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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (88)

Der Erfolg hat viele Gesichter ...


Auf diesem Bild ist David Beckham zu sehen.

David Beckham

... aber manche Gesichter haben einfach nie Erfolg. Eine Fußballervisage hat normalerweise mit den sportlichen Meriten ihres Besitzers nichts zu tun. Denkt man zumindest immer, aber das ist voll Quatsch. Denn gutes Aussehen ist wichtig, um als glamouröser Fußballstar wahrgenommen zu werden. Und das ist die Voraussetzung, um am Sonntag in der “BamS” gute Noten zu kriegen..


Sicher, am Rande kommt es bei Noten auch immer darauf an, ob man gut gespielt hat. Wer vier Gegentore verschuldet, bekommt eher eine schlechtere Note als jemand, der drei vorbereitet und zwei selbst gemacht hat. Aber abgesehen von solchen Feinheiten muss man sich gute Noten verdienen. Und die Aura eines Stars setzt sich neben guten Leistungen auf dem Platz auch aus seiner Startauglichkeit neben dem Platz zusammen, und die wird durch viele Faktoren beeinflusst.

Auf diesem Bild ist Victor Skripnik zu sehen.

Victor Skripnik

Das bedeutet: Wenn jemand z.B. “Gundolf Mumpe” heißt, muss er mindestens dreimal so gut spielen, um dasselbe Wohlwollen zu ernten wie jemand, der “Tony Cascarino” heißt. Und wenn er dann vielleicht noch schütteres Haar hat, muss er viermal besser spielen als jemand, der zweimal pro Woche zum Frisiert werden nach New York fliegt.

Nehmen wir mal den ehemaligen Bremer Victor Skripnik. Der hatte eine Glatze mit Gartenzaun und hieß ... nun ja: Victor Skripnik eben. Skripnik war ein sehr, sehr guter Fußballer. Das hat aber keiner gemerkt. Hätte er bis zum Karriereende den Haarwuchs eines Juan Pablo Sorin und vielleicht statt “Skripnik” einen Nachnamen wie z.B. “Makelele” gehabt, dann hätte er in jedem verdammten Spiel eine glatte Note besser abgeschnitten.

Auf diesem Bild ist eine Fotomontage zu sehen, bei der zwei Portraits, obere Teil des Kopfes von Victor Skripnik und der untere Teil von David Beckham, zusammengefügt wurden.

Dactor Skripham

Es gibt übrigens auch schickere und weniger schicke Herkunftsländer. Wer aus Uruguay kommt und “Miguel Rodriguez de Bomba” heißt hat etwas mehr Star-Chancen als ein Isländer, der “Gunnor Olfsen Joffsirsdottirsson” heißt. Umgekehrt hätte ein David Beckham nur die Hälfte seiner Länderspiele vorzuweisen, wenn er aussehen würde wie, sagen wir mal, Horst Hrubesch. Und er wäre dann auch nicht bei Real Madrid, sondern ungefähr bei Charlton Athletic. Spekulativ kann man noch hinzufügen: Ein Brite namens David Skripnik mit Glatze und Haarkranz wäre von den Medien fußballerisch wohl ungefähr genauso wahrgenommen worden wie ein Ukrainer namens Victor Beckham mit einer 400-Dollar-Frisur.

Auf diesem Bild ist eine Fotomontage zu sehen, bei der zwei Portraits, obere Teil des Kopfes von David Beckham und der untere Teil von Victor Skripnik, zusammengefügt wurden.

Vicvid Becknik

Wichtig ist es auch, sich besonders zu kleiden, wenn man als Star wahrgenommen werden will. Der Eine kauft sich grundsätzlich lappige T-Shirts, die man unbedingt zerknittert tragen muss, aber die dafür 800 Euro kosten. Der Andere hat einen begehbaren Kleiderschrank, der geräumiger ist als Victor Skripniks Vierzimmerwohnung (Lothar Matthäus) oder trägt grotesk hässliche Pelzjäckchen aus erst unmittelbar zuvor getöteten Iltissen (Effenberg). Das darf man machen, wenn man ein Star ist, oder zumindest dann, wenn man früher mal so getan hat, als sei man einer (Effenberg). Man sollte aber eine solche Iltisjacke nicht tragen, wenn man z.B. bei Leverkusen spielt und Carsten Ramelow heißt. Das Gleiche gilt übrigens für goldene Schühchen. Die darf man als dunkelgelockter Exzessiv-Dribbler aus Südamerika gerne tragen, aber bitte nicht als norwegischer Abwehrklopper mit einem Gesicht wie ein Heizkörper.

Auf diesem Bild ist eine Fotomontage zu sehen, auf dem Victor Skripnik die Haare von David Beckham bekommen hat.

Gundolf Mumpe

Wenn ihr also kicken könnt und vorhabt, mal ein echter Superstar zu werden, dann beherzigt folgende einfachen Grundregeln: 1.) Nicht zu früh mit goldenen Schühchen anfangen! 2.) Erst oberhalb der Regionalliga mit albernen Pelzjäckchen anfangen! 3.) Namensänderungen sind heute kein Problem mehr, wenn ihr Torwart seid und “Erwin Fliegenfänger” heißt. 4.) Strähnchen nur dann färben lassen, wenn ihr keine Halbglatze habt! Und 5.) Wenn ihr aus der Ukraine kommt – besser nicht aus der Ukraine kommen! (Gundolf Mumpe)


von Arnd Zeigler