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Die Bremer "Nachtwanderer"


Auf diesem Bild sieht man drei junge Frauen vor einem Aufhänger, auf dem steht, dass man sich engagieren soll, statt rumzuhängen. Foto: bremen4u/Uwe Wichert

Eine sichere Atmosphäre wollen die 40 Nachtwanderer beim Nachtschwärmen bieten.
Foto: bremen4u/Rebecca Klein

Weite Verbreitung findet derzeit ein Projekt, das 2004 in Bremen-Nord seinen Anfang nahm. Rund 40 Erwachsene ab 25 Jahren, doch vor allem Eltern zwischen 40 und 60 Jahren, engagieren sich für Jugendliche in ihrer Region. Als sogenannte "Nachtwanderer" versuchen sie in Kleingruppen von vier Personen, an Wochenenden jugendlichen Nachtschwärmern eine sichere und aggressionsfreie Atmosphäre zu bieten.


"Viele verstehen unsere Intention anfangs nicht", erklärt der Mitwanderer Felix Bindernagel aus Schönebeck. "Dabei ist der Kern einfach: Wir sind da und gucken hin!" Felix Bindernagel ist hauptberuflich Entspannungstrainer. Mit diesem Background und den freiwillig absolvierten Deeskalationstrainings, Rhetorikschulungen und Erste-Hilfe-Kursen, geht er an Wochenenden auf Jugendliche zu, redet mit ihnen über ihre aktuellen Erlebnisse, begleitet sie in den Nachtbussen nach Hause: "Meine beruflichen Qualifikationen sind aber nicht als notwendige Voraussetzung anzusehen – mitwandern kann jeder, ob Hausfrau, Rentner oder Student."

Positive Resonanz

Gut erkennbar dank Westen mit der Aufschrift "Nachtwanderer", bewegen sich die Gruppen gezielt dorthin, wo gerade was los ist. Immer mit dabei: ein Erste-Hilfe-Kasten, Taschenlampen und zwei Handys für den Notfall. "Doch richtig ernst", erzählt Felix Bindernagel, "wurde es bei unseren Einsätzen zum Glück noch nie!" Die ungewöhnlichen Einsatzzeiten, freitags und samstags zwischen 22.30 und 3 Uhr, verträgt Bindernagel auch mit 50 Jahren sehr gut. "Es gibt ein gutes Gefühl, wenn man nachts nach Hause kommt, ohne dass etwas passiert ist", berichtet Bindernagel. Er schläft vielleicht weniger, dafür aber umso beruhigter.

Kontakt

Einen weiteren Vorteil der Aktion sieht er in der Förderung des Dialogs zwischen den Generationen. Er selbst konnte durch die Gespräche mit Jugendlichen auf der Straße viele Vorurteile gegenüber der heutigen Jugendkultur abbauen. Anfängliche Ängste haben einer positiveren Einstellung Platz gemacht. "Dass wir uns für die Jugendlichen interessieren, freiwillig, ohne Bezahlung und ohne moralischen Zeigefinger, stößt bei den meisten auf positive Resonanz. Das hat mich schon sehr beeindruckt."

von Rebecca Klein