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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (92)

"Wenn meine Oma ein Bus wäre, könnte sie hupen!"


Auf diesem Bild sind zwei Fußballspieler zu sehen. Einer tritt aus Versehen (?) dem anderen ziemlich kräftig in die Weichteile. Aua.

Wenn der den richtig trifft, fliegt der mit ins Tor.

Dieses unsterbliche, aber durch inflationäres Zitiert werden auch schon etwas gebückte Bonmot aus dem Munde von Dieter Eilts darf heute mal als Einstieg dienen auf ein sprachliches Fußball-Phänomen: In keinem anderen Lebensbereich wird der Konjunktiv so brutal verbogen wie im Fußball. Müsstermaldraufachten!


Auf diesem Bild sieht man zwei Fußballspieler. Einer rennt, der andere ist gerade gestürzt und hat seinen Schuh verloren. Der Spieler streckt den bestrumpften Fuß in die Höhe. Der Schuh ist bestimmt in drei Metern Höhe.

Wenn der wieder runterkäme, läge Schnee drauf.

Mysteriös daran ist, dass der Konjunktiv nicht unbedingt falsch verwendet wird. Nein, oft wird seine Existenz glatt geleugnet. Und deshalb hört man bei Beschreibungen turbulenter Spielszenen quasi nie den Satz „Ui, wenn der den Ball da gerade richtig getroffen hätte, wäre das für den Torwart aber ein Problem geworden!“. Nein. Auf dem Fußballplatz sagt man: „Wenn der den richtig trifft, schießt der den Torwart mit rein!“. Wumm. Man sagt auch nicht: „Ui, wäre er da eben nicht hochgesprungen, dann hätte der andere ihn voll erwischt!“. Nein. Auf dem Fußballplatz sagt man: "Wenn der nicht hochspringt, ist das Bein ab!"

Auf diesem Bild ist ein Torwart zu sehen, der den Ball wohl verpasst hat, aber trotzdem noch versucht, ihn zu kriegen.

Wenn der auf's Tor gekommen käme, hätte der Torwart ihn haben gekönntet.

Eine andere Kategorie stellen sprachlich korrekt formulierte, aber inhaltlich höchst dusselige Konjunktive dar, die meinen persönlichen Erfahrungswerten nach zu 80 % von DSF-Statistikern geäußert werden. Etwa: „Er hat jetzt vier Tore geschossen und fünf Tore vorbereitet. Wie wertvoll er für die Mannschaft ist zeigt sich, wenn man diese Tore mal abzieht. Ohne ihn stünde der FC Bayern dann nur auf Platz 11!“ Das mag dann stimmen, wenn der FC Bayern den Spieler durch einen Holzpflock ersetzt. Geht man aber davon aus, dass solche Spieler im Krankheitsfalle von anderen Spielern ersetzt werden, die oft sogar ebenfalls Berufsfußballer sind, dann lässt sich eine derartige Rechnung schon nicht mehr aufrecht erhalten.

Auf diesem Bild ist das Portrait einer Oma zu sehen.

Könnte hupen, wenn sie ein Bus wäre: Oma Eilts (Bild typähnlich)

Ein Klassiker des sogenannten „doofen Konjunktivs“ ist: „Wenn er aufs Tor gekommen wäre, hätte Kahn den sicher gehalten!“ So was wird in der Regel bei Bällen gesagt, die einen Meter über die Latte gehen - oder knapp neben den linken Pfosten. Unsinn ist der Satz, weil der Ball ja durchaus auch ganz woanders hinkommen könnte, „wenn er aufs Tor gekommen wäre.“ Korrekt wäre also nur die Variante: „Wenn der Ball so aufs Tor gekommen wäre, dass Kahn ihn hätte halten können, dann hätte er ihn halten können!“ Ein zeitlos schöner Satz, aber natürlich völlig ballaballa.

Auf diesem Bild ist ein gelber Bus zu sehen

Könnte nicht hupen, wenn er eine Oma wäre: Bus.

Schließen möchte ich am liebsten mit einem weiteren Klassiker aus der schillernden Welt der „Fußball-wenn-Sätze“, dem absolut nichts mehr hinzuzufügen ist. Ex-Kopfball-Ungeheuer Horst Hrubesch (Für Fußball-Laien: Ich bin nicht mit der Stirn auf die Tastatur gefallen – der hieß wirklich so!) wurde dereinst nach den Chancen der deutschen Nationalelf auf den Weltmeistertitel gefragt. Er antwortete zu 100 % wahrheitsgemäß: „Wenn wir alle schlagen, können wir es schaffen!“

von Arnd Zeigler