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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (85)

Klare 16:9-Niederlage für das neue Bildformat!


Die ist ein Foto von einem Fernseher auf dem ein Fußballspiel im 4:3 Format ausgestrahlt wird. Foto: Arnd Zeigler

So sah Fußball im Fernsehen früher aus: Brasilien müht sich vergeblich gegen Frankreich ab.

Ich habe übrigens kein WM-Ticket bekommen. Für dieses Mal fand also, wie schon nach 1974, eine WM in Deutschland statt, ohne dass ich bei einem Spiel live dabei sein konnte. Nächstes Mal dann eben. Dann werde ich über 100 sein, aber ich werde es auf jeden Fall wieder versuchen.


So war ich also, wie fast alle geneigten und ungeneigten Leser dieses Fachblattes auf die gute alte Flimmerkiste angewiesen, die Dank Sowieso-Dingsbums-Hertz-Technik schon seit längerem nicht mehr wirklich flimmert und bei dieser WM mit dem revolutionären 16:9-Technik aufwartete. Das bedeutete für die meisten von uns: Es gab dicke Streifen oben und unten am Bildschirm.

Manche haben sich auch einen dieser 16:9-Fernseher angeschafft, für die die Natur dieses Format vorgesehen hatte. Um möglichst viele von diesen Fernsehern zu verhökern, wurden die Spiele bei dieser WM in eben diesem Format gezeigt. Anders ausgedrückt: Das Format wurde uns brachial aufgezwungen.

Ein 16:9-Fernseher kostete vor kurzem noch soviel wie der Helikopter, mit dem Beckenbauer während der WM unterwegs war. Inzwischen sind die Fernseher billiger geworden und kosten nun soviel wie früher ein DVD-Rekorder kostete, die wiederum nun soviel kosten wie eine durchschnittliche WM-Eintrittskarte.

Die ist ein Foto von einem Fernseher auf dem ein Fußballspiel im 16:9 Format ausgestrahlt wird. Foto: Arnd Zeigler

Toll: Das neue 16:9-Format. Mehr Mut zu langweiligem Randgeschehen auf dem Fernsehschirm!

DVD-Rekorder sind diese Dinger, mit denen Klinsmann mitten im Spiel die Zeit anhalten kann, wenn der Pizzabote klingelt – zumindest im Werbespot. So ein Ding habe ich jetzt übrigens auch. Seitdem bestelle ich täglich mehrmals Pizza vom Bringdienst, damit sich die Anschaffung auch lohnt. Und: Ich habe gleich als erstes aus einer Laune heraus versucht, mit dem Rekorder Beckenbauers Helikopter in der Luft anzuhalten. Ging aber nicht. Dreckskiste.

Kommen wir zurück zum „16:9-Format“. Die flammenden Befürworter dieses Formates –das sind hauptsächlich die, die damit viel Kohle verdienen - behaupten, dass man ein Fußballspiel viel besser verfolgen kann, wenn der Bildschirm breiter ist. Man kann also sehen, wie sich der rechte Torwart in der Nase bohrt, wenn seine Mannschaft den linken Strafraum ansteuert. Bittere Wahrheit: Bei kleineren 16:9-Bildschirmen führt dies dummerweise dazu, dass das eigentliche Spielgeschehen im Verhältnis zum Gesamtbild kleiner und fisseliger wird. Den meisten Fans wird das erst auffallen, wenn sie merken, dass ihr eigener 16:9-Fernseher zuhause irgendwie kleiner ist als die Großbildleinwand vorm Brandenburger Tor.

Nicht klar ist auch die Logik dahinter. Den Zuschauern jetzt mittels 16:9-Bildschirm auch die Ränder links und rechts zu zeigen ist so logisch, als würde man den Radiohörern eines Spiels künftig als Riesen-Attraktion anbieten, nicht mehr nur das unmittelbare Spielgeschehen hören zu können sondern mit Hilfe einer neuen Super-Duper-Technik zusätzlich die Gespräche vom Würstchenstand mit auf dem Sender zu hören.

Die ist ein Foto vom rechten und vom linken Rand eines Fernseher auf dem ein Fußballspiel im 16:9 Format ausgestrahlt wird. Foto: Arnd Zeigler

Exklusiv für euch: Dies sind die Ausschnitte, die man als rückständiger, rückwärtsgewandter, langweiliger, sooo’n-langen-Bart-Träger im herkömmlichen Format versäumt hat: Links am Rand das Senderlogo, ein paar Zuschauer, drei zuschauende Spieler und schönen Rasen. Rechts am Rand ein paar Zuschauer, ein paar Spieler, von denen einige nicht mal zuschauen und noch mehr Rasen.

Premiere-Abonnenten konnten sogar den direkten Vergleich wagen: Wer vom „Premiere-Normalbild“ auf das ZDF umschaltete, als z.B. Brasilien gegen Frankreich spielte, bekam einmal das alte und einmal das neue Format zu sehen. Resultat: Auf Premiere bekam man das Spiel wie früher zu sehen, mit dem Fokus auf das Spielgeschehen. Im ZDF bekam man simultan als Super-Sonderbonus einen Blick auf die Zonen des Spielfeldes, wo sich gerade nichts abspielte. Man musste also nicht so sehr auf das lästige Spielgeschehen achten. Fußball-Schnösel benutzen das 16:9-Format übrigens gerne, um albern damit herumzuprahlen, dass man durch den Blick auf die Bildränder links und rechts taktische Feinheiten besser sehen könne. Mit anderen Worten: Wer bisher zu doof war, um ein Spiel zu lesen, der kann es jetzt mit Hilfe der neuen Fernseh-Technologie.

Ich vermute stark, dass die Fernsehformatentwickler uns zur kommenden WM das nächste ganz große Ding auftischen: Ein 16:9-Format, bei dem man oberhalb und unterhalb des Bildes etwas zum jetzigen schmalen Bild dazunimmt, damit man oben und unten mehr vom Bild sieht als nur diesen schmalen Schlauch und schnürsenkelbindende Keeper.

Ich würde das sehr begrüßen. So einen Fernseher habe ich nämlich schon. Schon immer.

von Arnd Zeigler