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Das Grünkohl-Special

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Jahrhunderte im Zeichen der Kohlfahrt


Landstraße mit Straßenschild, auf dem vor Boßelspielern gewarnt wird. Foto: pixelio.de/special4kd

Vorsicht, Boßelspieler!
Foto: pixelio.de/special4kd

Die fröhliche Zusammenkunft zum Grünkohlessen ist nichts Neues, schon vor 200 Jahren pflegte man(n) diesen Brauch – damals nahmen an den Kohlfahrten nur Männer teil, wohl um den familiären Pflichten zu entfliehen. Doch da hat sich im Laufe der Jahre einiges geändert. Heute wird die Kohlfahrt zum Familien-
ausflug.


Gemeinsam gegen die Kälte

Wenn der Winter also schön frostig war, verabredeten sich wohlhabende Bürger damals zu einer Landpartie mit dem Schlitten oder zu Fuß – denn erst die Bewegung und so manches Spiel an der kalten Winterluft sorgten für den nötigen „Kohldampf“. Danach kehrten die hungrigen Herren bei einem Landmann ein um in einer vergnüglichen Männerrunde einen fetten Kohltopf mit Schinken, halbem Schweinskopf und Mettwurst zu verschmausen – da ging´s dann oft feucht-fröhlich zu. Seit den 1930er Jahren dürfen Frauen auch mit dabei sein, allerdings gab es zunächst für sie keinen Branntwein, sondern Kaffee oder mal ein Likörchen. Heute sieht alles ganz anders aus. Ob Mann oder Frau, ob Jung oder Alt, ob im Freundes- oder Kollegenkreis: Die verschiedensten Gruppen ziehen mit einem Bollerwagen über einsame Landstraßen und frönen den lustigsten Hauptsachen einer Kohlfahrt: den Spielen und den Schnäpsen.


Und nun wird's lustig: die Spiele

Die wohl bekanntesten Spiele sind Boßeln, Besenwerfen oder Teebeutelweitwurf, aber auch Eierlaufen, Erbsen-Weitspucken, Sackhüpfen, Tauziehen und Sockenweitwurf sind unter den Kohlfahrern sehr beliebt. Das Boßeln, wohl die traditionellste Sportart der Kohlfahrt, ist eine Mischung aus Kegeln und dem französischen boule-Spiel. Man braucht nur eine 800 Gramm schwere Pockholz-, Gummi- oder Kunststoffkugel, eine möglichst gerade Strecke, deren Länge von den Kohlfahrern festgelegt wird und los geht´s. Wer die Strecke mit den wenigsten Würfen zurücklegt, gewinnt – ähnlich verhält es sich beim Besenwerfen, nur dass der Besen dabei geschickt und im eleganten Bogen geschleudert wird. Beim Teebeutelweitwurf kommt auch der Mund mit ins Spiel: Nur mit der Schnute muss versucht werden, den Teebeutel so weit wegzuschleudern wie möglich. Hört sich alles albern an? Ist es auch und soll es auch. Denn alle Spiele haben ein Ziel: Der Gewinner oder der Verlierer oder bestenfalls beide, müssen Hochprozentiges zu sich nehmen. Meistens ist das (Apfel-)Korn oder roter Genever.


Schnaps hilft nicht nur gegen Kälte

Die Trinkzeremonien sind ein fester Bestandteil der Kohlfahrt – um den Schnaps ins Spiel zu bringen, lässt man sich vieles einfallen: Die einen Kohlfahrer halten an jedem Gullydeckel oder Häuserecke an und gießen einen Schluck für jeden in den Eierbecher. Oder der Schaumstoffwürfel entscheidet, man würfelt etwa an jeder Häuserecke und wird´s eine sechs, dann heißt es trinken. Auch der so genannte Saufbalken ist ein beliebtes, oder auch gefürchtetes Ritual. Dazu werden auf einem langen Brett so viele Eierbecher montiert, wie Kohlfahrer mitmachen. Diese müssen sich dann nebeneinander stellen und den Schnaps gleichzeitig runterkippen – da ist Kleckern garantiert. Nach der Wanderung durch die Kälte kehren die Kohlfahrer in ein gemütliches Gasthaus ein, um dort traditionell den hungrigen Magen mit Grünkohl, Pinkel und Mettenden zu füllen und den Abend mit Live-Musik und Tanz ausklingen zu lassen.

Bei jeder Kohlfahrt ist die Wahl des Königspaars der Höhepunkt. Ursprünglich wurden diejenigen Kohlkönige, die am meisten oder am längsten Kohl essen konnten. Heute greift man auch noch auf andere Methoden zurück, um das hochherrschaftliche Paar zu erküren: Vorher-Nachher-Wiegen der Kohlfahrer ist da sehr beliebt, oder auch das „Da-ist-etwas-im-Pudding-Spiel“, bei dem nur das Königspaar z.B. ein Gummibärchen in seinem Pudding findet. Und wozu werden König und Königin gekürt? Na, um die anspruchsvolle Organisation der nächsten Kohlfahrt zu übernehmen!


von Monika Sowinska