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KEINE GEHEIMNISSE

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Interview: Sebastian Raible


Auf diesem Bild sieht man Sebastian Raible. Foto: bremen4u

"Öffentliche Daten nutzen, private Daten schützen"
Foto: bremen4u

bremen4u-Autor Achim Eidenberg sprach mit Sebastian Raible, Gründungs- und Vorstandsmitglied vom Chaos Computer Club (CCC) Bremen. Raible hatte zunächst nur ein Treffen von Computerinteressierten organisiert. Daraus ist im Juli 2008 der Bremer Ableger der Chaos Computer Clubs (www.ccchb.de) entstanden.


Was macht der Chaos Computer Club? Seid Ihr echte Hacker?

Sebastian Raible: Da ist die Frage, wie Du "Hacker" definierst. Wir nutzen keine Sicherheitslücken aus, um in Banken einzubrechen, wie man das in Filmen sieht. Uns geht es um einen kreativen Umgang mit Technik, vielleicht auch abseits von dem, was die Hersteller vorsehen. Und wir kümmern uns um die Privatsphäre. Das Motto vom CCC ist: Öffentliche Daten nutzen, private Daten schützen.

Was denkst Du, wenn mal wieder ein Datenschutzskandal durch die Presse geht?

Dass es mich nicht überrascht. Momentan werden einfach so viele Daten gesammelt, da ist es klar, dass da Begehrlichkeiten aufkommen. Und dieselben Politiker, die sich jetzt lautstark für den Datenschutz einsetzen, machen mit der Vorratsdatenspeicherung genau dasselbe, nämlich riesige Datenmengen anhäufen.

Wie kann man sich denn wehren?

Man kann im Moment nur politisch dagegen arbeiten, das ist am sinnvollsten. Auf die Straße gehen, wie wir das zum Beispiel beim Aktionstag gegen den Überwachungsstaat gemacht haben. Der "Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung" hat außerdem eine Sammelklage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Das Gericht hat daraufhin die Regierung beauftragt, eine Statistik zu erstellen - um nachzuweisen, dass die Vorratsdatenspeicherung überhaupt notwenig ist. Die endgültige Entscheidung fällt im September dieses Jahres.

Gab es noch andere Aktionen?

Es gab zum Beispiel eine Aktion, bei der verschiedene Leute SIM-Karten für's Handy gekauft haben und die dann untereinander getauscht. Damit wird es schwerer nachvollziehbar, wem welches Handy gehört. Selbst wenn jede SIM-Karte einer Person zugeordnet ist, heißt es danach nicht mehr, dass die auch mit dem Handy unterwegs ist.

Sonst noch Tipps zum Datenschutz?

Wenn man mal wieder eine E-Mail-Adresse angeben soll, kann man ja mal nachfragen: Wofür wird das verwendet? An wen werden die Daten weitergegeben? Verdient Ihr damit Geld? Man hat ein Auskunftsrecht nach dem Bundesdatenschutzgesetz, also kann man einer Firma eine E-Mail schreiben und fragen: Was habt Ihr für Daten über mich? Wo habt Ihr die her? Darauf hat man einen Anspruch - und man hat auch einen Anspruch darauf, dass diese Daten gelöscht werden.



von Achim Eidenberg