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INTERVIEW MIT DE FOFFTIG PENNS

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Plattdeutsch ist cool


Auf diesem Bild sieht De Fofftig Penns. Foto: Konrad Beyer


Malte Battlefeld, Jakob Köhler und Torben Otten(v.rechts) sind dree plieetsche Jungkerls, die auf Platt rappen und beaten was das Zeug hält. Foto: Konrad Beyer

"Tro di wat, snack Platt!" – eine Sprache, die durchaus Spaß macht und cool ist, findet Jakob Köhler. Gemeinsam mit Malte Battlefeld und Torben Otten rappt Jakob auf Plattdeutsch. Jetzt haben De Fofftig Penns, wie sie sich nennen, sogar ihre erste Single "Platt" herausgebracht. Sicher, die Melodie kommt einem schon bekannt vor. Die Nordlichter interpretieren Songs, die sie mögen einfach neu: Da werden Nachlader, Fanta4 oder Großstadt-
geflüster kurzerhand in angetrashtem Elektro HipHop Geschranze "eingeplattet".


Plattdeutsch gilt als angestaubte Sprache. Ihr aber seid vor Kurzem im Vorprogramm des Berliner Elektropop-Projekts Nachlader aufgetreten. Ist Plattdeutsch mittlerweile clubtauglich?
Jakob Köhler: Ja, ich glaube, das haben wir ein bisschen geschafft. Es gibt jetzt zumindest neue Orte, an denen Plattdeutsch gehört und gesprochen wird.

Jetzt gibt es Eure Single "Platt" zu kaufen – folgt bald ein ganzes Album?
Da sind wir uns noch nicht sicher. Wir wollen das Ganze noch ein wenig weiterentwickeln. Derzeit machen wir Pause, so ungefähr bis Mitte nächsten Jahres. Aber es ist durchaus möglich, dass ein Album kommt.

Habt Ihr auch eigene Songs im Programm?
Die Idee ist, dass wir Lieder, die wir gerne mögen, neu interpretieren oder quasi "einplatten". Die aktuelle Single zum Beispiel ist ein Cover von Nachlader. So lautet im Moment noch das Konzept. Ob es so bleibt, wird sich zeigen.

Sind Nachlader auf Euch zugekommen, als es darum ging, eine Vorband für den Auftritt zu finden?
Nachlader ist jetzt nicht die erste Gruppe, von der wir Vorband waren. Wir haben auch schon vor Acts wie Egotronic und Testsieger gespielt. Aber in diesem konkreten Fall hat sich das einfach ergeben, da wir uns auch privat kennen.

Wie seid Ihr an Plattdeutsch gekommen?
Wir sprechen Plattdeutsch von früher her. Wir haben in der Schule aber auch einen Kurs gemacht. Und daraus hat sich das Projekt dann entwickelt. In der Schule – vor genau sieben Jahren – gab es unser erstes Lied. Nach einigen Jahren Pause haben wir die Arbeit wieder aufgenommen und noch mehr Songs, die wir mögen, "eingeplattet". Die Schule war zwar der Auslöser, aber es macht einfach Spaß – deshalb machen wir das jetzt immer noch.

Auf dem Bild sind De Fofftig Penns abgebildet. Foto: Konrad Beyer

Plattdeutsch ist die Lieblingssprache der drei Nordlichter und deshalb soll sie auch auf gar keine Fall aussterben.
Foto: Konrad Beyer

Wie angesagt ist Plattdeutsch?
Plattdeutsch ist auf jeden Fall cool. Die Art, wie die Sprache gesprochen wird, und allgemein der norddeutsche Dialekt sind durchaus cool oder zumindest nicht uncool. Was man dann daraus macht, entscheidet, wie angesagt das Ganze letztendlich wird.

Man kann gut auf Plattdeutsch schimpfen ...
Das stimmt! Aber so richtig schlimm ist es nie. Es klingt eigentlich alles sehr freundlich, was man sagt.

Seid Ihr schon immer Hip-Hopper gewesen?
Ich glaube, dass niemand von uns sich vollen Ernstes als Hip-Hopper bezeichnet. Wir alle kommen doch eher aus der Gitarren-Ecke. Ich habe vorher in keiner Band gespielt, aber die anderen in Pop-Rock-Gruppen. Es ist unser erstes gemeinsames Hip-Hop-Projekt.

