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Antidiskriminierungs-AG erfolgreich Werder-Fans erhalten Toleranzpreis

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Till Schüssler (Werder-Fanbetreuer): „Der Kopf sagt ja, der Wechsel ist  zu verstehen. Naldo war oft verletzt, wir
Till Schüssler (Werder-Fanbetreuer):„Der Kopf sagt ja, der Wechsel ist zu verstehen. Naldo war oft verletzt, wirtschaftlich macht es Sinn. Aber das Herz weint.“

Mit dem Preis schloss sich für Till Schüssler ein Kreis. Als der Werder-Fan und seine Freunde der Gruppe "racaille verte" im Januar 2007 von "Nazi-Hooligans" überfallen und manche von ihnen krankenhausreif geschlagen wurden, stand für den angehenden Sozialpädagogen fest, dass er damit an die Öffentlichkeit muss. "Das war die Initialzündung für unsere Antidiskriminierungs-AG", sagt Schüssler heute. Gestern sind die Werder-Fans dafür in der Oberen Rathaushalle mit dem Preis "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2010" geehrt worden.

Für Schüssler war es eine späte "Genugtuung". Der 26-Jährige fühlt sich bestätigt darin, vor drei Jahren das Richtige getan zu haben. Während andere Fans zunächst wild entschlossen waren, es den Anhängern einer sogenannten Bremer "Nazi-Hooligan-Gruppe" auf der Straße heimzuzahlen, wählte er einen anderen Weg. Schüssler setzte sich mit Thomas Hafke vom Fan-Projekt Bremen zusammen und entschloss sich, über rechte Gewalt aufzuklären anstatt sie mit Gewalt zu bekämpfen.

So wurde im März 2008 die "Antidiskriminierungs-AG" der Werder-Fans und des Fan-Projekts Bremen geboren. Sie schafften es, die Fankurve hinter sich zu bringen. So sieht es Schüssler auch als einen Erfolg der AG an, dass Werder-Anhänger im Herbst 2008 beim Auswärtsspiel in Bochum Neonazis aus dem eigenen Block mobbten. Sechs Hooligans der Gruppe "Nordsturm Brema" wollten ein Transparent mit ihrem Logo "NSHB" (für "Nordsturm Hansestadt Bremen") ausrollen, doch die Kurve drängte sie nur Sekunden später, es wieder herunterzunehmen. Danach skandierten die Grün-Weißen "Nazis raus!" und erreichten, dass Ordnungskräfte die Hooligans aus dem Block entfernten. Für Aktionen wie diese wurde das Bremer Antidiskriminierungsprogramm bereits 2008 mit dem Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bunds ausgezeichnet, doch die neuerliche Auszeichnung ist für Schüssler eine weitere Bestätigung für die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Auch Werder ist Schüsslers herausragende Arbeit nicht verborgen geblieben, der Verein machte den Studenten im August diesen Jahres zum offiziellen Fanbeauftragten. Hafke ist mit der Wahl mehr als zufrieden und sagt: "Er ist genau der richtige Mann am richtigen Ort."

Leben mit und für den Verein

Allein die 24 Stunden vor der Preisverleihung zeigen, wie sehr der Mann mit den Dreadlocks für den Verein lebt. Am Sonntagnachmittag peitscht er die stark abstiegsbedrohte Mannschaft noch zum 3:1-Erfolg in Freiburg, kommt um 5 Uhr morgens mit dem Bus seiner Gruppe "racaille verte" nach Bremen, um zehn Stunden später schon wieder unter den Augen von Bürgermeister Jens Böhrnsen und Ex-Profi Frank Baumann mit der "Antidiskriminierungs-AG" den mit 3000 Euro dotierten Preis für "Demokratie und Toleranz" entgegenzunehmen.

Wie das Preisgeld eingesetzt werden soll, ist noch nicht genau bekannt. "Vielleicht wieder für eine Choreografie gegen Homophobie oder Rassismus", sagt Hafke. "Vielleicht aber auch für unseren deutsch-israelischen Austausch zum Abbau von Vorurteilen gegen Juden." Die israelischen Anhänger von Hapoel Katamon Jerusalem, Maccabi Netanja und Hapoel Bnei Sachnin waren im Oktober 2010 bereits in Bremen, und vom 11. bis 20. März reisen Schüssler, Hafke und zehn weitere AG-Mitglieder zum Austausch nach Israel.

"Ein Best-Practice-Transfer im besten Sinne" nannte der stellvertretende Geschäftsführer des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT), Markus Priesterath, den deutsch-israelischen Fan-Austausch in seiner Laudatio in der Oberen Rathaushalle. Auch Bürgermeister Böhrnsen lobte den interkulturellen Austausch als "ganz wichtiges Erlebnis, um Ressentiments abzubauen und kreative Ideen zu fördern". Das BfDT-Beiratsmitglied Cornelie Sonntag-Wolgast hob die Vorbildfunktion der Werder-Fans gegen Diskriminierung für andere Projekte hervor. Gerade im Fußball, wo viele mal die "Sau rauslassen" wollten und auch schon mal "Frauen runterputzen" würden, könne man das Engagement dieser Fans nicht nur gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie, sondern auch gegen Sexismus nicht genug loben. Die Werder-Fans stünden wie alle 80 prämierten Initiativen und Projekte auch für den "Aufstand der Anständigen", die ständig an einer Sache dranblieben.



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