
Gesetzliche Normen gibt es nicht: Wie laut ein Kinobetreiber die Lautstärke seiner Filme pegelt, ist ihm selber überlassen. Es gibt nur eine sogenannte Dolby-Norm 7.0, die regelt, wie laut die Filme im Idealfall sein sollen, erklärt Sebastian Reichert, technischer Leiter bei der Kinokette Cinemaxx.
Die tatsächliche Lautstärke in den Kinos hängt vor allem von der Ausstattung der Säle ab. Im Cinemaxx Bremen gibt es zehn Kinosäle. In acht dieser Säle ist ein klassisches Dolby-Digital bzw. Dolby-Surround-Tonsystem eingebaut. Wie laut die Geräuschkulisse letztendlich ist, entscheidet ein Einlass-Mitarbeiter individuell zur Vorstellung, erklärtAlexander Dangelmaier vom Cinemaxx in Bremen. „Im Eingangsbereich haben wir die Möglichkeit, die Lautstärke über einen Regler zu erhöhen bzw. zu minimieren.“ Besondere Sorgfalt gelte bei Kinderfilmen – diese werden generell etwas leiser abgespielt, "bei Action-Filmen wie 'Transformers' darf es gerne auch etwas lauter werden“, erklärt der Pressesprecher.
Generell gilt: „Wer es während einer Vorstellung im Cinemaxx zu laut oder zu leise findet, hat im unmittelbaren Eingangsbereich des Saals immer einen Ansprechpartner aus unserem Team zur Verfügung“, so Dangelmaier. Und der könne dann auf Wunsch die Lautstärke verändern.
Besonders laut kann es im sogenannten IMAX-Saal werden.Änderungen der Saal-Lautstärke sind hier nicht mehr möglich.„Das IMAX hat ein sehr dynamisches Digital-Ton-System, das den Film für den Besucher im Saal regelrecht fühlbar machen soll“, erklärt Dangelmaier. Ebenfalls neu installiert wurde in Bremen ein Tonsystem in Kinosaal 6 mit einem kräftigenBass. Auch das richtet sich eher an die Besucher mit einem unempfindlichen Ohr.
„Lautstärke gehört zum Teil des Geschehens“, meint Steffen Kuchenreuther. Der Kinobetreiber ist seit sieben Jahren Ehrenpräsident des Hauptverbands der Deutschen Filmtheater (HDF) - der Interessengemeinschaft der Kinos. Mit über 650 Mitgliedsfirmen, die rund 3.300 Leinwände haben, ist der HDF der größte nationale Kinoverband in Deutschland. Steffen Kuchenreuther kennt die Problematik. „Die Lautstärke im Kino war schon immer ein Problem“, sagt er. Das liege in der Natur der Sache, denn Lautstärke sei nun mal subjektiv. „Die Lautstärke kann nie für jeden Kinogänger angenehm sein“, meint Steffen Kuchenreuther. „Wir haben im Kinosaal regelmäßige Discogänger und auch ältere Leute – wir können nicht allen gerecht werden“. Ein Problem, dass die Kinobetreiber nie in Griff kriegen werden, meint Kuchenreuther. „Wir leben von einem Kompromiss“.
Experten raten zu Ruhe nach lauten Geräuschen
Johann Casjens ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Bremen-Gröpelingen. Auch in seine Praxis kommen vermehrt Leute, die über Gehörschäden klagen. Und auch Patienten, die wegen der Lautstärke im Kino Ohren-Probleme haben. „Normalerweise sind diese Schädigungen kurzfristig“, sagt Casjens. Er rät seinen Patienten vor allem eins: Ruhe. Erst nach rund 48 Stunden hat sich das Ohr von den kurzzeitigen Spitzenpegeln erholt.
„Im Kino und in der Disko haben wir das gleiche Phänomenen: Spitzenpegel, die über das akzeptable Maß hinausgehen“, sagt HNO-Arzt Michael E. Deeg vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. „Unsere Umwelt wird immer lauter“. Er ist überzeugt davon, dass die Kinofilmlautstärke zum Teil über 90 db liege. Laut der modernen Wissenschaft und medizinischen Untersuchungen gilt, dass ab einem Pegelmesswert von 80dB der Bereich beginnt, ab dem irreparable Gehörschäden entstehen können. In der Disco ist man immer einem Wert oberhalb von 90 dB ausgesetzt. Zum Vergleich: In der Arbeitswelt gilt ab einem Dauerpegel von 85 dB das Tragen eines Gehörschutzes.
Für den normalen Kinogänger ist die kurzzeitige Lärmeinwirkung aber nicht von großer Gefahr, erklärt der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. „Da müsste man schon rund um die Uhr im Kino sitzen“.
Tipp „LärmApp“: DerDeutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte hat für alle iPhone-Nutzer und Android-Smartphone-Besitzer eine kostenlose App zur Messung der Lärmbelastung in der unmittelbaren Umgebung herausgegeben. Außerdem finden sich in dem Programm praktische Hinweise zu dem Thema und eine Lärmtabelle.





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