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Computer und Kameras
Sind wir bald nur die Summe dessen, was in Chips von uns gespeichert ist?
Foto: mbs - Fotolia.com
Die Technik hilft uns, die Technik macht das Leben leichter. Alles ist so schön bequem geworden. Und Terrorist und Verbrecher ist man doch auch nicht. Was schert es einem also, wenn Daten fröhlich gesammelt werden? Und das bisschen, genau auf den eigenen, vermeintlichen Geschmack zugeschnittene Werbung? Das ist doch Service! Oder? Wir zeigen ein paar Beispiele.
Überwachungskameras: Bitte recht freundlich
Heute: Quizfrage: Wie viele Überwachungskameras stehen in London? Antwort: Knapp 4,5 Millionen! Fast also für jeden Pflasterstein eine eigene Kamera. Auch in Bremen gibt es immer mehr Kameras: In allen Fahrzeugen der BSAG, an "Brennpunkten" wie der Discomeile, am Bahnhof oder im Viertel. Und in Kaufhäusern und vielen Restaurants sowieso. Die Kameras können über das Internet gesteuert werden. Der Überwachende kann also am anderen Ende der Welt sitzen. Gerade bei den internet-basierten Kameras gab es in den vergangenen Jahren einen rapiden Preisverfall, so dass immer mehr Unternehmen sie einsetzen. Jüngstes Beispiel: Deutsche Unternehmen haben ihre Angestellten systematisch auch noch im Pausenraum überwacht, angeblich um den Diebstahl am Arbeitsplatz einzudämmen.
Gefahr: Völlige Überwachung auf Schritt und Tritt. Kaum geht man aus dem Haus, ist man erfasst: Auf dem Bahnhofsvorplatz, in der Bahn, beim Brötchenholen, auf der Arbeitsstelle. Das ist das Ende der Privatsphäre. Es können Bewegungsprofile von beliebigen Personen erstellt werden. Unbeteiligte geraten oft ins Fadenkreuz der Ermittler. Nach einer Straftat werden die Aufzeichnungen der Überwachungskameras ausgewertet und wer zur falschen Zeit am falschen Ort war, muss sich rechtfertigen. Es gibt im Bundesdatenschutzgesetz genaue Richtlinien, wie lange die Überwachungsdaten gespeichert werden dürfen. Bei der Unmenge an privaten Überwachungskameras ist eine Kontrolle aber unmöglich.
Zukunft: Computergesteuerte Überwachungssysteme mit vielen Kameras sollen lernen, einzelne Personen zu identifizieren und kontinuierlich zu überwachen, ob im Einkaufszentrum oder in einer ganzen Stadt. Am Mainzer Hauptbahnhof hat das Bundeskriminalamt einen Pilotversuch schon 2006 erfolgreich abgeschlossen: Die Computer und Kameras hatten gelernt, einzelne Gesichter in der Menge mit gespeicherten biometrischen Daten zu vergleichen und somit die Personen wiederzuerkennen. Und die Daten zur Gesichtserkennung sind seit Ende 2008 in jedem Reisepass - sieht da jemand eine Verbindung? Außerdem arbeiten Forscher daran, dass die Computer das Verhalten der aufgenommenen Menschen analysieren können. Hintergrund: Es gibt so viele Kameras, dass die Überwachung von Menschen durch andere Menschen nicht mehr machbar ist, also sollen Computer automatisiert nicht nur aufzeichnen, sondern auch bewerten. Der "große Bruder" aus George Orwells Roman "1984" ist schon lange da ...
Computer - Internet: WWW
Google bietet Betreibern von Webseiten ausführliche Statistiken, woher die Besucher kommen.
Foto: Screenshot/Google Analytics (von privat)
Heute: Im Internet ist man nicht anonym. Dein Provider ordnet Dir bei der Einwahl eine weltweit eindeutige IP-Adresse zu. Und die wird an jede Seite, die Du ansurfst, übermittelt. Nicht, um Dich zu überwachen, sondern damit der Server, auf dem die Seite liegt, weiß, wohin er seine Daten schicken soll. Wie lange diese Daten gespeichert werden, darauf hast Du keinen Einfluss. Die Serverbetreiber erfahren allein durch den Aufruf einer Seite schon eine Menge von Dir: Welches Betriebssystem Du hast, welchen Browser Du benutzt, wo Du ungefähr bist (IP-Adressen werden nach Ländern und Regionen verteilt) und jede Menge anderer Kleinigkeiten. Mit einem Riesenaufwand versuchen Unternehmen Dein Surfverhalten über Seitengrenzen hinweg zu verfolgen.
