szmtag
 
 

<< zurück


Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (73)

Umstrittene Tore, oder:
„Aus“ is’, wenn die Haupttribüne brüllt -Teil 1


Ball über die Linie im Tor.  

Ball über die Linie im Tor.

 

Umstrittene Tore stellen im Leben eines Fußballfans etwas ganz besonderes dar. Man kann sich über ein vermeintlich zu Unrecht gegebenes (oder nicht gegebenes) stundenlang die Rübe heiß diskutieren, wird dabei in der Regel nach kürzester Zeit a) erst belehrend, dann b) laut und schließlich c) beleidigend, und von einer groben Fehlentscheidung, die z.B. zum Ausscheiden in einem Pokalwettbewerb geführt hat, hat man als Fan jahrelang etwas. Weil es nie aufhört, wehzutun. Nehmen wir die Fans des 1.FC Kaiserslautern. Die mussten im Pokal-Achtelfinale 2005/06 gegen Mainz 05 ins Elfmeterschießen und schieden möglicherweise aus, weil einer ihrer Elfer möglicherweise im Tor war, ohne dass es der Schiedsrichter möglicherweise sehen konnte.


Alleine schon die erstmalig in meinem Leben gleich dreifache Erwähnung des Begriffes „Möglicherweise“ innerhalb eines einzigen Satzes allerdings zeigt, dass es nicht immer so einfach ist mit der Entscheidung „drin oder nicht drin“. Nehmen wir den Klassiker der Fußball-Weltgeschichte: Das „Wembley-Tor“, das im Jahr 2006 seinen 40. Geburtstag feiert:

WM-Finale 1966: Hurst schießt, Latte! Linie? Tor? Tor! England Weltmeister. Deutschland beschummelt. Geschätzter Aufenthaltsort des Balles: Berührt die Linie, eher leicht davor.


Alleine vom berühmtesten Nicht-Tor der Fußball-Weltgeschichte existierend irritierend unterschiedliche Fotos. Während es auf den beiden ersten noch so aussieht, als sei der Ball wohl so ungefähr genau auf der Linie gewesen, tauchte dann dieses hier auf:

Wo ist der Ball genau? Nun... ...geschätzte 20 Zentimeter vor der Linie, oder?

Wo ist der Ball genau? Nun...

 

...geschätzte 20 Zentimeter vor der Linie, oder?


Interessant ist der Umgang der bevorteilten Briten mit diesem Tor. Die Nation, die geradezu manisch das Fairplay im Fußball kultiviert hat, kommt nur sehr schlecht mit dem Makel klar, ihren einzigen großen Erfolg durch eine Fehlentscheidung errungen zu haben. Der Torschütze Geoffrey Hurst sagt bis heute, es müsse wohl ein Tor gewesen sein, weil sein Kollege Martin Peters nahe dabei war und gleich gejubelt hat. Das englische Buch „World Cup Report druckte dieses hanebüchene Bild...:

„Fotografischer Beweis, dass der Ball die Linie überquert hatte.“  

„Fotografischer Beweis, dass der Ball die Linie überquert hatte.“

 


Das Problem ist: Der Ball auf diesem Foto ist weder komplett drin, noch ist er auf dem Boden. Der Schatten allerdings könnte durchaus drin sein, aber der WM-Titel im Schattenfußball ist eher wenig wert. Auch das eingangs schon erwähnte Leiden der Kaiserslautern-Fans kann mit einem Foto nicht nennenswert gelindert werden. Dies hier...:

...nahmen Zeitungen als „eindeutigen Bildbeweis dafür, dass der Elfer von Zandi (Kaiserslautern) im Tor war.

...nahmen Zeitungen als „eindeutigen Bildbeweis dafür, dass der Elfer von Zandi (Kaiserslautern) im Tor war.


Das Problem ist: Dieser Ball ist nichts als ein verwischter Fleck, noch nicht ganz auf dem Boden, und die Aufprallstelle ist vom Pfosten halb verdeckt. Die Kugel könnte drin gewesen sein, in der Tat. Könnte aber auch noch mit 3 Zentimetern auf der Linie gewesen sein, oder? Ein Bildbeweis jedenfalls ist das nicht. Es ist ein Dreck.

Und wie ich das beweise lest ihr in zwei Wochen - Teil 2 von Umstrittene Tore, oder: "Aus" is`, wenn die Haupttribüne brüllt.

von Arnd Zeigler