
Der Hanseatenhof, eingegrenzt vom Lloydhof und rechts von der C&A-Immobilie.
Die Innenstadt hat zu wenig Ladenfläche, darin sind sich die Experten einig. Der Anteil an allen Geschäften in der Stadt liegt bei lediglich 16 Prozent, zum Vergleich: Hannovers Innenstadt erreicht einen Wert von rund 30 Prozent. Politik und Handel in Bremen sehen deswegen seit Langem einen dringenden Handlungsbedarf - und die Verwaltung hat daraus jetzt einen konkreten Plan gemacht.
Der Ort dafür ist das Ansgariviertel, das war bekannt. Neu die Nachricht, dass man mit dem Eigentümer des Lloydhofes als Anrainer des Quartiers weitgehend einig geworden ist - und dass es noch in diesem Jahr einen Wettbewerb unter acht bis zehn Investoren geben soll, der am Ende zu Planung, Bau und Betrieb des Einkaufszentrums führt.
Neben dem Lloydhof - Eigentümer ist die österreichische S Immo AG - steht als zweites zentrales Grundstück die Fläche vom Parkhaus Am Brill zur Verfügung. Die heute nur wenig belebte Einkaufspassage mit den Büros der Baubehörde oben drüber soll abgerissen werden. Die Parkgarage vielleicht auch, aber nur dann, wenn danach wieder Parkraum zur Verfügung steht, um zu gewährleisten, dass die Geschäfte mit dem Auto erreichbar sind. Das ist im Ganzen der Tenor eines Konzepts der Bauverwaltung, das in der kommenden Woche den beiden Deputationen für Wirtschaft und Bau vorgestellt wird.
Es ist das, was in den Papieren der Planer als "kleine Lösung" bezeichnet wird, die aber immer noch als groß genug erachtet wird. Kleine Lösung deshalb, weil ursprünglich daran gedacht wurde, die gesamte Fläche vom Parkhaus Am Brill bis zum Parkhaus Mitte in Beschlag zu nehmen. Doch das war spätestens zu dem Zeitpunkt Makulatur, als es bei den beiden Immobilien von Galeria Kaufhof und C&A Eigentümerwechsel gab und im Gefolge die Mietverträge mit den bisherigen Nutzern bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts verlängert wurden. "Die neuen Eigentümer sehen daher für sich keinen aktuellen Handlungsbedarf", schreibt die Bauverwaltung.
Was an Fläche übrig bleibt, ist offenbar immer noch interessant genug, um eine Reihe von Investoren anzulocken. So jedenfalls deutet es die Verwaltung an und bezieht sich dabei auf Gespräche mit diversen Projektentwicklern. Im Spiel sind demnach Unternehmen wie Gross&Partner, MAB Development, ECE, 3WDeutschland, Comfort, MFI, Sierra Developments oder die Gedo Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft.
ECE zum Beispiel hat in Oldenburg vor knapp einem Jahr die sogenannten "Schlosshöfe" eröffnet, ein Center mit 100 Geschäften und einer Gesamtladenfläche von 12500 Quadratmetern. Das Unternehmen der Versandhaus-Familie Otto verfolgt diesen Ansatz bundesweit und auch im Ausland, wobei die Einkaufszentren in der Regel noch weitaus größer ausfallen als in Oldenburg.
Das Bieterverfahren wird nach Absicht der Stadt in zwei Stufen ablaufen. Zunächst sind die Interessenten aufgerufen, Kaufpreisangebote für die Grundstücke abzugeben und auch schon die Art der Nutzung zu definieren. Eine Jury schaut sich die Ergebnisse an und trennt dann die Spreu vom Weizen. Wer von den Bietern dabei geblieben ist, muss im zweiten Schritt ein verbindliches Angebot abgeben, über das dann entschieden wird.
Eng begleitet wird das Verfahren vom Beirat Mitte und den parlamentarischen Gremien. Das erste Mal geschieht das, sobald der Vertrag mit dem Eigentümer des Lloydhofes unterschriftsreif vorliegt, was nach Einschätzung der Verwaltung in den nächsten Wochen gelingen sollte. Stimmen die Gremien der Abmachung zu und sind auch einverstanden mit dem folgenden Prozedere, kann's losgehen - Start frei für ein Projekt, mit dem sich die Innenstadt gegenüber der Konkurrenz auf der grünen Wiese neu aufstellen will.
Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing ist guter Dinge, wie er sich ausdrückt, dass in diesem Jahr die erste Stufe des Bieterverfahrens für die Investoren gezündet werden kann. Nicht zuletzt er selbst und seine Behörde haben es dann in der Hand, wie schnell die Pläne realisiert werden. Die Bauverwaltung besitzt im Lloydhof noch einen Mietvertrag über drei Jahre - ein früherer Ausstieg, und der Weg wäre frei. "Das etwas abseits gelegene Ansgariviertel benötigt eine deutliche Aufwertung", sagt Höing, "auch die Läufe dort funktionieren nicht." Am Ende, so seine Hoffnung, werde ein Neuanfang Strahlkraft für die gesamte Innenstadt haben.





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