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Umstrukturierungen bei der Polizei Bremen Planer diskutieren über Revierschließungen

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Die Diskussion um die Polizeireviere - unser Foto zeigt das Revier in Walle - geht wieder los.
Die Diskussion um die Polizeireviere - unser Foto zeigt das Revier in Walle - geht wieder los.

Die "Geisterdebatte" ist wieder entflammt: Mit diesem Begriff hatte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) im April vergangenen Jahres einen Artikel in unserer Zeitung kommentiert, der Überlegungen zu künftigen Revierschließungen zum Inhalt hatte. "Mit mir", so der Senator damals, "wird es keine Revierschließungen geben". Das, so fanden damals manche Beobachter, war weit aus dem Fenster gelehnt angesichts der Personalnöte, in der die Polizei steckte. Jede Stelle musste auf ihre Effektivität überprüft werden. Ertrank doch beispielsweise die Kripo in Hunderten von Betrugsdelikten. Andere Dienststellen, wie etwa die Bereitschaftspolizei, schoben rund 70.000 Überstunden vor sich her.

Gut ein Jahr später scheinen die Geister von damals kaum jemanden innerhalb der Polizei mehr schocken zu können. Ja, es gibt sogar hinter vorgehaltener Hand Stimmen, die eine Schließung von zwei oder drei Bremer Revieren für zumindest konsequent halten. Ob dies auch klug ist, so heißt es, stehe allerdings auf einem anderen Blatt.

Wenig Personal in den Revieren

Doch die Reviere Oslebshausen, Findorff und Woltmershausen, über die schon im Frühjahr 2011 diskutiert wurde, seien von der personellen Ausstattung her so heruntergefahren, dass die Beamten ganz überwiegend nur Anzeigen aufnehmen sowie für die Netzwerkarbeit und kleineren Aufgaben im Stadtteil zuständig seien. Für die eigentliche Kriminalitätsbekämpfung in den Stadtteilen sind schon längst andere als die eigentlichen Revierbeamten zuständig. Wählt ein Findorffer im Notfall die 110, kommt ein Streifenwagen des "Einsatzdienstes", der in der Innenstadt oder in Walle seinen Standort hat. Auf Serieneinbrecher im Kleingartengebiet legen sich beispielsweise Kräfte der Bereitschaftspolizei auf die Lauer, die dann nur für ein paar Tage in der Region sind.

Bleibt der Bürgerservice. Doch manche Reviere sind im Gegensatz zu anderen Standorten alles andere als "Magneten". Und so gibt es viele Tage in der Woche, in denen nur ein oder nur zwei Bürger auf den drei genannten Revieren erscheinen, um eine Anzeige aufzugeben. Die Beamten aber sind auf den Innendienst festgelegt und warten auf Kundschaft, die nicht kommt. Anders als die Reviere Gröpelingen, Steintor, Huchting, Kattenturm, Hemelingen, Horn, Schwachhausen oder Vegesack verfügen Findorff, Woltmershausen und Oslebshausen auch nicht über sogenannten Teilintegrationskräfte. Das heißt, keiner der Beamten beteiligt sich notfalls, wenn zig Anrufe gleichzeitig im Lagezentrum eingehen, an den 110-Einsätzen, die zentral gesteuert werden. In der Logik des Systems macht dieser Umstand die drei Reviere noch anfälliger für Schließungspläne.

Hinzu kommt beispielsweise in Findorff, dass zwei Drittel der Mitarbeiter nur noch "eingeschränkt dienstfähig" ist. Herz-Kreislauf- oder schwere Rückenprobleme oder aber psychosomatische Erkrankungen führen zu häufigen Ausfällen und eben nur noch zu einer eingeschränkten Einsatzfähigkeit.

Weswegen Polizeipräsident Lutz Müller überzeugt ist: "Von einem geöffneten Revier geht nicht automatisch mehr Sicherheit aus." Wohnungseinbrecher etwa, fange man mit Ermittlern und nicht, in dem eine Wache geöffnet sei. Müller mag die alten und aktuellen Überlegungen weder bestätigen noch dementieren, die in der Schutzpolizei kursieren. "Wir sind aktuell noch in der Abstimmung mit der Innenbehörde. Anschließend werden wir allen Beiräten und den verantwortlichen Politikern unsere Überlegungen präsentieren."

Schließungen sind ein Politikum

Der neue Polizeipräsident, der gerade seine ersten 100 Tage im Amt absolviert hat, weiß, dass Revierschließungen immer ein Politikum sind. Selbst, wenn Schließungen im Einzelfall Sinn machen könnten.

"Alle Standorte stehen auf dem Prüfstand", bleibt auch der Sprecher der Innenbehörde, Rainer Gausepohl vage. Stadtteile veränderten sich, sodass ständig neu überlegt werden müsse, ob die Polizei noch optimal organisiert sei. Zu möglichen Revierschließungen wollte Gausepohl gestern keine Stellung nehmen.

In den Planspielen werden die drei Wachen zu reinen KOB-Standorten, also zu den Büros der Kontaktbeamten. "Wenn der Bürger dort künftig anklopft, wird ihm aufgemacht oder auch nicht", gibt der Chef der Gewerkschaft der Polizei Bremen, Horst Göbel, zu bedenken.

Denn die rund 100 Kontaktbeamten in Bremen haben gut zu tun. Sie betreuen Schulen, gehen in Altersheime, sind für die Opfernachsorge und die "Gefährderansprachen" potenzieller Täter zuständig und vor allem ständig in Uniform und zu Fuß in ihrem Revier unterwegs. Sie gelten als personifizierte Kriminalprävention. Göbel kritisiert eine Tendenz, diesen Ansatz stetig zu reduzieren. "Wir arbeiten immer Verbrechen ab, anstatt alles dafür zu tun, sie gar nicht erst geschehen zu lassen."

Nächste Woche wollen die Polizeiführung und die Innenbehörde erneut über alle Standorte beraten. Innenstaatsrat Holger Münch betont auf Nachfrage: "Es wird keine Entscheidung vor der Diskussion mit den Beiräten geben." Diese werde noch vor der Sommerpause geführt. Auch werde es keinen Abbau von Polizeikräften, sondern einen Umbau zugunsten der Bekämpfung von Einbrüchen und Raub geben. GdP-Chef Göbel ist skeptisch: "Wir ziehen uns immer mehr aus der Fläche zurück."



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