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DER STADTTEILGUIDE FÜR WOLTMERSHAUSEN

26 Freunde müsst ihr sein!


Auf diesem Bild sind Ruderer auf einem alten Boot zu sehen. Foto: lokomotive-pusdorf.de

Alle Bremer Meisterschaften konnten die Pusdorfer bisher für sich entscheiden.
Foto: lokomotive-pusdorf.de

Es ist ein heißer Mai-Tag auf der Breminale 2005. Insgesamt 19 Teams haben sich zur achten Bremer Stadtmeisterschaft im Kutterpullen eingefunden. Das Publikum feuert an, die Spannung steigt. In Booten, die aussehen wie alte Rettungsboote, liefern sich gestandene Männer auf einer Strecke von 200 Metern einen harten Wettkampf, immer zwei Teams gegeneinander im K.O.-Verfahren. Eigentlich die Königsdisziplin für die Favoriten “Lokomotive Pusdorf”, zugleich Organisatoren der Bremer Stadtmeisterschaften und Titelverteidiger. Alle Bremer Meisterschaften konnten die Pusdorfer bisher für sich entscheiden. Doch die Lokomotive will heute nicht so richtig in Fahrt kommen, am Ende siegen die Mannen von “Gno Motion”, die Pusdorfer scheiden bereits im Achtelfinale aus – ein Desaster für das erfolgsverwöhnte Traditionsteam.


Seit 1992 treffen sich die Kutterpuller von “Lokomotive Pusdorf” jeden Montag Abend auf der Weser, um sich auf Wettkämpfe vorzubereiten und einer Sportart zu huldigen, welche seinerzeit aus Trainingseinheiten der Marine hervorging und zur Traditionspflege nautischer Kameradschaften in Wettkampfform gebracht wurde. Seit etwa 1985 wird an verschiedenen Orten in Europa Kutterpullen als Sport betrieben, dabei pullt (= rudert) ein Team von etwa 10 bis 15 Leuten in einem Kutter (ein Beiboot größerer Schiffe) über eine festgelegte Distanz. In dem Kutter sitzen die Rudernden paarweise nebeneinander an den Riemen, und der Steuermann sorgt für den richtigen Kurs (Navigation) und “bearbeitet” (Kutterpuller- Ausdruck für die Motivation) die Mannschaft.

Den ersten Preis erhielt Lokomotive Pusdorf seinerzeit nicht unbedingt für herausragende Leistungen am Ruder, sondern für die schlechteste Koordination. Das war vor 14 Jahren und man fand sich auf Nachfrage eines Nautik-Studenten zusammen, der auf einer Party Leute für ein Kutterpullen-Rennen rekrutierte. Gemeinsamkeiten waren da schnell gefunden, keiner der Teamkollegen hatte vorher je in einem Boot gesessen. Doch beim Kutterpullen geht es eh neben der sportlichen Herausforderung um Geselligkeit und Heiterkeit, was “Lokomotive Pusdorf” über die Jahre in der Kutterpuller-Szene den Ruf echter Stimmungskanonen eingebracht hat. Zu den bisherigen Höhepunkten zählen indes der triumphale erste Platz im Rahmen der Kieler Woche 2004, sowie der dreimalige Turniersieg der inoffiziellen Europameisterschaft, auch Novemberrennen genannt.

“Lokomotive Pusdorf” umfasst momentan 26 Mitglieder in einer Altersspanne von 22 bis 54 von denen tatsächlich nur einer in Pusdorf ansässig ist. Eine “Lokomotive Schwachhausen” oder “Lokomotive Viertel” wird es deshalb trotzdem nie geben, man möchte schließlich die Tradition wahren. Sportliche Ziele gibt es für Harro, Chrischel & Co. noch einige, auch jenseits der klassischen Kutterpuller-Rennen. So möchte man zum Beispiel auf der diesjährigen Breminale an der Premiere des Naturathlon teilnehmen und bei dieser Kombination aus Drachenboot fahren, Laufen und Wissensquiz natürlich als Sieger hervorgehen. Ein Preisgeld von 2000 € winkt, was dem Etat der nächsten Kutterpuller-Saison entspräche. Auch als Gründungsväter des ersten Weltverbandes in die Analen der Kutterpuller-Geschichte einzugehen, würde “Lokomotive Pusdorf” mit Sicherheit gut zu Gesicht stehen, aber dieses Projekt bleibt wohl erstmal eine romantische Vorstellung der Lokomotive-Anhänger.


von Renato Leo