Und wie kam es zu De Fofftig Penns?
Das hat sich einfach so entwickelt. Die erste Idee vor Jahren war einfach: "Wir machen ein Lied auf Platt, das klingt lustig." Es war noch sehr weit weg von dem, was wir jetzt machen. Dass wir jetzt wirklich als Band auf einer Bühne stehen und dass wir vor Leuten wie Nachlader spielen, das ist wirklich ein Selbstläufer. Uns macht es Spaß und es gibt viele Leute, denen es Spaß macht, uns zu hören.

Ihr unterstützt die Initiative "Platt is cool"...
Die Initiative wurde von Landschaftsverbänden ins Leben gerufen und wird auch vom Kultusministerium des Landes Niedersachsen unterstützt. Wir sind im Auftrag der Initiative an Schulen gegangen und haben den jungen Leuten gezeigt, dass Platt cool sein kann.

Auf dem Bild De Fofftig Penns abgebildet. Foto: Konrad Beyer

Riemelmeester Malte krakelt in sein Megafon, Plietsche Torbän und der Kommodige Jakob liefern den Gesang und astreine Beats.
Foto: Konrad Beyer

Wie haben die Schüler Euch aufgenommen?
Sehr gut. Die Schüler fanden es überwiegend sehr witzig. Die haben uns vermutlich ernster genommen, als wir es selbst tun. Es war eine sehr interessante Erfahrung. Ich weiß zwar nicht, wie viel Plattdeutsch die Jugendlichen dabei gelernt haben, aber zumindest, dass Plattdeutsch auch andere Formen hat als das, was deren Großeltern ihnen erzählen.


Ist Plattdeutsch vom Aussterben bedroht?
Wenn sich die Sprache nicht weiterentwickelt, dann ist es absehbar, dass sie ausstirbt. Deshalb muss man auf jeden Fall etwas für sie tun. Wir werden häufig gefragt, ob wir glauben, dass wir die Sprache retten können. Das ist unrealistisch und überhaupt nicht unser Ziel. Aber es wäre schön, wenn es noch mehrere Bands gäbe wie uns – das würde zumindest die Sprache weiterentwickeln und sie könnte noch ein paar mehr Leute begeistern.

Man muss die Leute für eine Sprache sensibilisieren, die es zu erhalten gilt ...
Ja, genau. Sie müssen merken, dass man durchaus diese Sprache sprechen kann und dass dies Spaß macht – das haben wir über die Jahre hinweg erfahren. Viele verstehen auch mehr, als sie denken.

Sprecht Ihr sonst noch privat Plattdeutsch?
Gemischt. Ganz ehrlich: Nicht unglaublich viel, weil wir nicht in einer Stadt leben, in der viel Plattdeutsch gesprochen wird. Wenn es so etwas überhaupt gibt ... Wir sprechen viel Hochdeutsch untereinander – aber auch gerne mal Platt.

Ursprünglich stammt Ihr aus Vegesack und umzu. Doch jetzt lebt Torben in Hamburg, Malte für ein dreiviertel Jahr in der Bretagne und Du in Berlin ...
Ja, wir kennen uns aus der Schulzeit und sind dann gemeinsam nach Berlin gegangen. Und dann haben sich die Wege wieder ein bisschen getrennt.

Wie kommt Plattdeutsch in Berlin an? Oder sind die Berliner etwas unvorbereitet, was die Sprache betrifft?
Unvorbereitet trifft es ganz gut. Sie wird angenommen – aber wahrscheinlich anders als im Norden. Die Berliner finden es witzig, dass es die Sprache gibt. Und sie finden es kurios, dass wir das machen, was wir machen. Aber ich glaube, dass Leute, die damit wirklich gar nichts anfangen können, sagen "schön, dass es das gibt. Schön, dass ihr sie sprecht". Aber sie werden dann wohl kaum anfangen, fließend Platt zu sprechen. Dennoch hört man nach den Konzerten die Leute dann ein paar Worte reden. Und das ist ja schon ein schönes Ergebnis.

von Linda Bussmann