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Künftiger Vorstandschef Torsten Köhne im WESER-KURIER-Interview "SWB wird nicht ausgehöhlt"

Torsten Köhne wird neuer Vorstandschef beim Bremer Versorger SWB.
Torsten Köhne wird neuer Vorstandschef beim Bremer Versorger SWB.

Mehr als ein Jahr lang hat der EWE-Konzern auf einen Vorstandsvorsitzenden bei seiner Bremer Tochter SWB verzichtet. Mit Ihnen wird dieser Posten nun wieder besetzt. Woher dieser Sinneswandel?

Torsten Köhne:Es hat sich gezeigt, dass es im Bremer Umfeld ein bisschen schwierig ist, wenn es keinen bestimmten Ansprechpartner gibt und die SWB kein Gesicht hat, das nach außen für das Unternehmen steht. Das soll sich mit der Wiederbesetzung des Vorstandsvorsitzes nun ändern. Mehr Macht fällt mir damit aber nicht zu. Als Vorstandschef habe ich nicht mehr zu sagen als meine Vorstandskollegen.

Sie sind aber künftig nicht nur Vorstandschef der SWB sondern auch Vorstandsmitglied bei EWE. Sehen Sie da keinen Interessenkonflikt, wenn es um den Erhalt der Arbeitsplätze an den beiden Standorten Bremen und Oldenburg geht? Schließlich soll das geplante Sparprogramm ja beide Unternehmen treffen.

Es gibt im Konzern und im Aufsichtsrat eine Grundverabredung, dass alles, was Arbeitsplätze, Standorte und Investitionen betrifft, ausgewogen stattfinden soll. Und ich kann nicht feststellen, dass sich einer nicht daran halten will. Deswegen sehe ich in der Hinsicht wenig Konfliktpotenzial.

Fakt ist aber ja, dass etwa der Bereich Energiehandel bereits komplett nach Oldenburg abgewandert ist. Müssen sich die 2500 Beschäftigten in Bremen jetzt auf eine größere Umzugswelle gefasst machen?

Nein, überhaupt nicht. Niemand muss sich Sorgen machen, dass sich in Bremen demnächst die Flure leeren. Was den Energiehandel angeht, wäre die SWB auf Dauer vielleicht ohnehin eine Nummer zu klein gewesen, um ein solches Geschäft allein vorzuhalten. Da bedarf es relativ teurer Systeme, die auch eine Börsenzulassung und anderes beinhalten. Es gab deshalb schon früher – unter Beteiligung anderer Anteilseigner – die Überlegung, dieses Geschäft von einem größeren Konzern erledigen zu lassen. Nun ist es eben die EWE, die diese Dienstleistung für die SWB erbringt.

Werden denn im Gegenzug jetzt andere Aufgaben in Bremen angesiedelt?

Einen direkten Ausgleich nach dem Motto "Zwei hierhin, zwei dahin" – so wollen wir das eigentlich nicht machen. Das muss schon sinnhaft zugeordnet werden. Und da sehe ich durchaus Dinge, die bei der SWB gut aufgehoben sein könnten. Das betrifft etwa bestimmte Servicefunktionen.

Das im Januar von EWE vorgelegte Konzept zum Umbau des Konzerns hat bei den SWB-Beschäftigten und auch in der Bremer Politik für viel Unruhe gesorgt. Können Sie den Beschäftigten als Vorstandschef heute versprechen, dass die SWB in zehn Jahren noch selbstständig sein wird?

Zumindest mittelfristig, vielleicht auch länger, wird es sicherlich weiterhin eine SWB AG geben. Aber das allein hilft ja nichts, wenn in der AG nichts mehr drin ist. Wenn man das Unternehmen langsam ausbluten ließe und nur eine leere Hülle übrig bliebe. Dafür aber gibt es aus meiner Sicht keine Anhaltspunkte. Wir machen die nächsten drei bis fünf Jahre jetzt erst mal so weiter und schauen dann mal, wie weit wir mit unseren Kooperationsthemen gekommen sind.

Die Konturen des Sparkonzepts sind immer noch unklar. Können Sie inzwischen sagen, wie viele Stellen in Bremen abgebaut werden sollen?

