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Bremer Agentur berät Kunden in Social-Media-Fragen Wie Facebook sich für Firmen lohnt

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Construktiv-Gründer Kai Tietjen pendelt zwischen Bremen und Berlin.
Construktiv-Gründer Kai Tietjen pendelt zwischen Bremen und Berlin.

Construktiv berät Kunden, wie sie sich auf Facebook und Twitter am besten darstellen konnen, entwickelt Konzepte und setzt sie um. Für den Mineralwasseranbieter \/olvic hat die Agentur eine Facebook-Fanseite entworfen, die laut Tietjen innerhalb weniger Wochen 50.000 Fans gewonnen hat. Um erfolgreich zu sein, muss eine solche Seite aktiv bespielt werden, mit originellen Ideen und durch ständige Kommunikation mit den Nutzern. "Das kann man nicht automatisieren", sagt Tietjen. "Die Fans erwarten individuelle Antworten auf ihre Fragen und Anregungen."

Von den insgesamt 80 Beschäftigten von Construktiv arbeiten 15 ausschließlich für den Bereich Social Media. Sie entwarfen für Greenpeace eine App, mit der man aus einem Atomsymbol mit wenigen Klicks eine Windmühle basteln kann, für Volvic einen Fotowettbewerb und für einen weiteren Kunden, einen Käsehersteller (Bresso, Gerainont) eine App mit einer interaktiven Picknickdecke, mit der man Freunde zu einem Essen im Freien einladen kann. "Es geht darum, auf nette, sympathische Weise auf sich aufmerksam zu machen", sagt Tietjen. Dafür investieren Firmen immerhin sechsstellige Stimmen für ein halbes Jahr, einen insgesamt wachsenden Teil ihrer millionenschweren Werbeetats.

Bloß nicht zu etabliert

Vor zwei Jahren hat Tietjen mit seinem Team die Social Media Unit gegründet, Von deren Erfolg scheint er selbst immer noch ein bisschen überrascht. Zu den Kun- den gehören neben \/olvic und Green- peace auch Katjes, Birkel, die Sparkasse Bremen und neuerdings Pizza Hut. "Wir bekommen zunehmend Aufträge von großen Firmen, selbst von Dax30-Unternehmen", freut sich Tietjen. Er führt das auf die hohe Veränderungsbereitschaft der Agentur zu- rück: "Construktiv ist wie ein Chamäleon: Wir passen uns immer wieder an."

Vor 13 Jahren startete das Unternehmen mit Sitz an der Haferwende als klassische PR-Agentur. Seitdem ist viel passiert. Die Zahl der Beschäftigten stieg von gerade mal einer Handvoll auf jetzt 80, von denen 50 in Bremen sitzen und 30 in der Niederlassung in Berlin. Zur Unternehmens-PR ka- men lnternetangebote, und gerade konzentriert sich Tietjen auf Angebote für Smart Phone und iPad und denkt über weitere Niederlassungen in Köln und München nach.

Das scheint alles sehr gradlinig zu verlaufen. Aber Tietjen weiß, dass man in dieser Branche in dem Moment schlecht wird, wo man sich auf Erfolgen ausruht und sich etabliert. Deshalb hat er vor ein paar Wo- chen eine neue Firma gegründet, die Unit 51, ein kleines StartUp in 130 Quadratme- tern Bürofläche Am Wall, räumlich und auch gesellschaftsrechtlich unabhängig von Construktiv. Alles wieder auf Anfang, mit einem kleinen Team herumprobieren, ohne Erfolgsdruck - na ja, erst mal. "Mittelfristig soll die Unit natürlich Geld verdie- nen", sagt Tietjen. Immerhin: Einen ersten Kunden gibt es schon: Eine bekannte deutsche Band lässt bei Unit 51 eine App produzieren. "ln Deutschland gibt es 20 Millionen Smartphonenutzer. Das ist ein weites Feld für Innovationen", sagt Tietjen. Er schwärmt von völlig neuen Möglichkeiten der mobilen Geräte, wie der gezielten An- sprache von Konsumenten auf ihrem Handy, während sie gerade an einem Ge- schäft vorbeigehen. Auch das iPad mit sei- ner hohen

Bildauflösung bietet ganz neue Möglichkeiten, glaubt Tietjen. So könne ein Raumausstatter seinen Kunden etwa Fotos von Fußbodenbelägen auf das iPad schicken, die diese dann im eigenen Wohnzim- mer auf den Fußboden legen oder an das Sofa halten können, um zu sehen, ob Farbe und Struktur passen. Es gibt also viel Fantasie, um Neues auszuprobieren.

Auch wenn er lässig in T-Shirt und Jeans daherkommt: Tietjen ist ein erfahrener Ge- schäftsmann, absolut Profi in seiner Bran- che, mit einem guten Gespür für neue Märkte. Es gehe darum, den Kunden mög- lichst früh neue Strömungen zugänglich zu machen, sagt Tietjen. Als ein eigener Internetauftritt für Unternehmen immer wichtiger wurde, entwickelte Construktiv eine Software, mit der man schnell gefunden und in den wichtigen Suchmaschinen möglichst weit oben platziert wird. Trafficmaxx heißt das hauseigene Produkt, das unter anderem von Tchibo und Obi genutzt wird. Auch Sony, Otto-Reisen und Pelikan arbeiten mit Traficmaxx, heute ein eigenes Portal für Online-Marketing.

