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AUGEN-OPERATION MIT LASERTECHNIK

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Und plötzlich kann ich wieder sehen


Auf diesem Bild sieht man Sven Börchers der in ein Gerät blickt. Seine Augen werden vor der Operation vermessen. Foto: Sven Börchers

Vermessung der Augen vor der Operation
Foto: Sven Börchers

Es ist wie ein Wunder: der morgendliche Griff zur Brille ist über Nacht überflüssig geworden, um die Uhrzeit auf dem Wecker erkennen zu können. Es ist, als wäre ich neu geboren worden – zumindest mit neuen, besseren Augen. Dabei war doch gestern bloß der Termin zur Lasik-OP.


Jeder dritte bis jeder zweite Deutsche ist fehlsichtig. Genaue Zahlen gibt es nicht. Die meisten leiden an Kurzsichtigkeit (Myopie). Bei mir wurde in der Grundschule bei einem Sehtest festgestellt, dass ich eine Brille tragen musste. Das war damals knallhart. Ich habe mich zwei Jahre geweigert, bis ich nicht mehr erkennen konnte, was vorne an der Tafel stand. Im Alter von 13 Jahren bekam ich endlich Kontaktlinsen. Damit bin ich viele Jahre gut ausgekommen. Völlig frei habe ich mich trotzdem nicht gefühlt. Abends, wenn die Augen müde wurden, mussten die Dinger rausgepfriemelt werden, morgens zickten die kleinen Haftschalen manchmal beim Einsetzen rum – natürlich immer dann, wenn sowieso Eile geboten war.

Auf diesem Bild sieht man eine Augen-OP. Ein Patient liegt unter dem Laser. Um ihn herum stehen drei Ärzte. Foto: Sven Börchers

Augen auf und durch!
Foto: Sven Börchers

Vor gut 20 Jahren kam erstmals ein Laser zum Einsatz, um die Hornhaut zu modellieren. Das heute gängige Verfahren heißt Laser-Insitu-Keratomileusis (Lasik). In Deutschland kostet so eine OP etwa 1000 bis 2000 Euro pro Auge. Die Krankenkasse zahlt in der Regel nicht. Das Ziel der Operation ist es, die Hornhaut so zu verändern, dass das auf der Pupille eintreffende Licht so bricht, dass der Brennpunkt wieder auf die Netzhaut im Auge trifft. Wichtig ist, dass das Auge ausgewachsen ist und sich nicht mehr verändert. Das ist meist mit Mitte 20 der Fall.

Vor der OP sind zahlreiche Messungen erforderlich. Zwischendurch werden immer wieder Flüssigkeiten in die Augen getropft, um die Pupille zu weiten, Entzündungen vorzubeugen und um das Auge zu betäuben. Dann geht es endlich los. Die Pupillen so groß wie die eines Uhus lege ich mich auf den OP-Tisch. Die Augenlider werden festgeklebt, damit sie nicht mehr geschlossen werden können.

Über mir pulsiert ein rotes Licht, das Brummen der Maschine dringt durch meine Ohren. Ein gleißendes Licht blendet mich plötzlich, das Klebeband unterdrückt den Reflex, die Augen zu schließen. Dr. Bauer, der schon Hunderte OPs gemacht hat, fragt, ob alles in Ordnung sei. Es ist ein komisches Gefühl, man fühlt sich in gewisser Weise ausgeliefert. Aus dem Grund ist es wichtig, vorher den Arzt kennen zu lernen und das Gefühl zu haben, bei ihm in guten Händen zu sein.

Auf diesem Bild sieht man eine Auge mit einer strahlend blauen Iris. Foto: pixelio.de/Engelbogen

Wieder den Durchblick haben - die Augen-OP macht's möglich.
Foto: pixelio.de/Engelbogen

Während ich den Daumen hebe, greift eine der umstehenden Schwestern nach meiner Hand. Das wirkt auch bei starken Jungs beruhigend. Es kann und soll losgehen. Der Arzt pfropft einen Aufsatz auf das Auge, mit dem ein sogenannter Flap in die Hornhaut geschnitten wird. Das kann man sich wie einen Klodeckel vorstellen, der beiseite geklappt wird. Die Hornhaut besteht aus mehreren Schichten. Vom Stroma, der mittleren Schicht, wird mittels Laser ein Stück abgetragen. Es riecht ein bisschen nach angebranntem Fleisch. Schmerzen spüre ich zwar nicht, aber jeden Tag muss ich so einen Eingriff auch nicht haben. Zum Glück geht alles ganz schnell, vielleicht fünf Minuten pro Auge.

Für den Rest des Tages und die Nacht bekomme ich einen Augenschutz aus Kunststoff. Ich sehe damit fast aus wie eine Hornisse. Die nächsten Stunden sind nicht schön, die Augen tränen so stark, dass ich fürchte auszutrocknen. Die Augen müssen geschlossen bleiben, man fühlt sich ziemlich hilflos. Ich bewundere blinde Menschen, die ihren Alltag auch ohne das für mich wichtigste Sinnesorgan meistern.

Am nächsten Morgen dürfen die Hornissenaugen ab. Wie durch einen Schleier schaue ich mich um. Es sieht alles etwas nebelig aus, aber schon deutlich besser als noch 24 Stunden zuvor. Fast stündlich wird der Blick schärfer, die Konturen deutlicher und das Gefühl schwächer, in einer Dunstglocke zu sein. Die Erleichterung ist groß, als Dr. Bauer bei der Nachuntersuchung sagt, dass alles gut gelaufen sei.

Die Technik ist so ausgereift, dass beim Eingriff eigentlich nichts schief gehen kann. Die Gefahr von Nebenwirkungen besteht trotzdem. Letztlich birgt jede Operation ein Risiko, das insbesondere dann gut abgewogen sein will, wenn es sich um ein eigentlich gesundes Organ handelt. Nach der Operation kann eine erhöhte Blendempfindlichkeit auftreten. Manche Patienten sehen um Scheinwerfer und Laternen ringförmige Lichtreflexe (Halos) oder haben Schwierigkeiten in der Dämmerung, alles scharf zu sehen. Über Langzeitfolgen gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse.

Die Erfolgschancen sind dann am größten, wenn die Sehschwäche nicht zu ausgeprägt ist. Die sogenannte refraktive Laserchirurgie wird theoretisch bei Fehlsichtigkeiten von -10 bis +5 Dioptrien eingesetzt. Auch Hornhautverkrümmungen (Astigmatismus) lassen sich bis zu einem Zylinder von 5 Dioptrien behandeln. Ob eine Operation sinnvoll ist, muss eine Untersuchung beim Arzt klären.

In der Zeit nach der OP kann die Sehkraft noch ein bisschen schwanken. Nach einigen Wochen hat sich die endgültige Sehkraft eingestellt. Ich bin auch ein Jahr später immer wieder fasziniert. Manchmal stehe ich abends immer noch im Bad und will mir die Kontaktlinsen rausnehmen, bis mir wieder einfällt: Die brauche ich ja gar nicht mehr.

von Sven Börchers