
Die Bremer Landesdatenschutzbeauftragte Imke Sommer.
Frau Dr. Sommer, was sind Ihre wichtigsten Tipps für Datensicherheit im Internet?
Eine Grundregel lautet: Man sollte gerade in sozialen Netzwerken nur die Dinge veröffentlichen von denen man denkt: Selbst wenn es ein Datenleck gibt oder die Seite des Anbieters gehackt wird, braucht mir nichts peinlich zu sein. Ich kann immer noch zur Arbeit oder in die Schule gehen, ohne einen roten Kopf zu bekommen. Und grundsätzlich sollte man sich in den Datenschutzbestimmungen auch darüber informieren, was der Anbieter mit den eigenen Angaben macht. Leider ist das gerade bei den Sozialen Netzwerk oft schwer herauszufinden.
Warum ist das so?
Viele Dinge werden nicht offengelegt und sind für den Nutzer nicht zu durchschauen. Welche Folgen hat zum Beispiel die automatische Gesichtserkennung von Facebook? Es mag ja Fotos geben, auf denen man sich gern präsentiert. Aber manchmal wird man ja auch in unangenehmen Situationen fotografiert, ohne es zu merken, und plötzlich wird dieses Foto dann von anderen mit dem eigenen Namen verbunden, obwohl man das eigentlich gar nicht will. Ein anderes Beispiel: Warum sichert sich Facebook zum Beispiel das Recht, alles auszuwerten, was Sie dort schreiben oder hochladen? Was das im Einzelfall bedeutet und in Zukunft bedeuten könnte, lässt der Konzern im Unklaren. Hinzu kommt: In vielen Fällen ist die öffentliche Sichtbarkeit Ihrer Daten bereits voreingestellt. Das heißt: Sie müssen selbst die Häkchen wegnehmen, wenn Sie etwas nicht öffentlich machen wollen. Außerdem ändert Facebook ständig Funktionen und setzt vermutlich darauf, dass die Leute irgendwann nicht mehr so genau hinschauen und die Einstellungen so lassen, wie der Konzern sie vorgibt.
Was fordern Sie als Datenschützerin?
Jeder Bürger hat das Recht, selbst zu entscheiden, was mit seinen Daten geschieht. Das heißt: Die Nutzer müssen erneut um Zustimmung gebeten werden, wenn sich die Art und Weise, wie ihre Daten genutzt werden, ändert. Aber nur eine Einwilligung, die auf vollständigen Informationen basiert, ist rechtswirksam. Und umfassend informiert ist niemand über das, was mit den Daten bei Facebook passiert. Es kann auch nicht angehen, dass Sie sich als Nutzer umständlich durch irgendwelche Einstellungen klicken müssen, um etwas zu unterbinden, was ein Internetkonzern mal eben so für Sie entschieden hat.
Haben Sie Angst, dass gerade jungen Menschen im Internet das Gefühl dafür verloren geht, wie wichtig Datenschutz ist?
Viele junge Erwachsene sind quasi parallel zu den Sozialen Netzwerken groß geworden. Sie waren die Ersten, die schmerzliche Erfahrungen damit gemacht haben, was es bedeuten kann, wenn man in diesen Netzwerken zu viel von sich preisgibt. Manche hatten vielleicht Ärger mit Mitschülern, andere Probleme bei der Lehrstellensuche, weil potentielle Arbeitgeber merkwürdige Fotos von ihnen gefunden haben. Wer so etwas einmal erlebt hat, wird in der Regel vorsichtiger. Mittlerweile wird der Umgang mit Sozialen Netzwerken auch in der Schule stärker thematisiert als noch vor einigen Jahren. Dennoch bleibt es ein schwieriges Thema. Jedes Kind, das sich bei einem Sozialen Netzwerk anmeldet, braucht dafür die Einwilligung der Erziehungsberechtigten. Aber die sind natürlich nicht immer dabei, wenn ihr Kind im Internet surft.
Solche Themen gehören auch zum „Safer Internet Day“, der vor allem auf Gefahren aufmerksam machen soll, denen gerade Kinder und Jugendliche im Internet ausgesetzt sind.
Es ist sicher sinnvoll, dass es diesen Tag gibt, aber es heißt nicht umsonst „Safer Internet Day“ und nicht „Safe Internet Day“. Denn eines sollte man sich klarmachen: Solange Daten preisgegeben werden, bleibt auch immer ein Restrisiko bestehen, dass diese Daten in falsche Hände gelangen. Völlige Datensicherheit im Internet wird es wohl nie geben. Sicher ist man nur in der Anonymität.
Fake-Shops, vermeintliche Video-Links von Facebook-Freunden, Phishing, gefälschte Gewinnspiele: Immer öfter werden auch versierte Internetnutzer Opfer von Betrug im Internet. Die Betrugsstrategien scheinen immer raffinierter zu werden. Welche Herausforderungen folgen daraus für Politik und Datenschutzbehörden?
Betrug ist strafbar, insofern braucht man keine neuen Gesetze um dagegen vorzugehen. Die Polizei hat bei der Verfolgung von Straftaten im Internet dazugelernt. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich ist gestiegen. Wir Datenschützer haben daran natürlich ein hohes Interesse, denn Internetbetrug heißt ja im Regelfall auch, dass sensible Daten in die Hände von Betrügern gelangt sind. Damit es gar nicht so weit kommt, ist Aufklärung gefragt. Darum kümmern sich Verbraucherschützer.




Niederschlagswahrscheinlichkeit: 












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