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Interview mit Dr. Roland Bogun
Gemeinsam können wir viel bewegen - meint auch Dr. Roland Bogun
Ist die Rede über den Klimaschutz im Allgemeinen Schwarzmalerei? Oder geht Bremen bald unter?Sofern sich die Frage auf die Aussagen des Weltklimarats (IPCC) bezieht, sehe ich angesichts der großen Zahl sowie der unbestrittenen Kompetenz der hieran beteiligten Wissenschaftler überhaupt keinen Anlass, deren Warnungen infrage zu stellen und als bloße Schwarzmalerei abzutun. Im Gegenteil: ich halte es für eher wahrscheinlich, dass diese Aussagen noch sehr vorsichtig formuliert sind. Zur PersonDr. Roland Bogun ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut artec, Forschungszentrum Nachhaltigkeit Woran merken wir die Klimaveränderungen?Beim Klimawandel handelt es sich um einen langsamen, sich auf große Zeiträume beziehenden Prozess, der sich der unmittelbaren Wahrnehmung entzieht. Gerade in diesem allmählichen Charakter des Klimawandels (Stichwort: "schleichende Katastrophe") sehen viele Wissenschaftler die Ursache dafür, dass die Dringlichkeit des Klimaproblems erst ziemlich spät ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt ist. Grundsätzlich können wir uns den Klimawandel nur indirekt, d.h. mit Hilfe von wissenschaftlichen Methoden, statistischen Daten, alten Fotografien (z.B. von Gletschern) u.Ä. bewusst machen. Kann eine einzelne Person überhaupt etwas bewegen?Als einzelne Person - im wahrsten Sinne des Wortes - natürlich kaum; als Teil einer kollektiven Aktivität, einer Kampagne oder einer sozialen Bewegung hingegen schon. Dass etwa die Umweltbewegung, die zunächst von vielen abgelehnt wurde, sehr viel zum ökologischen Problembewusstsein und zur Umweltpolitik beigetragen hat, ist ja inzwischen unbestritten. Wichtig ist, dass es dabei nicht um einzelne Handlungen von einzelnen Personen geht, sondern darum, dass hieraus neue gesellschaftliche Standards, Regeln und "Normalitätsvorstellungen" entwickelt werden, die sich auch in einer Veränderung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen niederschlagen müssen. Denn die Diskussion über individuelle Handlungsmöglichkeiten sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass energiepolitische und wirtschaftliche Entscheidungen - also etwa verstärkte Förderung der erneuerbaren Energien oder Planung neuer Kohlekraftwerke, Ausstieg aus der Kernenergie oder nicht - von erheblich größerer Tragweite sind. Gibt es in der Bevölkerung ein erhöhtes Bewusstsein für die Thematik?Inzwischen ist das Klimaproblem auch in der breiten Bevölkerung angekommen. Dazu haben unter anderem die intensive Diskussion des erwähnten letzten Berichts des Weltklimarats, der sog. Stern-Bericht über die ökonomischen Kosten des Klimawandels sowie auch der Film von Al Gore "Eine unbequeme Wahrheit" erheblich beigetragen. Nach Untersuchungen des Umweltbundesamts sehen etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung im Klimawandel eine existentielle Bedrohung für die Menschheit. Fast 90 Prozent sehen die Industrieländer in der Verantwortung für den Klimaschutz, und etwa zwei Drittel befürworten eine Vorreiterrolle Deutschlands in der Klimaschutzpolitik. Auch die Ergebnisse eines Projektes, das z.Zt. an unserem Institut durchgeführt wird, weisen darauf hin, dass das Thema Klimawandel im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen ist. Allerdings werden daraus offenbar sehr unterschiedliche Konsequenzen gezogen. Brauchen wir neue Gesetze, damit nachhaltig gewirtschaftet und gelebt wird?Das halte ich für einen ganz zentralen Punkt. Denn natürlich können gesetzliche Vorgaben erheblich mehr bewirken als Veränderungen einzelner Handlungsweisen. So ist zum Beispiel der relative hohe Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland nicht auf Veränderungen im Konsumentenverhalten, sondern auf die gesetzlich vorgeschriebene Einspeisevergütung zurückzuführen. Wichtig dabei ist: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen gelten eben nicht nur für einzelne, sondern generell; dadurch können sie auf eine größere Akzeptanz treffen als persönliche Veränderungen im Alltagsverhalten. So bekunden in der genannten Studie des Umweltbundesamts viele Befragte durchaus die Bereitschaft, mehr für den Umweltschutz zu tun - allerdings: "Wenn alle so handeln würden". Haben Sie einen persönlichen Tipp, Klimaschutz zu betreiben?Neben den bekannten Tipps wie Bezug von Öko-Strom, Zurückhaltung bei Flugreisen, bei der Pkw-Nutzung oder beim Fleischkonsum usw.: sich überall dort, wo dies möglich ist, z.B. in der Familie, im Freundeskreis, in Vereinen und Verbänden, und nicht zuletzt auch in der Wahlkabine, für eine anspruchsvolle Klimapolitik einzusetzen - und dabei nicht zu vergessen, dass es daneben auch noch andere wichtige - ökologische, ökonomische und soziale - Aspekte und Probleme einer "nachhaltigen Entwicklung" gibt! |
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