Gefahren: Cookies, Webbugs, Flashcookies… Die Liste der WWW-Schnüffler ist endlos. Das zeigt, wie wichtig den Unternehmen Deine Klicks sind. Die Internet-Datensammler wie Doubleclick sind echte Schwergewichte mit riesigem Umsatz. Maßgeschneiderte Werbung ohne große Streuverluste. Da bekommen Marketing-Abteilungen feuchte Augen. Online-Buchhändler speichern so beispielsweise, welche Produkte Du Dir angesehen hast und begrüßen Dich dann beim nächsten Besuch mit einer passenden Auswahl. Wenn man Cookies ausschaltet, kann man viele Seiten nicht mehr richtig nutzen. Also sollte man sie regelmäßig löschen. Über dubiose Seiten fängt man sich auch schnell mal einen Trojaner ein, also den Virenscanner aktuell halten!
Zukunft: Ab nächstem Jahr wird kräftig überwacht: Mit der Vorratsdatenspeicherung ist der Provider verpflichtet, aufzuzeichnen, von welcher IP wann welche Seiten aufgerufen wurden. Das Ganze muss sechs Monate gespeichert werden. Worüber sich im Fall China alle lautstark aufregen - die genaue Kontrolle der Internetkommunikation - wird hierzulande klammheimlich eingeführt. Jedem Internetnutzer wird also erst einmal unterstellt, was Kriminelles vorzuhaben. Das ist einmalig in der Geschichte des deutschen Rechtsstaates. Natürlich soll nur bei besonders schweren Straftaten auf die Daten zugegriffen werden. Aber wenn ein Kumpel dann bei Dir mal spaßeshalber eine fundamental-islamistische Seite aufgerufen hat, klingeln demnächst ein paar freundliche Herren mit unangenehmen Fragen bei Dir ...
Computer - Internet: E-Mail
Heute: Nach der Spamwelle haben die meisten User immerhin schon gelernt, vorsichtig mit ihrer E-Mail-Adresse umzugehen. Schaden macht klug. Trotzdem ist den meisten nicht bewusst, dass eine E-Mail wie eine Postkarte ist: Jede Stelle auf dem Übertragungsweg kann mitlesen, was drinsteht. Und welchen Weg die E-Mail nimmt, kannst Du nicht beeinflussen. Zugegeben: Es ist unwahrscheinlich, dass bei Deinem Internetprovider jemand sitzt, den es interessiert, dass Du heute auf die Meile gehst oder Schnupfen hast. Trotzdem lohnt es sich, das im Hinterkopf zu behalten.
Gefahr: Wirklich wichtige Dinge gehören nicht in eine E-Mail - außer sie ist verschlüsselt. Private Emails mit brisantem Inhalt nicht vom Arbeitsplatz senden - der Admin kann jederzeit mitlesen (obwohl das strafbar ist). Es haben schon einige ihre Kündigung bekommen, weil sie in Mails oder Forumposts von ihrem Arbeitsplatz lautstark über ihren Chef geschimpft haben. Wähle für Deinen Mail-Account (und sowieso für alle Accounts) ein starkes Passwort, am besten eine Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Einige Freemail-Anbieter wie Googlemail durchsuchen Seine Mails automatisiert nach bestimmten Stichworten und präsentieren Dir dann die passende Werbung. Bedenklich! Verschlüsselungsprogramme wie GPG schaffen Abhilfe, sind aber nicht ganz so leicht zu bedienen.
