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Alle Artikel dieser SerieZeiglers wunderbare Welt des Fußballs (72) “We Will Rock You”,
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Erlebnis Hallenfußball! Nicht im Bild: "We Will Rock You". |
Der Begriff „Fast Food“ kommt angeblich aus dem Englischen und bedeutet „Schnelles Essen“, behaupten die einen. Die Kritiker sagen, „Fast Food“ sei ein eher deutsches Wort und verheiße vielmehr: „Beinahe so etwas wie Nahrung“. Ähnlich verhält es sich mit Hallenfußball: Das ist beinahe so etwas wie Fußball.
Weil aber eben nur „beinahe“, zieht es auch nicht so sehr die beinharten
Fans in die Hallen, wenn Veranstalter und vor allem das DSF in den
ersten Wochen eines neuen Jahres zum Hallenfußball bitten, der dann
immer „Budenzauber“ oder gerne auch mal „Indoor-Spektakel“ genannt
wird. Die Hallen sind dann meistens gut gefüllt mit Beinahe-Fans,
die statt „Spektakel“ und „Zauber“ meistens dies hier zu sehen bekommen:
1.) B-Mannschaften nur mäßig interessanter Bundesligisten
2.) Nasebohrende Mit-Fans, die noch 40 Minuten auf das nächste wenigstens
etwas interessante Spiel warten müssen und überlegen, ob sie sich
bis dahin in den Katakomben der Halle für ein paar Schlickersachen
anstellen sollen
3.) Ostblockteams ohne mitgebrachte Fans, die vom Veranstalter günstig
verpflichtet werden konnten
4.) Mächtig überdrehte Hallensprecher von einem lokal ansässigen Privathörfunksender
5.) Ca. zu Beginn der Halbfinalspiele sichtlich absackende Stimmung,
die sich durch einen hohen Prozentsatz nur noch lethargisch dasitzender
Budenzauber-Konsumenten auf den Tribünen dokumentiert
6.) Die gefühlt stundenlange Wahl des besten Spielers, besten Torwartes,
besten Torschützen unter dekorativer Involvierung möglichst vieler
örtlicher Sponsoren.
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Wirklich schöne Impressionen ergeben sich, wenn man beim Hallenfußball einfach mal den "Fußball" ausblendet und die übrig bleibenden Bilder auf sich wirken läßt. |
Und das sind, wie gesagt, nur die Dinge die man SEHEN kann. Von dem,
was man während eines Hallenturniers zu HÖREN wird, kann der Mund
kaum künden. Da wäre zum einen mal der Hallenmoderator. Das ist meistens
irgendein „Edi“, „Robbo“ oder „DJ Chico“ von dem lokal sehr populären
Sender „Radio Okidoki“ (Sendername typähnlich), der die Zuschauer
mit eigenem Gebrüll zur Räson bringen will. Eigentlich sollen ja beim
Fußball die Zuschauer brüllen, jedoch beim Hallenfußball ist das umgekehrt:
Robbo Zackowitsch brüllt in der Regel permanent, und zwar immer nur
einen einzigen Satz, der je nach Verein geistesgegenwärtig modifiziert
wird. Der Satz lautet: „WO SIND DIE FANS VON ..... !??!?“. Die Antwort
ist in der Regel dankbares Aufjauchzen der Beinahe-Fans, sofern es
um ihren Lieblingsclub geht. Bei den anderen fünf Teams herrscht betretenes
Schweigen. Ich habe in diesem Zusammenhang vor vielen Jahren bei einem
Turnier in Bremen einmal einen der schönsten Hallenfußballsätze aller
Zeiten gehört: „WO SIND DIE FANS VON ROTOR WOLGOGRAD???“ Wirklich!
(Die Antwort fiel bedrückend spärlich aus. Wolgograd hatte 7 Begleitpersonen
mit in der Halle. Keine von ihnen verstand den deutschen Sprecher.)
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Wann kommt man schon einmal so dicht an Ersatzspieler von Arminia Bielefeld heran? |
Betretenes Schweigen wird beim Hallenfußball meistens geschickt überspielt,
indem der Hallen-DJ dann ganz hastig „WE WILL ROCK YOU“ einspielt,
getrieben von der romantischen Hoffnung, die Halle möge alleine schon
dadurch zum pulsierenden Hexenkessel hoch kochen. Nach ungefähr 20
vergeblichen „WE WILL ROCK YOU“-Anläufen schaltet der DJ dann auf
etwas Progressiveres um, zum Beispiel auf die Hermes House Band oder
gleich auf DJ Ötzi.
Der Rest ist schnell erzählt. Sieger des Turniers wird meistens Arminia
Bielefeld, weil der große Favorit keinen Bock hat und früh ausscheidet
und der Lokalmatador dann doch zu grün ist und im Halbfinale mit 0:9
gegen irgendeinen anderen Bundesligisten ausscheidet. Bei den Bundesligisten
spielen sich völlig unbekannte Namen in den Vordergrund, wie zum Beispiel
Dominik Stroh-Engel von Eintracht Frankfurt oder Nils Fischer von
Arminia Bielefeld. Wenn Top-Teams wie Bayern München oder Schalke
04 am Start sind, müssen entnervte Väter mehrere Stunden lang ihre
in Tränen aufgelösten Kinder trösten, die sich auf Ballack und Kuranyi
gefreut hatten, aber von ihren Lieblingsklubs nur völlig fremde Milchgesichter
präsentiert bekommen, während Ballack und Kuranyi noch ihren verlängerten
Urlaub genießen.
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Die Eigentümer dieser Karten kaufen sich vermutlich gerade Schlickersachen. |
Torschützenkönig des Turniers wird dann wird irgendein 19-Jähriger
vom VfL Bochum, der nur 1,62 m groß ist und deshalb mit dem Hallenspiel
an sich und seinen Besonderheiten besonders gut klarkommt. Anschließend
hört man von ihm nie wieder etwas, weil er für das „richtige“ Spiel
draußen auf dem Rasen einfach viel zu klein ist.
Immerhin: Im Beinahe-Fußball ist der Kleine ein ganz Großer.
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