Es gibt zwei größere Effizienzprojekte bei der SWB, die aber schon beschlossen waren, bevor wir über Kooperationen im Konzern diskutiert haben. Zum einen haben wir rund 70 Stellen in der Verwaltung abgebaut. Dieses Projekt ist fast abgeschlossen und wird bei den Effizienzplanungen der EWE mit angerechnet. Außerdem werden in den nächsten zwei Jahren noch mal 120 Arbeitsplätze in der Erzeugung wegfallen, weil wir drei Kraftwerksblöcke außer Betrieb nehmen. Insgesamt sind das also 190 Stellen. Darüber hinaus ist bei der SWB aktuell kein Stellenabbau geplant.

Falls doch, wären die Beschäftigten aber ja ohnehin zumindest bis Ende 2013 durch eine Konzernbetriebsvereinbarung vor Entlassungen geschützt.

Im Juni ist diese Vereinbarung sogar noch mal um ein Jahr bis Ende 2014 verlängert worden. Und ich würde darauf wetten, dass auch danach niemand entlassen wird. Ich bin seit 1997 bei der SWB und habe erlebt, dass in der Zeit die Belegschaft um 40 Prozent geschrumpft ist – ohne eine einzige betriebsbedingte Kündigung. Es ist Konsens bei SWB und EWE, dass Personalreduzierungen auch in Zukunft sozialverträglich stattfinden werden, also durch die üblichen Instrumente wie Vorruhestand, Altersteilzeit und Vermittlung in neue Jobs.

Es gibt also gar keinen Grund zur Aufregung?

Dass aktuell keine zusätzlichen Stellen abgebaut werden, bedeutet ja nicht, dass es keinen Effizienzdruck mehr gibt. Heute ist es in größeren Unternehmen die Regel, alle anderthalb oder zwei Jahre wieder neue Effizienzsteigerungsprogramme aufzulegen. Das ist normal und hat mit einer EWE-Kooperation erst mal überhaupt nichts zu tun. Aber natürlich ist es auch so, dass sich, wenn man räumlich und was die Geschäftsfelder betrifft so nah beieinander ist wie EWE und SWB, Effizienzen vielleicht besser, nachhaltiger und auch wirksamer heben lassen, als es zum Beispiel bei der SWB und ihrem damaligen Großaktionär Essent im fernen Holland der Fall war. Auf Beschluss des Aufsichtsrats soll das jedoch in einem sehr transparenten Verfahren geschehen, in das auch die Arbeitnehmervertreter eng mit eingebunden sind. Dadurch wird zugleich sichergestellt, dass mögliche weitere schmerzhafte Maßnahmen nicht einseitig zulasten der SWB gehen.

Bei EWE sind Strom und Gas derzeit teurer als bei der SWB. Müssen die SWB-Kunden jetzt möglicherweise mit einer Preisanpassung nach oben rechnen, damit mehr Geld in die Kasse des notleidenden EWE-Konzerns kommt?

Wir machen unsere Preise am Markt und die Wettbewerbssituation in einer Großstadt ist nun mal eine andere als auf dem Lande. Deshalb müssen wir da auch mit unterschiedlichen Preisen reingehen. Es gibt jedenfalls keine Verabredung, dass die SWB jetzt mit ihren Preisen hochgeht, nur damit es dem Konzern besser geht. Wir müssen ja auch sehen, dass wir unsere Kunden behalten. Deswegen gibt es keine Ambitionen, ein einheitliches Preisniveau zu schaffen.

Vor zehn Jahren hat der Strom bei der SWB noch rund ein Drittel weniger gekostet. Wie werden sich die Energiepreise weiterentwickeln?

Man muss da ein bisschen unterscheiden. Aktuell ist es so, dass die Preise an der Börse einen historischen Tiefstand erreicht haben. Für uns heißt das, dass sich mit dem Energieverkauf an der Börse eigentlich nicht so richtig Geld verdienen lässt. Das würde landläufig dafür sprechen, dass Strom für die Verbraucher billiger zu haben ist. Ist er aber nicht, was im Wesentlichen daran liegt, dass der Preis ganz erheblich von Faktoren bestimmt wird, die wir nicht beeinflussen können. Das sind neben den Netznutzungsentgelten die staatlichen Abgaben, zu denen auch die Erneuerbare-Energien-Umlage gehört. Die ist in den letzten Jahren gestiegen und ich vermute, dass sie auch weiter steigen wird. Deshalb ist aus meiner Sicht nicht damit zu rechnen, dass die Endkundenpreise runtergehen, sondern die werden weiter raufgehen und damit auch die Verbraucher stärker belasten.



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