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Ist das die neue Frauenbewegung?
Diskussionrunde bei bremen4u. Vielleicht liegt es ja nur am viel zitierten Sommerloch, vielleicht entwickelt sich in Deutschland aber auch tatsächlich eine neue "Frauenbewegung", eine Art "Feminismus 2.0". Die Medien jedenfalls sind aktuell voll von solchen Geschichten. Wir wollten wissen, was Bremer Frauen über deren sexuelle Freizügigkeit denken und ob hier tatsächlich ein neuer Feminismus wächst. Deshalb haben unsere Redakteurinnen Simone Gorecki und Carina Reichert die Bremerinnen Sandra Prawitt, Tina Groll, Eve Champagne, Lea Finn und Katja Runge zum Gespräch eingeladen. Was haben uns Lady Bitch Ray und Charlotte Roche zu sagen?bremen4u: Die Medien sind derzeit voll von Diskussionen um weibliche Emanzipation, die Protagonistinnen, Lady Bitch Ray und Charlotte Roche, sprechen eine derbe Sprache und proklamieren eine neue Art von sexueller Freizügigkeit. Was haltet Ihr von diesem Ansatz? Lea: In meinem Freundeskreis haben wir keine Probleme, offen über Sex zu reden. Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Das hat nichts damit zu tun, ob man ein Mann oder eine Frau ist. Lady Bitch Ray ist ein Fall für sich. Sie ist eine Kunstfigur, die auffällig sein soll, mehr aber auch nicht. Eve: Ich finde beide klasse! Charlotte Roche finde ich sympathischer. Habe ihr Buch gelesen, fand’s aber an ein paar Stellen zu heftig. Lady Bitch Ray finde ich noch krasser. Man kann sexy sein, muss aber nicht vulgär sein. Meine Generation ist locker, ich kenn aber auch Frauen, die haben Probleme, über Sex zu reden. In meinem Freundeskreis ist das aber nicht so. Tina: Mich ärgert das so! Ich habe das Buch von Alice Schwarzer "Der kleine Unterschied" gelesen – darin hat Alice schon 1975 das Thema weibliche Sexualität als Tabuthema aufgegriffen. Und bis heute hat sich wenig geändert: Ich habe in meinem Freundeskreis Frauen, die nach außen eine tolle Beziehung führen, aber noch nie einen Orgasmus hatten! Sandra: Wie reagieren solche Frauen auf Lady Ray und Charlotte Roche? Tina: Ich glaube, das geht an denen völlig vorbei. Sie sehen die als Medienfiguren. Sandra: Ich kann mir vorstellen, dass viele Frauen sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen und abgeschreckt werden. Das ist kein Feminismus. Es gibt bestimmt Frauen, die sich fragen "Muss ich jetzt auch so offen sein, um modern zu sein?" Die bekommen doch Angst. Ich persönlich find’s unterhaltsam. Wir sind doch mit recht starken Frauenbildern aufgewachsen, wie Courtney Love oder Madonna. Charlotte Roche ist quasi die Generation danach – was ist daraus geworden?! Find’s ein bisschen doll. Lady Ray ist halt so persönlich. Mehr Artikel zum ThemaKatja: Ich finde überhaupt nicht, dass sie befreiend wirken. Lady Bitch Ray verkauft sich selbst als Kunstfigur. Sie macht mehr Geld, wenn sie im Gespräch ist. Den unterdrückten Frauen hilft sie damit gar nicht, die gibt es nämlich immer noch. Sie redet nur von sich selbst. |
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