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"Die sozialen Bedingungen sind unfassbar"
Raffela Engelmeier in ihrem Contigo Shop. Raffela Engelmeier leitet seit sechs Jahren den Contigo Fair Trade Shop in der Katharinenstraße in Bremen und kennt sich in Sachen fair gehandelter Kaffee gut aus. Wir wollten in einem Gespräch mit ihr herausfinden, wie Fair Trade funktioniert und warum es sich lohnt, etwas mehr Geld für diesen Kaffee auszugeben. Lest hier das Interview. Unter welchen Bedingungen müssen die konventionellen Kaffeebauern arbeiten?Ein Problem von den "normalen" Kaffeebauern ist, dass sie sehr schlecht bezahlt werden. Die Löhne sind so niedrig, dass sie nicht davon leben können. Es sind meistens auch nur Saisonarbeiter, das heißt sie werden nur für die Kaffeeernte eingesetzt und sind nicht fest eingestellt. Die sozialen Bedingungen unter denen die Bauern dort leben müssen, sind unfassbar. Die Arbeiter sind zum Beispiel nicht krankenversichert. Wenn sie nicht arbeiten können, werden sie auch nicht bezahlt und können ihre Familie nicht ernähren.
"Die Kaffeebauern bekommen für ihren Kaffee einen Mindestpreis, der ihnen garantiert, dass sie von ihrer Arbeit leben können." Was ist anders bei fair gehandeltem Kaffee?Bei Fair Trade werden Genossenschaften unterstützt, die sich selbst organisieren. Die Mitglieder (die Kaffeebauern) sind demokratisch an jeglichen Entschlüssen beteiligt. Sie sind krankenversichert und es stehen, abhängig von dem Projekt, Kinderhorte zur Verfügung. Dort können Frauen ihre Kinder hin schicken, damit sie selbst auch die Möglichkeit haben, zu arbeiten. Diskriminierung jeglicher Art wird nicht toleriert. Die Kaffeebauern bekommen für ihren Kaffee einen Mindestpreis, der ihnen garantiert, dass sie von ihrer Arbeit leben können. Der faire Handel fördert auch eine kontinuierliche Zusammenarbeit, das heißt es werden nicht einmalige Einkäufe zum Schnäppchenpreis getätigt, wie auf dem Weltmarkt üblich. Es wird regelmäßig kontrolliert, ob bestimmte Standards eingehalten werden und die Menschen unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten. Wo bekommt man den Fair Trade Kaffee?Man bekommt den Kaffee in Weltläden und es gibt Kirchen, die Basare veranstalten. Mittlerweile gibt es den fair gehandelten Kaffee auch in Supermärkten, allerdings ist das umstritten. Die kleinen Bioläden haben vor zehn oder zwanzig Jahren versucht, den fairen Handel voran zu treiben und die sind jetzt natürlich im Nachteil, wenn Ketten wie Lidl kommen und den fair gehandelten Kaffee billiger verkaufen. Wie viel von dem, was man für den fair gehandelten Kaffee mehr bezahlt, kommt bei den Kaffeebauern an?Die Mindestpreise werden mit den Kleinbauern verhandelt und liegen um das zwei- bis dreifache höher als die Weltmarktpreise. Meistens werden mit ihnen Verträge über ein Jahr abgeschlossen. Man kann jetzt aber nicht sagen, dass ein oder zwei Euro des Kaffeepreises an die Bauern gehen. Das kommt auf die Verträge, auf die Anbaugebiete und auf die Mengen an, da gibt es viele Abstufungen. Bei normal gehandeltem Kaffee gibt es eine längere Kette von Zwischenhändlern, die auch noch etwas vom Gewinn einstreichen. Das ist beim fairen Handel nicht so. Den höheren Preis zu zahlen, lohnt sich aber nicht nur aus dem Gedanken heraus, dass man etwas Gutes tut. Der Kaffee schmeckt auch besser, weil die Bohnen von Hand gepflückt und sortiert werden und die Qualität so hochwertiger ist. |
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