "Wir haben momentan in Bremen eine Wachstumsrate von etwa 15 Prozent", bestätigt Kerstin Homrighausen, Geschäftsführerin von

Cambio Bremen, den Trend. Schon etwa 7300 Bremer nutzen das Angebot. "Es entscheidet sich natürlich keiner, von heute auf morgen sein Auto abzuschaffen, aber wir stellen durchaus vermehrtes Interesse fest", sagt Homrighausen.

Auf Dauer kann jedoch auch die Politik die lauter werdenden Proteste gegen die Erhöhung der Spritpreise nicht mehr überhören, ist Andreas Hölzel vom ADAC überzeugt. "Als erstes gilt es, die Pendlerpauschale den hohe Benzinpreisen anzupassen", fordert er. "Gerade die Pendler sind existenziell auf das Auto angewiesen." Die Bundesregierung sieht hier allerdings momentan noch keinen Handlungsbedarf. Erst kürzlich machte ein Sprecher des Finanzministeriums deutlich, dass die Pauschale nicht angepasst werden müsse.

Auch für die Ostertage gibt es für die Autofahrer wohl keine guten Nachrichten. "Traditionell gehen die Benzinpreise an den Feiertagen immer noch einmal rauf", prophezeit Hölzel. Um wie viel Cent, das könne man nie genau sagen. "Allerdings wäre es doch auch einmal eine schöne Osterüberraschung, wenn es in diesem Jahr ausnahmsweise einmal anders wäre."



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