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Der Knochenmann

Land: A
Jahr: 2009
Regie: Wolfgang Murnberger
Länge:
Darsteller: Josef Hader, Josef Bierbichler, Birgit Minichmayr
Sparte:
FSK: 16
www: hader.c...
 

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Ösi-Schmäh vom Allerfeinsten




Eigentlich würde er ja lieber mal ein bisschen "aufs Land fahren", sagt der leicht abgerissene, schütterer werdende Brenner (Josef Hader) zu seinem Vorgesetzten und Arbeitgeber. Doch der Unerbittliche lässt ihn nicht, und so muss sich der Privatdetektiv ins eben von einer verarmten Mutter derb kassierte Leasing-Auto setzen und dienstmäßig hinausfahren aufs Land, um einen weiteren Schuldnerwagen zurückzuholen - einen "gelben Beagle mit einer Vase" drin.

So erzählt, könnte es vielleicht ein gewöhnlicher Krimi werden, ein braver "Tatort", in dem es um arme, unschuldig verschuldete Leute geht. Doch bei Murnberger, Hader und Co. wird man in die grausamsten Abgründe des gewöhnlichen Lebens hinabgeführt. Unter anderem in den Fliesenkeller einer Seniorenausflugsstation, in welchem der Wirt unterm Maschinengrollen die Hendlreste des Gastraums zermahlt, auf dass sie nach der Verfütterung als Frischware wieder zurückkehren.

Spätestens hier ahnt man, dass es nicht beim Zerkleinern des Abgegessenen bleibt. Gleich zu Beginn war immerhin ein slawischer Zuhälter durchs Bordellfenster gesegelt, weil ein braver Mensch einer schreienden Dirne zu Hilfe kam.

Jedenfalls befindet sich fortan nicht nur ein ratensäumiger Autobesitzer auf der Flucht - auch der Hendlwirt hat sich rächender Habgier zu erwehren. Ob Josef Bierbichler, der diesen Wirt mit aller Abgründigkeit spielt, die ihm zur Verfügung steht, noch jemals eine derart zwischen Gut und Böse schillernde Rolle haben wird, sei dahingestellt. Im Zweikampf mit Hader zieht er jedenfalls alle helldunklen Register seines Spiels. Wie er sich seines schmächtigen, den Wirtsthron begehrenden Sohnes zugleich schroff und verantwortungsvoll erwehrt, wie er zwischen Mordlust und Liebesverlangen schwankt, muss man gesehen haben.

Andererseits: Arg, wie Hader im teuflischen Bierbichler-Gasthaus sofort den wunderlichsten Familienanschlüssen anheimfällt, wie er aufgesogen wird von den ödipalen Wünschen des Wirtssohnes (Christoph Luser) und der Liebe einer frustrierten Jungwirtin (Birgit Minichmayr), wie er Einsichten in die wichtigen Dinge des Lebens bekommt, in Sex, Gier und Liebe. Zum Herzerweichen.

Wolfgang Murnberger und sein Kameramann (Peter von Haller) bleiben ihren anatomiegrünen, seismografisch verwackelten Krankenhausbildern treu. Doch trotz Blut und Knorpelmasse: Die fahlen Abgründe eines selbstverliebten Splattermovies werden mit seligem Heimatdialekt gekonnt abgefedert. Man fühlt sich geborgen in seinem Kinositz, weil hier zuletzt das Gute siegt. Und weil man Menschengulasch im Kino glücklicherweise sowieso nicht schmecken kann. Ein Ösi-Kinoschmäh vom Allerfeinsten. Beneidenswert.


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