Inserieren

Bremer Beluga-Reederei in der Krise Stolberg: "Ich stelle mich"

Der Bremer Reeder Niels Stolberg.
Der Bremer Reeder Niels Stolberg.

Das wäre Betrug, sogar in einem besonders schweren Fall. Oaktree, offiziell mit 49.5 Prozent an der Reederei beteiligt, hatte Stolberg und andere Führungskräfte bereits vor Tagen beurlaubt.

Nach seinem erzwungenen Ausscheiden aus der von ihm gegründeten Unternehmensgruppe war Stolberg eine Woche lang für niemanden zu sprechen. Gestern meldete sich der Ex-Beluga-Chef erstmals zu Wort: "Ich werde mich dem Verfahren und den mir gegenüber erhobenen Vorwürfen stellen", sagte er dieser Zeitung. "Ich laufe nicht davon."

Der US-Finanzinvestor Oaktree hatte am vergangenen Mittwoch Anzeige gegen den einstigen Bremer Erfolgsreeder gestellt und sieht sich jetzt durch die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ein offizielles Ermittlungsverfahren einzuleiten, bestätigt. Oaktree hat seit dem Einstieg bei Beluga rund 200 Millionen Euro investiert, um den Bau zahlreicher neuer Schiffe abzusichern. Dafür hatte die US-Fondsgesellschaft Anteile von 37 Prozent erhalten.

Plötzlicher Geldbedarf machte Investor skeptisch

Im Februar habe die Beluga-Reederei auf Anfrage eine weitere Finanzspritze erhalten, ließ Oaktree am Dienstag erklären. Seither hält der Investor 49,5 Prozent an Beluga. Allerdings weckte der plötzliche Geldbedarf den Verdacht des in Bremen eingesetzten Beraterteams unter Oaktree-Vizepräsident Roger Iliffe, als Interims-Geschäftsführer inzwischen Nachfolger des geschassten Stolberg. Bei einer anschließenden genaueren Prüfung der Geschäftsunterlagen und des Finanzbedarfs seien finanzielle Unregelmäßigkeiten bei Umsatz und Liquidität des Unternehmens entdeckt worden. Die Bilanzen sollen demnach gefälscht worden sein. Die belastenden detaillierten Unterlagen seien gemeinsam mit der Anzeige der Staatsanwaltschaft übergeben worden, hieß es gestern bei Oaktree.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob tatsächlich ein Betrug in einem besonders schweren Fall vorliegt. Es geht immerhin um eine dreistellige Millionensumme. Laut Gesetz macht sich strafbar, wer sich "rechtswidrig einen Vermögensvorteil verschafft oder das Vermögen eines anderen durch Vorspiegelung falscher Tatschen schädigt". Sollten sich die Vorwürfe bestätigen und Anklage erhoben werden, könnte eine mehrjährige Freiheitsstrafe drohen.

Stolberg soll in den nächsten Tagen vernommen werden

Stolberg will sich "mit Blick auf das laufende Verfahren" zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. "Das werde ich mit der Staatsanwaltschaft klären", kündigte er an. Bereits in den nächsten Tagen soll er erstmals in Bremen vernommen werden. Stolberg hat für das beginnende Verfahren, in dem es um sein Lebenswerk, seine Reputation als Reeder und Unternehmer sowie nicht zuletzt um eine Menge Geld geht, einen der besten Wirtschaftsanwälte Deutschlands verpflichtet: Ein Team um den Frankfurter Juristen Hanns W. Feigen soll Stolberg juristisch beistehen. "Wir sind zu Gesprächen bereit und werden uns zu allen Vorwürfen äußern", sagte Feigen dieser Zeitung. Niels Stolberg gehe es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern auch um Beluga und die knapp 500 Arbeitsplätze in Bremen, erklärte der Anwalt.

Der anerkannte Strafrechtler hat bereits etliche prominente Klienten vertreten. Er verteidigte den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel gegen den Vorwurf der Steuerhinterziehung, Ex-Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher in der Schmiergeldaffäre und schon vor sieben Jahren in Bremen auch den Ex-Vulkan-Chef Friedrich Hennemann in dessen Untreue-Prozess.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Mittwoch-Ausgabe des WESER-KURIER.



Bisher 0 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben »

Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Bremer Reederei Beluga, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

WESER-KURIER Kundenservice

Wetter - Sonntag, 26. Mai

Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag: /wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png Nachmittag: /wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Niederschlagswahrscheinlichkeit: 40 %
Das Wetter wird präsentiert von
 
Landesparteitag in Bremen
CDU kritisiert Senat scharf
Lange Nacht in Bremen
Tausende besuchen Bremens Museen
Dauerstreit um Bremer Diskothek
Streit um das Stubu
Landkreis Osterholz
Tierschützer gegen Traditions-Viehmarkt
Weserhäfen haben das Nachsehen
Rückgang der Seefrachtexporte
 
Streit um Besoldung
Polizeigewerkschaft sagt Senatsempfang ...
Dauerstreit um Bremer Diskothek
Streit um das Stubu
Hoeneß-Effekt in Niedersachsen
Steuersünder: Mehr Selbstanzeigen
Ungarn
Orban brüskiert Deutschland mit ...
Findorffer beobachten voller Interesse ...
Otwiaska: Alltag kehrt zurück