
Es ist eine endlose Geschichte, und das jüngste Kapitel verspricht auch wieder nicht, dass es endlich was wird mit dem City-Center am Ansgarikirchhof. Der Lloydhof sollte dafür abgerissen werden, die Stadt war kurz davor, sich mit dem Eigentümer zu einigen. Doch nun steht die Einkaufspassage völlig überraschend zum Verkauf.
"Uns ist mitgeteilt worden, dass der Eigentümer des Lloydhofs Verkaufsverhandlungen führt", bestätigt Wolfgang Golasowki, Staatsrat im Bauressort. Mehr wisse er aber nicht - "für uns ist das noch undurchschaubar".
Der Lloydhof gehört seit fünf Jahren zum Immobilienbestand der österreichischen S Immo AG - und dort sollte er nach Bekunden der Eigentümer eigentlich auch bleiben. "Wir sehen unsere Investition als langfristiges Engagement", hatte S Immo-Geschäftsführer Robert Neumüller Ende November in einem Gespräch mit unserer Zeitung gesagt.
"Wir sind froh über diesen Besitz", beteuerte Neumüller. Der Wert werde weiter steigen, schon deshalb stehe ein Verkauf überhaupt nicht zur Debatte. Außerdem, so Neumüller damals: "Was wollen wir in diesen Zeiten mit Geld?"
Gespräche schienen weit gediehen
Was bei den Österreichern den abrupten Sinneswandel ausgelöst hat, bleibt vorerst im Dunkeln. Neumüller war trotz mehrmaliger Anfragen nicht bereit, zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen.
Zuletzt war die Stadt noch sehr optimistisch, mit der S Immo handelseinig zu werden, um nach jahrelangen Planungen für das City-Center endlich den ersten praktischen Schritt zu tun. Es gab Gespräche, und sie waren nach Darstellung der Baubehörde bereits weit gediehen.
Der Lloydhof, so die Absicht beider Parteien, sollte abgerissen werden - Platz für ein neues Einkaufszentrum mit Flächen auch im benachbarten Parkhaus Am Brill. Automatisch vom Tisch wäre diese Lösung zwar nicht, sollte der Lloydhof in andere Hände übergehen, denn auch ein neuer Eigentümer könnte sich auf die Pläne der Stadt einlassen.
Er könnte es aber genauso gut sein lassen und damit seinem unmittelbaren Nachbarn folgen. Die Eigentümer des C&A-Gebäudes winken beim City-Center ab, sie haben mit C&A einen langfristigen Mietvertrag und sehen keinen Grund, das zu ändern.
Was auch immer nach einem möglichen Verkauf des Lloydhofs passiert - die Stadt wäre mit einer Situation konfrontiert, die erst einmal neu geordnet werden müsste. Eine Klärung, die Zeit kostet und den Fahrplan, den sich die Bauverwaltung für das City-Center verordnet hat, möglicherweise zu Makulatur macht.
Schieflage seit Jahren
Erst vor drei Wochen war von den Planern angekündigt worden, dass gleich nach der Einigung mit den Österreichern ein Wettbewerb vorbereitet werden solle: Acht bis zehn Investoren, die für die Grundstücke ein Kaufpreisangebot machen und dabei auch schon die Art der Nutzung definieren. Eine Jury sucht aus, wer in die enge Wahl kommt, fordert ein verbindliches Angebot an und lässt am Ende die parlamentarischen Gremien und den Beirat entscheiden, wer zum Zuge kommt. So war das gedacht, mit Beginn noch in diesem Jahr.
"Ich sehe nicht, dass unsere Pläne jetzt schon konterkariert sind", sagt Golasowski. Der Staatsrat vermutet vielmehr, dass, falls die S Immo AG tatsächlich verkaufen sollte, der Lloydhof eher an jemanden geht, der dort etwas Neues aufbauen will - und dann so oder so auf die Zusammenarbeit mit der Stadt angewiesen wäre.
Eine Vermutung, die dadurch genährt wird, dass die Ladenpassage am Ansgarikirchhof seit Jahren Schieflage hat. Es gibt etliche Leerstände, und neue kommen demnächst hinzu. Lukrativ ist für den Eigentümer einzig noch die Vermietung der oberen Etagen. Dort sitzt ein großer Teil der Bauverwaltung, allerdings nur noch mit einem Mietvertrag von wenigen Jahren. "Als Sicherheit für den Eigentümer ist das nicht besonders viel", weiß Golasowski.
Die Wirrnisse um den Lloydhof bringen einen Plan ins Wanken, der ursprünglich weitaus größer war. Das City-Center sollte vom Parkhaus Am Brill bis zum Parkhaus Mitte reichen. Zwischendurch war inoch das C&A-Gebäude dabei, und jetzt bleiben das Parkhaus Am Brill und der Lloydhof - wenn überhaupt.





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