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IM PORTRÄT: DIE LITERATURZEITSCHRIFT NEWLEAF

Am Anfang war das Wort


Auf diesem Bild ist die newleaf-Redaktion zu sehen. Foto: Solveig Wrage

Angeregte Unterhaltungen in der Redaktion.
Foto: Solveig Wrage

Wer sich in Bremen für die englische Sprache und ihre Kulturen interessiert, kommt um „newleaf“ nicht mehr herum. Angedacht war die Literaturzeitschrift zunächst als einmalige Dokumentation eines „Creative Writing“-
Kurses an der Uni Bremen. Das war 1994. Mittlerweile hat das zarte Pflänzchen von damals viele neue Blätter getrieben.


„Ich dachte, dass es sicher Spaß machen würde, sich mit Leuten zu treffen und gemeinsam eigene Texte zu veröffentlichen – und das auch noch auf Englisch.“ So kam Michael Büch zu Beginn seines Studiums der English-speaking Cultures und Germanistik vor eineinhalb Jahren zu „newleaf“. Schnell wurde ihm jedoch klar, dass seine Vorstellungen nicht so ganz mit der Realität übereinstimmen. Denn es gibt zwar Mitarbeiter, die auch für das Blatt schreiben, doch wer ein Magazin veröffentlichen will, muss vor allem etwas anderes tun: Organisieren.

Michael Büch. Foto: Universität Bremen

Michael Büch wollte eigentlich Texte schreiben. Nun organisiert er Events.
Foto: Solveig Wrage

Zwischen Organisation und Schreiben

Der 21-Jährige blieb dennoch dabei und ist nun einer von vier Event-Managern, die neben den halbjährlichen Launch-Partys zur Veröffentlichung der neuesten „newleaf“-Ausgabe (nächster Termin: 24. Januar) noch etliche weitere Lesungen organisieren. Schwierig sei vor allem die Koordination zwischen allen Beteiligten, schmunzelt Michael. Knapp 24 Personen sind an Herstellung, Vertrieb und Event-Organisation beteiligt. Die große Gruppe ist dabei sehr heterogen zusammengesetzt: „Wir studieren nicht alle im gleichen Semester, haben zum Teil ganz unterschiedliche Fächer“, erklärt Julia Scheit. „Newleaf ist eben nicht so eine eingeschworene Clique, und deshalb fühlt man sich auch als Neuling schnell wohl.“

Julia Scheit. Foto: Solveig Wrage

Anglistik Studentin Julia Scheit erntet die Früchte ihrer Arbeit und absolviert im Frühjahr ein Volontariat.
Foto: Solveig Wrage

Die 24-Jährige steht kurz vor ihrem Abschluss in Anglistik und Kulturwissenschaften. Am Anfang hat sie sich den Job als Event-Managerin gar nicht so ohne weiteres zugetraut. Doch nachdem sie von anderen Mitgliedern des „newleaf“-Stabs gefragt wurde, gab sie sich einen Ruck. Eine Entscheidung, die nicht folgenlos blieb: Durch die Arbeit kam schließlich auch der Wunsch, sich beruflich in diese Richtung zu orientieren. Im Frühjahr beginnt sie ein Volontariat bei einem Verlag.

Silke Hartmann studiert neben Anglistik/Amerikanistik auch noch Religionswissenschaft und Kulturwissenschaft. Auch sie schließt ihr Magister-Studium bald ab und ist, wie die meisten hier, durch den Kurs von Ian Watson zu der Zeitschrift gekommen. Dr. Ian Watson unterrichtet unter anderem Creative Writing an der Uni Bremen und hat vor zwölf Jahren das Projekt ins Leben gerufen. Mittlerweile ist er hoch erfreut darüber, „wie professionell alles geworden ist.“ Diejenigen, die jetzt zum Stab hinzustoßen, verfügten bereits über viel handwerkliches Wissen.

Silke Hartmann. Foto: Solveig Wrage

Mit Freude bei der Sache: Redaktions-Mitglied Silke Hartmann.
Foto: Solveig Wrage

Feedback aus aller Welt

Das liege wohl nicht zuletzt auch an der Internetseite, deren Inbetriebnahme „newleaf“ viele Zusendungen von Texten aus aller Welt bescherte. Aber auch die Gestaltung des Heftes, für die der ehemalige Kunst- und Anglistikstudent Oliver Chrystossek seit 1999 verantwortlich zeichnet, ist besser geworden. Mittlerweile gibt es neben Watson auch noch zwei weitere Herausgeber: Julia Boll, eine ehemalige Studentin der Uni Bremen, die gerade in Schottland promoviert, und Simon Makhali, der dem Blatt ebenfalls nach dem Studium treu geblieben ist. Das ist ganz im Sinne des Dozenten für Britische und Irische Literatur und Kultur, denn Watson hat sich vorgenommen, „mich bis zu meiner Rente immer mehr zurückzuziehen. Ich sehe ‚newleaf’ in der Zukunft als ein Projekt, das von den Studierenden in Eigenregie organisiert wird.“ Wenn man auf die bisherige Geschichte blickt, steht dem wohl nichts im Wege...


von Solveig Wrage