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ENDLOS-PRAKTIKA

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Festhängen in der Warteschleife


Sie heißen "Praktikanten", arbeiten aber voll im Unternehmen mit. Sie tun für den Berufseinstieg alles und landen dennoch nur in prekären Arbeitsverhältnissen. Immer mehr Absolventen stecken in "Praktikantenkarrieren" fest und schuften als Hochqualifizierte zum Nulltarif. An und für sich sind Praktika etwas Gutes. Früher hießen sie oft Schnupperpraktika, weil es darum ging, einmal hinein zu riechen in ein Autohaus oder in eine Werbeagentur, um herauszufinden, ob der Beruf zu einem passt oder nicht. Die Praktikanten heute haben sich längst für einen Beruf entschieden.


Die zappelnden Flundern

Je mehr arbeitslose junge Akademiker es jedoch gibt, desto lieber stellen die Unternehmen Praktikanten ein, die für wenig Geld professionelle Arbeiten verrichten. So ist zwischen Ausbildung und Beruf eine häufig mehrere Jahre währende Dauerpraktikantenschaft getreten. Die Wissenschaft hat diesen Jahren bereits einen Namen gegeben: die "floundering period". Eine Phase, in der man zappelt wie eine Flunder. Vor zwei, drei Jahren war in den Zeitungen viel über die "Generation arbeitslos" zu lesen, von jungen, gut ausgebildeten Menschen, die früh ihren Job verloren. Die Flundermenschen sind anders: Sie wurden nie arbeitslos, weil sie nie einen festen Job hatten. Sie haben daher auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder auf Startgeld für eine Ich-AG. Wer heute im Internet nach Jobangeboten für Berufsanfänger sucht, der findet dort vor allem Praktikantenstellen. Beliebt sind Praktikanten, die mindestens ein halbes Jahr bleiben und fähig sind, "selbstständig" zu arbeiten. Solche Praktika klingen nicht mehr sehr nach Schnuppern, eher nach Ausbeuten. Aber das gibt natürlich keiner gerne zu.

Der Party-Satz: "Ich mache noch mal ein Praktikum"

Es gibt Arbeitslosenstatistiken in Deutschland, jeden Monat neue. Praktikantenstatistiken gibt es nicht. Niemand zählt sie, niemand errechnet, wie lange diese Praktika dauern, niemand verfolgt, wohin sie führen. Bei Siemens etwa rauschen jedes Jahr etwa 16.000 Praktikanten und Werkstudenten durch das Unternehmen, aber es führt keine Statistik, wie viele davon einen festen Job bekommen. Auf den Partys der 25- bis 30-Jährigen hört man häufig den Satz: "Ich mache jetzt noch einmal ein Praktikum." Der Satz klingt immer hoffnungsfroh und resigniert zugleich, was ein ziemliches Kunststück ist. Hoffnungsfroh, weil jede Praktikumsstelle bedeutet, dass man der Joblosigkeit für ein paar Monate entgeht. Resigniert, weil jeder weiß, dass er keine echte Chance haben wird, das Praktikum in eine feste Stelle zu verwandeln. Resigniert auch, weil es einem gar nichts mehr bringt für den Lebenslauf, denn die Rubrik "Praktische Erfahrungen" läuft bereits über. Manche haben so viele Praktika hinter sich, dass sie gar nicht mehr wagen, diese alle aufzulisten, wenn sie sich bewerben - potenzielle Arbeitgeber müssen ja denken, sie könnten sich nirgendwo einfügen. Wer sagt: "Ich mache noch einmal ein Praktikum", sagt das auch, weil er weiß, dass dann Ruhe ist. "Die dürfen jetzt auch noch extra zahlen. Von chancengleicher Bildung ist das meilenweit entfernt."

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Es hört sich einfach besser an als: "Ich bin immer noch ohne Job, und wenn noch drei Monate vergehen, dann bin ich langzeitarbeitslos."


von Miriam Ernst