
Im Visier hat er dabei unter anderem die hauptsächlich in Bremerhaven ansässige Windindustrie. Hier liege die Zeitarbeitsquote in einzelnen Unternehmen inzwischen bei 70 Prozent. Mit einer veränderten Förderpolitik will Günthner einen Anreiz für mehr Festanstellungen geben. "Wirtschaftsförderung ist kein Selbstzweck, sondern Mittel um gute Arbeit zu schaffen und zu erhalten. Deshalb sollen Kriterien für gute Arbeit bei der Vergabe von Förderung berücksichtigt werden." Bis Ende des Jahres werde sein Ressort dazu einen konkreten Vorschlag vorlegen, kündigte Günthner an.
Die Frage, wie eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik aussehen muss, stand gestern im Mittelpunkt einer ersten gemeinsamen Veranstaltung des Wirtschaftssenators und der Arbeitnehmerkammer Bremen. Einig waren sich die Beteiligten, dass im Wettbewerb der Standorte neben den klassischen Faktoren wie einer guten Verkehrsanbindung und niedrigen Kosten zunehmend auch die Interessen der Beschäftigten eine Rolle spielen. Dazu gehörten gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne aber auch Themen wie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
"Die Wirtschaftspolitik muss sich verändern", forderte der Arbeitsmarktexperte Dieter Rehfeld, Direktor am Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen. In der Vergangenheit seien vor allem technische Innovationen gefördert worden. Inzwischen habe jedoch ein Paradigmenwechsel stattgefunden: "Arbeitskräfte werden zum Engpass, nicht mehr unbedingt die Arbeitsplätze." Eine integrative Wirtschaftsförderung müsse es sich daher zur Aufgabe machen, den Produktionsfaktor Arbeit stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Rehfeld: "In Zukunft wird es darum gehen, welcher Standort gute, anregende Arbeitsplätze vorhalten kann, damit er Fachkräfte behalten oder gewinnen kann."
Mit dem geplanten Mindestlohn und dem Vergabegesetz sei Bremen hier bereits auf einem guten Weg, meint Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. Neben einer Begrenzung der Leiharbeit hält er auch Höchstquoten für Minijobs und befristete Arbeitsverhältnisse bei geförderten Unternehmen für sinnvoll. Als erfolgreich sei eine Wirtschaftspolitik nur dann zu bezeichnen, wenn durch sie auch existenzsichernde Jobs entstehen. Handlungsbedarf sieht Schierenbeck hier nicht nur in der Windbranche, sondern zum Beispiel auch im Bremer Gastgewerbe und im Einzelhandel. Beides seien Branchen, die vor allem von der Tourismusförderung profitierten. Gleichzeitig würden dort immer mehr auskömmliche Arbeitsplätze abgebaut.





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