Als Web 2.0 zum Schlagwort wurde, entwickelte Construktiv Mister Wong, einen stilisierten kleinen Chinesen als Lesezeichen für Internetinhalte. Mit dieser inzwi- schen weit verbreiteten Bookmark kann man beliebte Seiten und Inhalte markieren und mit anderen Nutzern teilen. Die Gestaltung von Internetauftritten, etwa für die neue Bremer Kunsthalle, bleiben Kernge-schäft.

Aber auch die klassische Agentur-Arbeit im Printbereich wird weiter gepflegt. Zum dritten Mal holte sich Construktiv gerade eine der begehrtesten Design-Auszeichnungen, einen Reddot Award, für den Geschäftsbericht des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN), eine über viele Jahre bewährte Zusammenarbeit.

Geschäftsbericht des VBN - das klingt erst einmal wenig spannend. Construktiv hat das Zahlenwerk optisch so aufbereitet, dass es Spaß macht, darin zu blättern. Das liegt vor allem an dem Künstler Christoph Reiprich, der Zahlen, Menschen, Busse und Bahnen zu bewegten Collagen verarbeitet hat. Tietjen gefiel dessen Arbeit so gut, dass er ihn als Kreativdirektor der Agentur anheuerte. Bei aller Affinität zu neuen Technologien hält der Agenturchef die klassischen Printmedien auch künftig für unverzichtbar.

Tietjen ist gebürtiger Bremer. Er mag die Stadt, lebt aber beruflich und privat seit sechs Jahren einen Spagat zwischen Bremen und Berlin. "Berlin hat mich fasziniert. Ich wollte einfach mehr vom Spirit dieser Stadt mitbekommen", sagt er. Auch für das Geschäft sei eine Berliner Adresse gut, für die Auftraggeber aus großen Konzernzentralen, aber auch, um Arbeitskräfte zu gewinnen. "Bremen bildet zwar gute Leute aus, aber es ist schwierig, sie auch in der Stadt zu halten", sagt Tietjen, der es schade findet, dass es so schwierig ist, die Stadt überregional besser zu verkaufen. Für junge Kreative sei Construktiv attrakti- ver, wenn man ihnen auch einen Job in Berlin anbieten könne.

Einen Teil des Nachwuchses bildet Construktiv selber aus. Das Unternehmen bildet sechs Azubis im Bereich Medienkommunikation und Mediengestaltung aus. "Insgesamt haben wir 26 Auzubildende betreut. Zwei von ihnen sind heute Teamleiter bei uns", sagt Tietjen. Die Arbeit sei auch für Frauen sehr attraktiv, vor allem in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Soziale Netzwerke sei der Frauenanteil im Unternehmen hoch. Derzeit habe er ein "Superteam", einen sehr guten Mix aus Bremern und Zugereisten. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen liegt bei 26 Jahren. "Bei uns arbeiten viele junge Kreative. Die leben mitten im Trend", sagt Tietjen.

Selbstorganisation als Prinzip

Sein Vater Wolfgang Tietjen ist ein bekannter Bremer Unternehmer, Gründer der Getifix-Gruppe, die Dienstleistungen rund um Gebäudereinigung und -sanierung anbietet. Auch Kai Tietjen ist Unternehmer aus Überzeugung. Vor 13 Jahren hat er die Agentur gegründet, die ihm zu hundert Prozent gehört. Für Mister Wong wie auch jetzt für die Unit51 hat er jeweils eigene Gesellschaften gegründet. Selbstständigkeit und Selbstbestimmung sind ihm wichtig. Darauf gründet sich auch die Struktur seiner Unternehmen. Für alle Firmen gilt das Prinzip flacher Hierarchien.

Tietjen ist fasziniert von der Theorie der Selbstorganisation, die unter anderem von Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom vertreten und erforscht wird. Sie geht davon aus, dass sich Menschen, die gemeinsame Interessen verfolgen, sich auch ohne Vorgaben von außen so organisieren, dass das Ziel möglichst effektiv erreicht wird. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Tietjen in seinen Firmen. Jede Einheit hat ein bis zwei Teamleiter. Es gibt wenig Vorgaben, jedes Team kann und soll sein eigenes Betriebsklima entwickeln. Neue Projekte und die Organisation der Arbeit entstehen oft durch Diskussionprozesse, sagt Tietjen. Er selbst sieht sich als Motivator und Ideengeber. Mit dieser Struktur bleibe das Unternehmen sehr flexibel. An Partner binden will er sich nicht und lieber aus eigener Kraft wachsen - und selbst entscheiden.



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altwaller am 25.05.2013 11:10
Alle sind gleich bzw. werden gleich behandelt ? Mal sehen wie es läuft. Sammer hat ja, als Bayern rief, eigentlich problemlos die Freigabe erhalten. ...
peteris am 25.05.2013 10:14
Das ist ja auch kein Testspiel. Werder wollte sich bei den vielen Werder - fans aus Delmenhorst mit einem Auftritt bedanken.
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