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Alle Artikel dieser SerieZeiglers wunderbare Welt des Fußballs (86) Fußball-Hasser
Fußball-Hasser wollen in Wirklichkeit eigentlich nur auf den Arm. In einer Boulevardzeitung, die ich von Zeit zu Zeit gerne lese, weil man dort ganz gut verfolgen kann, welchen Star der HSV als nächstes nicht bekommt, haben die Kollegen während der Fußball-WM eine groovy Kolumnenidee gehabt: Eine Redakteurin der Zeitung hat sich als Fußball-Hasserin geoutet und jeden Tag darüber geschrieben, weshalb die WM in Wirklichkeit etwas ganz, ganz Furchtbares ist. Eine putzige Idee war das alleine schon einmal deshalb, weil diese Kolumne dort im Sportteil steht, was wohl in erster Linie dazu führen dürfte, dass diese bedauernswerte Hass-Kolumnistin vier Wochen lang auf wenig Zustimmung gestoßen sein dürfte. Das ist aber nicht schlimm, denn wer solchen Humbug verzapft, ist meistens auch nicht sehr empfänglich für Zustimmung. Analog dazu hat eine Art Autor, der vermutlich bis zum heutigen Tag übelst darunter leidet, dass er als Kind nie “Daktari” gucken durfte, weil Papa immer zeitgleich die “Sportschau” sehen mußte, im Fußball-Fachblatt “Rolling Stone” erklärt, warum man Fußball fürchterlich hassen sollte, wenn man ein bißchen was in der Birne hat.
Schielender Löwe Clarence – Musste oft der Sportschau weichen, wenn Papa das so wollte. Brüder und Schwestern im Geiste finden die beiden fußballgeplagten, WM-gebeugten Kreaturen in a) Menschen, die demonstrativ das Trikot des Gegners anziehen, um die Deutschland-Fans zu ärgern, sowie b) in Menschen, die bei Straßenumfragen im Fernsehen grundsätzlich ungehalten über das Thema Fußball reden und ihr Statement meistens mit “... und überhaupt: die verdienen alle zuviel Geld!” schließen und dann noch c) Menschen, die sich im Kino “Das Dschungelbuch” angucken und bis zuletzt trotzig mit der Schlange “Kaa” statt mit Mogli sympathisieren.
Fußball-Liebhaber wollen allerdings auch manchmal auf den Arm. Aber Abneigung oder Desinteresse reichen normalerweise völlig aus. Schaut mal, es ist ja so: Ich laufe ja auch nicht rum und ereifere mich, wie blöd grüne Bohnensuppe schmeckt und dass so etwas verboten gehört und bestimmt nur von doofen oder schlechten Menschen konsumiert wird, oder echauffiere mich Fremden in der Straßenbahn gegenüber darüber, wie sehr ich Musicals von Andrew Lloyd-Webber hasse, oder schreibe Kolumnen in Hamburger Boulevardzeitungen, in denen ich enthülle, wie katastrophal so genannte “Arschgeweihe” meistens aussehen. Nein. Ich esse keine Bohnensuppe, gehe nicht in Musicals und lasse mir eben einfach kein Arschgeweih tätowieren. Bumm. Und das reicht als Statement vollkommen aus.
Arschgeweih-Besitzerin, die gerne grüne Bohnensuppe isst. Im Hintergrund läuft Musik von Andre Lloyd-Webber. Verurteile ich sie? Nein! Liebe Fußball-Hasser! |
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