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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (83)

Die FIFA-WM 1003


Auf diesem Bild ist ein Mann von hinten mit typisch bayrischer Lederhose zu sehen.

Was die Fußballwelt seit der Eröffnungsfeier für einen typischen Deutschen hält.

Die WM ist immer noch mittendrin. Und, Boy! Meine fussballverrückten Kumpel und ich sind uns nach den ersten Tagen einig: Eine Fußball-WM ist schon mächtig toll! Allerdings, und da sind wir uns auch einig: Wir haben alle das Gefühl, sie hätte bislang mit ein bißchen Glück noch etwas toller sein können.

Natürlich machen die Spiele Spaß, und natürlich haben wir uns über den deutschen Auftaktsieg gefreut. Das torreichste Eröffnungsspiel seit der Kreidezeit, vier deutsche Tore ...! Fast ganz toll! Aber eben auch nur fast, denn aus der Presse haben wir gelernt, dass das Eröffnungsspiel nur so mittelgut war. Wegen unserer Abwehr. Gegen Polen haben wir dann zuviele Chancen ausgelassen. Irgendwas ist immer.
Analog dazu ist bei dieser WM bislang bei Licht betrachtet grundsätzlich alles nur so halb großartig. Die Freude, eine WM im eigenen Land zu erleben wurde gleich durch das unsägliche Heckmeck beim Run auf die WM-Tickets getrübt. Tenor: “Es ist toll, dass die WM hier ist. Leider kann ich trotzdem kein Spiel sehen.” Nun gut. Wenn man sich damit abgefunden hat, die WM im Fernsehen zu verfolgen, geht es gleich so weiter: Bei den ansonsten geschätzten Kollegen von Premiere wird man gequält von Fachleuten wie Boris Becker, Claudia Strunz/Effenberg und Dummbatz Effenberg höchstselbst, bei dessen Kommentaren man schmerzlich spürt, dass man seine Medienauftritte gar nicht mal so sehr vermisst hatte.

Auf diesem Bild ist Grönemeyer mit einem Afrikaner auf einer Bühne zu sehen.

Grönemeyer schwurbelt. Links im Bild: Sich drehender Quotenafrikaner (= welt- offen!). Nicht im Bild: Diverse “Olé Olé Olé’s”. Weitaus lustiger wäre gewesen, wenn die beiden vor dem Auftritt ihre Garderobe getauscht hätten. Den Song hätte das freilich auch nicht gerettet.

Angefangen hatte alles mit der Eröffnungsfeier. Und in deren Verlauf wurde die Vorfreude erstickt durch ein brutal-bayerisches Geballer aus Schuhplattlern, Tölzer Sängerknaben und folkloristischen Peitschenknallern. Da bemüht man sich, dem Ausland durch teure Imagekampagnen klarzumachen, dass Deutschland mittlerweile ein modernes, weltoffenes, hippes Land geworden ist, und dann katapultiert uns diese Eröffnungsfeier von der Anmutung her zurück in das Zeitalter des Schwarzweißfernsehens. Daran konnten dann auch die musikalischen Darbietungen nichts ändern. Die haben es eher noch schlimmer gemacht. Was reitet einen Herbert Grönemeyer, nach Jahren der Vorbereitung auf dieses Event einen “offiziellen WM-Song” wie nun ausgerechnet DIESEN abzuliefern:

Auf diesem Bild ist Günter Netzer und Wolfgang Overath zu sehen.

Günter Netzer und Wolfgang Overath fanden die Eröffnungsfeier auch nur so halb komisch.

“Zeit, das sich was dreht” ...? Abgesehen davon, dass Bälle zwar rollen, springen oder auch mal geknallt werden, aber sich sehr selten nur “drehen”: Was soll das bloß für ein Song sein? Ein lieblos zusammengeschütteter, klebriger Brei aus Quoten-Ethno-Anteilen vom Grabbeltisch, Grönemeyer-Geschwurbel aus der schlechteren Kategorie (so hätte früher mal eine B-Seite geklungen, als es noch B-Seiten gab) und ein paar unmotivierten “Olé Olé Olé!”- Einlagen, weil ... is’ ja ein Fußball-Lied.

“Zeit, das sich was dreht” ...? Abgesehen davon, dass Bälle zwar rollen, springen oder auch mal geknallt werden, aber sich sehr selten nur “drehen”: Was soll das bloß für ein Song sein? Ein lieblos zusammengeschütteter, klebriger Brei aus Quoten-Ethno-Anteilen vom Grabbeltisch, Grönemeyer-Geschwurbel aus der schlechteren Kategorie (so hätte früher mal eine B-Seite geklungen, als es noch B-Seiten gab) und ein paar unmotivierten “Olé Olé Olé!”- Einlagen, weil ... is’ ja ein Fußball-Lied.

Auf diesem Bild sind Pelé und Claudia Schiffer zu sehen.   Auf diesem Bild sind Sepp Blatter und Angela Merkel zu sehen.

Waren auch da: Pelé und Claudia Schiffer.

 

Sepp Blatter und Claudia Schiffer.


Ich fasse zusammen: Karten, die nur semi-einfach zu bestellen und noch schwieriger zu bekommen waren, eine Eröffnungsfeier wie Kraut und Rüben, ein nerviger Alptraum von WM-Song, gestammelte Experten-Statements von Ex-Spielern, denen man schon zu ihrer aktiven Zeit nur ungern zuhörte. Und, nicht zu vergessen, und passend zu alledem: Dieses hosenlose Maskottchen. Eine Metapher! Für alles! Unabhängig vom gebotenen Fußball besitzt die ganze WM-Organisation im Grunde keine Hose. “Deutschland 2006” wirkt bis jetzt nur so mitteldurchdacht.
Wahrscheinlich kam sie am Ende für manchen doch zu plötzlich und unerwartet, diese WM.

von Arnd Zeigler