
In der Diskussion um die Sicherheitslage im und um das Weserstadion hat sich nun auch Klaus Allofs zu Wort gemeldet. Der Werder-Boss warf gestern unserer Zeitung "Panikmache" vor und erklärte: "Das Weserstadion ist sicher!" Zugleich räumte Allofs ein, dass bei der Katastrophenschutzübung im Juni Dinge festgestellt worden seien, die noch verändert werden könnten. Dazu zählten vor allem die Rettungswege.
Werder Bremens Sportdirektor wehrte sich gegen den Eindruck, dass der Besuch eines Werder-Heimspiels mit einem besonderen Risiko verbunden sei. Der Sicherheitsstandard sei, so Allofs, im Ligavergleich schon jetzt hoch. Auch Dierk Schittkowski, Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei der Innenbehörde, hält Diskussionen über ein Spielverbot im Stadion für "absolut unverhältnismäßig". Zugleich sagte Schittkowski gegenüber unserer Zeitung: "Wir sind ein hoch entwickeltes Land, da sind Restrisiken nicht hinnehmbar."
Die Diskussion um die Rettungswege war nach der Auswertung einer Katastrophenübung im Juni dieses Jahres entbrannt. Dabei war herausgekommen, dass sich Rettungsfahrzeuge im Falle eines größeren Unglücks im Weserstadion aufgrund der schmalen oder fehlenden Zufahrten gegenseitig blockieren würden. Auch fehlten Freiflächen, um die vielen Rettungsfahrzeuge und die Zelte platzieren und schnell agieren zu können.
Vorerst keine Konzerte
Als erste Konsequenz aus der Katastrophenschutzübung im Juni , an der sich laut Schittkowski Werder Bremen damals "vorbildlich beteiligt habe", dürfen vorerst keine Konzerte mehr im Stadion stattfinden. Grund: Der Innenraum wird im Notfall als Freifläche für die Einsatzkräfte benötigt. Bundesligaspiele wird es aber weiterhin geben.
In der Innenbehörde zweifelt offenbar niemand daran, dass es schnell zu baulichen Veränderungen rund ums Stadion kommen muss. Wie diese genau aussehen, das sollen Verkehrsexperten aus dem zuständigen Ressort sagen. Wie berichtet, wird der Aufsichtsrat der Bremer Weserstadion GmbH am Mittwoch über bauliche Veränderungen beraten. Bis die Mängel bei den Anfahrtswegen und Freiflächen behoben sind, soll im Ernstfall die Erstversorgung potenzieller Verletzter direkt im Stadion erfolgen. Die Einsatzkräfte werden dazu verstärkt und besser als bisher ausgestattet, so Schittkowski. Bei sogenannten Risikospielen wird zudem schweres Gerät der Hilfskräfte von Spielbeginn an auf einem Areal des Tennisvereins Rot-Gelb stationiert werden. Zugleich erwartet Innensenator Ulrich Mäurer nach eigenen Worten sowohl von der Polizei als auch von den Sicherheitskräften von Werder Bremen ein Konzept, das schon beim Spiel am übernächsten Wochenende verhindert, dass Fans Bengalos ins Stadion schmuggeln.
Diese Fackeln bergen nach Überzeugung Mäurers ein enormes Risiko. Die 2500 Grad heißen Fackeln könnten schnell zu schweren Verbrennungen führen. Schittkowski betonte gestern, dass von den 2800 HSV-Fans, die am Wochenende angereist waren, das Gros friedlich war. "Aber, wenn schon 100 Leute auf Krawall gebürstet sind, bindet das enorm viele Kräfte."
Werder-Boss Klaus Allofs räumte gestern ein, dass man sich mit dem Thema Zufahrtswege zum Westkurvenbereich befassen müsse. In der Sache gebe es zwischen Werder Bremen und Innensenator "keine zwei Meinungen". Brigitte Köhnlein, Sprecherin des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr, erklärte gestern auf Nachfrage, dass das Stadion sowohl nach der Landesbauordnung als auch nach der Musterverordnung für den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten abgenommen worden sei.
 
Außerdem finde eine jährliche Bemusterung statt, so Köhnlein. Sie fügte hinzu: "Wir werden uns einer erneuten Prüfung aber nicht verschließen, falls neue Informationen vorliegen." Diese gibt es nach Überzeugung der Innenbehörde. "Wir hatten zuvor eine ungefähre Ahnung, was alles nicht geht", so Schittkowski. Die Realität habe aber die Planspiele am grünen Tisch übertroffen. So erwies sich die Alternativroute durch das Parzellengebiet in der Pauliner Marsch als viel zu lang und völlig ungeeignet. Krankenwagen verfuhren sich oder kamen nicht mehr aneinander vorbei.
Das Fazit der Organisatoren: "Wir brauchen richtige Straßen."






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