Zukunft: Auch hier schlägt die Vorratsdatenspeicherung zu. Behörden und Sicherheitsdienste können ab 2009 jede Deiner E-Mails verfolgen - und dass sechs Monate rückwirkend. Auch hier gilt: Nur bei schweren Straftaten soll auf die Daten zugegriffen werden. Aber auch so geraten dann viele völlig Unschuldige ins Visier der Fahnder. Sei also lieber vorsichtig, wem Du schreibst, Du könntest sonst in eine Ermittlung geraten
Computer - Internet: Google
Die freundliche Suchmaschine, die niemandem etwas Böses will.
Foto: Screenshot
Heute: Über 90 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland laufen über Google. Und auch wenn Googles Firmenmotto "Tu nichts Böses" ist - soviel Macht in den Händen eines Unternehmens stimmt viele Experten nachdenklich. Das Unternehmen hat sich mit seinen "Google-Maps" und vor allem mit "Street-View" in der Vergangenheit die Kritik von Datenschützern zugezogen. Schließlich ist die größte Einnahmequelle für den Internetriesen die Online-Werbung.
Gefahr: Google ist überall. Suchanfragen, E-Mails, Kalender, Nachrichten: Wer nur ein paar der Google-Angebote nutzt, kann eigentlich auch direkt sein Tagebuch an das Unternehmen schicken. Allein die Suchbegriffe, die man eingibt, verraten viel. In den USA hatte AOL anonymisierte Daten zu Suchanfragen für Forschungszwecke ins Netz gestellt. Kurze Zeit später klingelte ein Reporter bei einer AOL-Nutzerin. Er konnte sie ausschließlich anhand der Suchbegriffe, die sie bei AOL eingegeben hatte, eindeutig identifizieren.
Zukunft: Google hat gerade einen eigenen Browser, "Chrome", gestartet und beherrscht den Online-Werbemarkt mittlerweile vollständig. Im Projekt "Street View" filmt Google ganze Städte ab. Auch Bremen ist mittlerweile größtenteils erfasst. Dazu schreibt der Bremer Datenschutzbeauftrage Sven Holst in einer Presseerklärung: "Google beschränkt sich bei seinen Aktionen…nicht auf Hauptstraßen und touristische Attraktionen, sondern filmt auch kleinste Nebenstrassen in Bremen! (…)Das Medium 'Street View' kann sehr leicht Kriminellen zum Auskundschaften geplanter Raubzüge dienen oder aber sensible Einrichtungen wie beispielsweise Frauenhäuser gefährden."
Laptop: Einmal zum Mitnehmen bitte
Heute: Für viele ist der Rechner mittlerweile so etwas wie das erweiterte Gehirn und ein Laptop ist zum Mitnehmen gedacht. Was viele dabei vergessen: Er kann somit auch gestohlen oder verloren werden. In Großbritannien wurde ein Laptop mit streng geheimen Dokumenten über Al Qaida in einem Zug gefunden. Das britische Verteidigungsministerium musste zugeben, dass ihm in den letzten Jahren einige hundert Laptops abhanden gekommen sind.
Gefahr: Ein verlorener Laptop ist schon extrem ärgerlich. Wenn kurze Zeit später noch das Konto leergeräumt wird, weil auf dem Rechner praktischerweise alle Passwörter in einem Dokument mit dem Namen "Onlinebanking-Infos" gespeichert waren, ist die Katastrophe perfekt. Also: Wichtige Daten auf einem Laptop (und eigentlich auf jedem Rechner) gehören verschlüsselt, beispielweise mit dem kostenlosen Programm "Truecrypt". Dasselbe gilt im Übrigen für USB-Sticks - man hat seinen Stick schnell mal im Internetcafé vergessen oder verloren. Besonders gefährlich: der USB-Stick am Schlüsselbund. Der vielleicht nicht so freundliche Finder des Schlüssels kann dann anhand der Daten auf dem Stick noch herausfinden, zu welchen Türen die Schlüssel passen - eine Einladung für Diebe.
Zukunft: Die meisten Hersteller spendieren heute ihren Laptops Fingerabdruckscanner. Die lassen sich aktuell aber noch recht leicht überlisten. Das Computermagazin "c't" hat getestet, ob die Scanner eine Attrappe erkennen, die man leicht selber von einem Fingerabdruck erstellen kann: Die meisten Scanner haben gepatzt. Trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung.
von Achim Eidenberg